Mögliche Räumung: Was passiert mit Little Britain in Linz?

Mögliche Räumung : Was passiert mit Little Britain in Linz?

Der Kreis Neuwied hat Gary Blackburn die Räumung seiner Ausstellung angedroht, zu der unter anderem Mr. Beans Mini und ein Centurion-Panzer gehören. Das empört viele Fans. Landrat Achim Hallerbach hält einen Kompromiss für möglich.

Der Landrat des Kreises Neuwied, Achim Hallerbach, hat sich in den Streit um „Little Britain“ eingeschaltet. Die Kreisverwaltung hatte am 6. Juli verfügt, dass die private und kostenlose Ausstellung des Briten Gary Blackburn in Kretzhaus mangels Baugenehmigung „sofort zu entfernen“ und das frei zugängliche Gelände samt dem Kasbach-Wanderweg abzusperren sei. Wenn dies bis zum 10. August nicht geschehe, sehe sich der Kreis gezwungen, die Beseitigung der Anlagen anzuordnen.

Gegen diese Verfügung hat Blackburn, der sich zurzeit im Urlaub in Cornwall befindet, inzwischen Widerspruch eingelegt. Kretzhaus ist zwar ein Ortsteil der Stadt Linz am Rhein, das Blackburn-Gelände gehört aber zur Gemarkung Erpel.

Der Kreis hat die Frist mittlerweile um einen Monat bis zum 15. September verlängert. Außerdem soll es auf Initiative von Landrat Hallerbach ein Dreier-Gespräch mit Erpels Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer und Blackburn nach dessen Rückkehr aus dem Urlaub geben.

Im Kreis gibt es nur zwei Themen: Die Rheinbrücke und Blackburn

„Ich habe die Reißleine gezogen“, sagte Hallerbach dem General-Anzeiger. Zurzeit gebe es im Kreis Neuwied nur zwei Themen: „Die Rheinbrücke und Blackburn.“ Auf beiden Seiten würden offensichtlich Informationsdefizite und Vorbelastungen durch Grundstücksfragen im Umfeld bestehen.

Dazu kommen ein Nachbarschaftsstreit, die offenen Fragen des öffentlichen Wanderwegs auf Blackburns Gelände und der Mitnutzung eines Gemeindegrundstücks durch den Unternehmer sowie die Frage, ob der Panzer stationär oder beweglich sei. „Das Schwarzer-Peter-Spiel bringt aber nichts. Es ist ein Streit um Kaisers Bart“, so Hallerbach.

Tatsache sei, dass es für die Ausstellung von Gary Blackburn, zu der neben einem Märchenwald auch ein 52-Tonnen-Centurion-Panzer gehört, keine Baugenehmigung gebe. „Was da geschaffen wurde, muss man baurechtlich fassen. Das muss geregelt sein“, sagte der Landrat. Das sei auch im Sinne Blackburns, der dadurch Rechtssicherheit erlange. „Lösbar ist aber vieles. Das ist kein Hexenwerk“, fügte er hinzu.

Fakt sei aber auch, dass die Ortsgemeinde Erpel Blackburns Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans abgelehnt habe. Am 25. April votierte zunächst der Hauptausschuss, am 7. Mai dann der Ortsgemeinderat einstimmig dagegen. Letzterer folgte damit einer Empfehlung der Verwaltung (siehe Kasten).

Ein Grundstückstausch könnte die Lösung sein

Hallerbach wies darauf hin, dass die anschließende Verfügung der Kreisverwaltung nur die Folge des Ratsbeschlusses sei. „Laut dem Baugesetzbuch liegt die Planungshoheit bei der Gemeinde“, sagte er. Der Kreis könne nur eingreifen, wenn grobe Rechtsverstöße vorliegen, was aber nicht der Fall sei.

Er könne sich aber durchaus einen Kompromiss zum Beispiel durch einen Grundstückstausch vorstellen. „Das Durcheinander muss man ohnehin ordnen.“ Zurzeit führt der Kasbach-Wanderweg über Blackburns Privatgrundstück. Gleichzeitig nutzt der Brite Flächen der Gemeinde.

Auf Erpels Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer stürzen die heftigen Reaktionen der Öffentlichkeit auf die Verfügung der Kreisverwaltung, die durch die Beschüsse ihres Ortsgemeinderates ausgelöst wurde, erst jetzt ein. Sie ist gerade aus einem dreiwöchigen Urlaub zurückgekehrt. „Das ist der helle Wahnsinn“, sagte sie.

Erpels Bürgermeisterin ist skeptisch

Sie möchte auch keine Prognose abgeben, ob das Dreier-Gespräch erfolgreich sein wird. „Wir können uns unterhalten. Ich weiß aber nicht, ob es einen Kompromiss geben wird.“ Voraussetzung wäre schließlich, dass der Ortsgemeinderat seinen Beschluss zurücknimmt. Wenn die Ausstellung so bleiben solle, müssten der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Dazu gehöre ein Artenschutzgutachten.

Immerhin habe sich Blackburn bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen. In jedem Fall werde sich der Ortsgemeinderat den Bereich noch einmal ansehen. Zurzeit habe die Gemeinde einen Gestattungsvertrag mit Blackburn, der ihm erlaube, eine Gemeindefläche als Holzlagerplatz zu nutzen.

Um den Wanderweg, der zurzeit über das Privatgrundstück Blackburns führt, mache sie sich keine Sorgen. Der Ortsgemeinde gehöre ein zwölf Meter breiter Streifen an den Bahnschienen, so Adenauer: „Wir haben kein Problem, den Wanderweg zu erhalten.“

Blackburn sieht sich von vielen Unterstützern bestätigt

Gary Blackburn ist zuversichtlich, dass nach der Intervention des Landrats eine Lösung gefunden und seinem Antrag doch noch stattgegeben wird. „Ich hoffe, dass Little Britain bleiben kann“, sagte er am Telefon. Am Urlaubsort in Cornwall hält er sich noch bis zum 20. August auf. Nach den vielen positiven E-Mails und Anrufen, die er bekommen habe, und der Online-Petition habe er ein sehr gutes Gefühl.

Seine Ausstellung sei schließlich Ausdruck der deutsch-britischen Freundschaft nach dem Brexit. Sie befinde sich auch nur auf seinem Areal, mit Ausnahme von ein paar Schafen und einem Kaninchen, die zur Märchenwelt von Alice im Wunderland gehörten und auf einem von der Gemeinde gepachteten Grundstück stünden. Eine Verlegung des Wanderwegs hält er allerdings nicht für möglich. „Auf dem Streifen, der der Gemeinde gehört, steht ein mächtiger Strompfeiler. Das wäre ein echter Gefahrenpunkt“, meint er.

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