Museumstag in Rhöndorf: Wenn Geschichte greifbar wird

Museumstag in Rhöndorf : Wenn Geschichte greifbar wird

Erinnerungen an Konrad Adenauer, das sind Erinnerungen an vergangene Generationen, an Eltern und Großeltern. Dieser Schluss drängte sich ganz deutlich auf, als das Rhöndorfer Adenauer-Haus zum Museumstag Gäste dazu eingeladen hatte, persönliche Erinnerungsstücke an den Altbundeskanzler mitzubringen und vorzustellen.

Kerzenhalter, eine Glocke, ein Orden, scheinbar formlose Gesteine und viele, viele schwarz-weiß Fotografien. Zu den Stücken aus dem Nachlass des "Alten" waren die Mitbringsel der Museumsgäste hinzugekommen. "Wir wollen über diese Erinnerungsstücke mit den Besuchern in einen Dialog kommen", hatte Geschäftsführerin Corinna Franz über die Veranstaltung gesagt. Und Gesprächsstoff, so viel wurde klar, gab es en masse.

Wie nicht anders zu erwarten, standen besonders die Fotografien und die Geschichten, die sie erzählten, im Vordergrund. Manfred Weiler hatte eine Fotografie aus dem Fundus der Marinekameradschaft zu Bonn mitgebracht. Es zeigte Adenauer, Adolf Heusinger und Eisenhower vor einer Air-Force-Maschine. "Weil es ein Foto von allgemeinem Interesse ist", überreichte Weiler das Bild der Stiftung. Franz versprach im Gegenzug, mit Hilfe der Archivmitarbeiter das undatierte Bild historisch genau zuzuordnen.

Daneben gab es jedoch auch solche Bilder, deren Geschichten fehlen. Dieter Glave etwa fand im Nachlass seines Vaters drei Porträtfotografien Adenauers. "Ich weiß nicht, woher oder warum er diese Fotografien hatte", erzählte Glave. "Über frühere Zeiten haben wir nie geredet."

In den Reihen der Anwesenden sah man stilles, zustimmendes Kopfnicken. Hier und da murmelte einer der Gäste: "So war das bei uns auch. Es wurde nie über die Jugendtage unserer Eltern oder Großeltern gesprochen."

Mit jedem Teil, das zur Adenauersammlung hinzukam, wurde ein weiteres Stück vergangener Generationen lebendig. Durch den Austausch untereinander wurden die Erinnerungen der Gäste greifbar, sie bekamen Silhouetten, Kanten und Schattierungen.

Und dann gab es jene, die Zeitzeugen nicht kannten, sondern selber welche waren. Addi Waldmann, 87 Jahre alt, brachte ebenfalls Fotografien. Auf beiden waren unter anderem zu sehen: Adenauer und er. Das eine Bild zeigte die beiden 1936 in Bonn, das andere 1966 in der Rhöndorfer Wohnung des Altkanzlers. Waldmann, Gründungsmitglied der karnevalistischen Polit-Parodisten "Die Vier Sternenburger", hatte seine eigenen Aufnahmen mitgebracht und erzählte aus dem Nähkästchen.

"Politische Parodien waren Hauptteil unserer Darbietungen. Oft waren wir danach noch beim Georg." Georg, das war der jüngste Sohn Adenauers aus seiner Ehe mit Auguste Zinsser. Als Mitarbeiter Jürgen Schmied fragte, wie Adenauer solche Parodien denn aufgenommen habe, antwortete Waldmann: "Na, der war doch Kölner! Der war ja selber Karnevalist!" Viel Zeit verbrachte Waldmann mit Georg Adenauer. "Der war ein richtiger Kölsch-Fanatiker, wir hatten richtig Spaß. Wir saßen dann immer hier, und dann ging die Post ab", so Waldmann. Beenden habe das immer nur der Hausherr Adenauer gekonnt: "Der hat sich ab und zu mal beschwert, der Georg solle doch nicht immer so faul sein. War schon ein lustiger Vogel der Georg."

Das Rätsel um die zunächst belanglos erscheinenden "Gesteine" löste indes Jürgen Schmied: "Das sind Kohle und Stahl." Sie sollten die im April 1951 gegründete "Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl" symbolisieren, deren Unterstützer und Förderer Adenauer war.

Das Adenauer-Haus wollte unter dem Motto "Museum. Gesellschaft. Zukunft" zeigen, dass Museen auch Orte des Dialogs und der Partizipation sein können. Die Gäste standen im Vordergrund, erzählten und tauschten sich aus. Museumsmitarbeiter hielten sich weitgehend zurück. Das Ziel ward erreicht.