Neues Buch vorgestellt: Wie der Mensch das Siebengebirge prägte

Neues Buch vorgestellt : Wie der Mensch das Siebengebirge prägte

Ein interdisziplinäres Forscherteam untersuchte die Kulturlandschaft des Siebengebirges und ihre Geschichte. Das Projekt mündete in einem aktuellen Buch. Beides förderte der Landschaftsverband Rheinland.

Spurensuche im Siebengebirge: Wie wurde die Landschaft in der Vergangenheit genutzt, wie hat sie sich dadurch verändert? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat sich intensiv drei Jahre lang mit diesem Thema befasst – und jetzt wurde das Buch mit den Ergebnissen der Arbeit der Wissenschaftler im Siebengebirgsmuseum vorgestellt: „Zeugen der Landschaftsgeschichte im Siebengebirge“.

Peter Wirtz lobte: „Ein hochinteressantes Buch, das neugierig macht.“ Der Königswinterer Bürgermeister dankte den Autoren und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), der nicht nur das Projekt, sondern auch die Veröffentlichung innerhalb der LVR-Schriftenreihe „Kulturlandschaftspflege im Rheinland“ förderte.

Wirtz machte direkt den Praxistest – anhand des Buches stellte er fest: Das Gelände am Kissel, wo schon Opa, Vater und auch er selbst im Schrebergarten ackerten, war vor über 100 Jahren ein Weinberg.

Exakt darauf kommt es an: „Die Dokumentation möchte es im wahrsten Sinne des Wortes ermöglichen, Landschaft zu ,lesen‘, um ihre historische Dimension erfassen zu können. Denn wie auf den Seiten eines Buches ist die Geschichte der Landschaft auch in diese selbst eingeschrieben“, bezeichneten Guido Kohlenbach und Martina Gelhar vom LVR die Intention der Veröffentlichung.

Von Schnitzenbusch und Rhöndorfer Tal

Untersucht wurden mit dem Schnitzenbusch in Dollendorf, der Wolkenburg und dem Rhöndorfer Tal ausgewählte kleinere und weniger bekannte Landschaftsräume durch die Biologin Barbara Bouillon, die Sozialhistorikerin Christiane Lamberty und den Geografen Joern Kling.

Als Kooperationspartner waren die LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, die Biologische Station im Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Königswinter samt Siebengebirgsmuseum aktiv. Sigrid Lange, Leiterin des Siebengebirgsmuseums und Nachfolgerin von Elmar Scheuren, der als Projektleiter an dem Werk mitarbeitete, dankte all jenen, die diese Forschungsaufgabe unterstützten, indem sie etwa ihre Archive öffneten wie zum Beispiel die Heimatvereine.

Die Forscher vermittelten bei der Buchvorstellung ihre Vorgehensweise. Die akribische Dokumentation einzelner Strukturen der Landschaft verbanden sie mit intensiven Recherchen aus historischer, geografischer und biologischer Sicht.

Sie erläuterten ihre jeweilige Perspektive auf die Zusammenarbeit am Beispiel der Wolkenburg mit deren drei Phasen der Nutzung: dem Steinabbau, der touristischen Erschließung im 19. Jahrhundert und „dem jetzigen Dasein als Naturschutzgebiet etwas abseits des Wegenetzes“.

Die Wolkenburg war nie höher

Apropos Wolkenburg: Der Leser erfährt auch, dass an der hartnäckig verbreiteten Annahme, die Wolkenburg sei vor der Abtragung durch die Steinbrüche 30 Meter höher gewesen, nichts dran sein kann. So schildert Kling die Überprüfung mittels Profilsimulation.

Die Hangneigung sei bei einem um 30 Meter höheren Gipfel, ausgehend vom heutigen Punkt mit 324 Metern, unrealistisch. Das würde ein Gipfelprofil mit Alpincharakter bedeuten. In der Literatur hatte das Team auch die diesbezüglichen Zweifel des Geologen Noeggerath aus dem Jahr 1844 entdeckt. In jener Zeit schickte sich der Berg an, beliebtes Ziel von Touristen zu werden, ob auf dem Rücken eines Esels oder auch zu Fuß.

Und spannend auch die Story vom „Wolkenkuckucksheim“ – aus dem geplanten Hotel auf der Wolkenburg wurde aber nichts. Biologin Bouillon indes hat die Entwicklung der Flora untersucht. Was gab es früher laut verschiedener Florenwerken, was gibt es noch? So wurde etwa das Fingerkraut um 2000 an der Wolkenburg noch gesichtet. „Eine Nachsuche im Jahr 2018 blieb leider erfolglos.“

Die Wolkenburg ist nur ein Bonbon aus einer großen Tüte von Erkenntnissen, die auf 346 Seiten dargelegt werden. Von der Wolkenburg geht es durchs Rhöndorfer Tal und vom Schnitzenbusch bis Kissel und zur Ortsrandlage am Petersberg mit den Villen und Parks und der neuen Nutzung zum Beispiel für Zahnradbahn, Sportplatz, Kleingartenanlage oder auch Luftschutzkeller. Fesselnd geschrieben, mit tollen Fotos bebildert, ist das Buch nicht nur ein Schwergewicht, sondern auch eine wahre Fundgrube.

Das Buch „Zeugen der Landschaftsgeschichte“ ( 346 Seiten, ISBN 978-3-00-063256-3) kostet 19,95 Euro.

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