So gesehen zum Bahnfahren: Vom Pendler zum Sünder

So gesehen zum Bahnfahren : Vom Pendler zum Sünder

Bahnfahren stellt Pendler auf eine harte Probe. Das erfährt GA-Volontärin Elena Sebening jeden morgen aufs Neue. Und hat sich da so ihre Gedanken darüber gemacht.

Ob es ein guter Morgen ist oder nicht, entscheidet sich beim Pendler nicht beim oft genannten falschen Fuß, der ihn aus dem Bett manövriert, sondern in den öffentlichen Verkehrsmitteln, besonders hip als Öffis bezeichnet. Wobei das Wörtchen „in“ ja voraussetzt, dass man in der gewünschten Straßenbahn oder im geplanten Zug gelandet ist. Mittlerweile sieben mehr oder weniger überzeugte Pendlerjahre zeigten mir: Es ist nicht das verflixte siebente Jahr, wenn bei KVB, SWB und Deutscher Bahn was schiefgeht. Es ist nahezu jeder Tag.

Schon als Nutzerin des Studententickets und auf Fahrten in Bonn, der Region und im gesamten NRW-Gebiet begegnete ich so ziemlich jedem Ärgernis, das die Bahn zu bieten hat: Erbrochenes im Gang, lautstarke Telefon-Dramen à la RTL II, Verspätungen, Zugausfälle. Zwei Tage vor Weihnachten strandete ich in Hamm (da wollte ich nun wirklich nicht hin). Zu den Höhe- oder auch Tiefpunkten gehörte eine Mutter, die ihre Kinder auf den Zugsitzen wickelte. Und das nicht in einer Regionalbahn, sondern im Ruheabteil eines ICE, wo doch gleich um die Ecke ein extra Raum zum Wickeln bereitstand. In einem Abteil also schreiende Kinder und volle Windeln, im nächsten eine defekte Klimaanlage.

Seit drei Jahren darf ich mich nun zu den Berufspendlern zählen. Den Geldbeutel schonend und die Umwelt im Blick, war ich zwar nie komplett glücklich mit der (Un-)Beweglichkeit von KVB und SWB, aber irgendwie überwogen immer noch die Vorteile – bis jetzt. Gleisbaustellen, wetterbedingte Ausfälle und „Verzögerungen im Betriebsablauf“ der vergangenen Monate haben mich dazu gebracht, fortan nicht mehr nur auf mein grünes Herz zu hören: Ein Auto muss her, und zwar schnell! Schade, dass Bahn fahren hier nicht so reibungslos funktioniert wie in Paris, wo nicht nur arme Studenten und Rentner notgedrungen auf Öffis zurückgreifen.

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