GA-Winterwanderung: Vierstündige Tour bietet Rundumsicht auf das Rheintal

GA-Winterwanderung : Vierstündige Tour bietet Rundumsicht auf das Rheintal

Von der Bad Honnefer Jugendherberge aus führt eine schöne Wanderstrecke auf den Leyberg und zum Himmerich. Die etwa vierstündige Tour bietet herrliche Ausblicke und erinnert an die Geschichte des ehemaligen Steinabbaus und des Erholungsheims der Naturfreunde.

Immer wieder Regen zum Jahresstart: Die Wetterprognose für einen ausgedehnten Spaziergang könnte besser sein. Aber es gibt ja kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung. Und während manche pur-erdigen Pfade wie im schönen Tretschbachtal von Bad Honnef-Rommersdorf in Richtung Löwenburg unter den Wassermassen doch merklich gelitten haben, gibt es auch ausgehend von Bad Honnefer Ortsteilen Wege, die mehr Trittsicherheit ermöglichen. Eine solche Route führt von der Jugendherberge in Selhof in Richtung Leyberg, zum Himmerich und zurück. Knapp drei Stunden dauert die Wanderung über gut elf Kilometer mit teils steilen Abschnitten und schönen Ausblicken.

Los geht es an der Jugendherberge an der Selhofer Straße, die sich längst zu einer begehrten Adresse nicht nur für Jugendgruppen, sondern für Wanderer jeden Alters gemausert hat. Große Schlafsäle gehören der Vergangenheit an. Zwei-, Drei- und Vierbettzimmer, alle mit eigenem WC und ebensolcher Dusche, bieten den Besuchern beste Bedingungen, um etwa von dort aus den Rheinsteig zu erwandern. Orchester, Chöre oder Austauschorganisationen nutzen zugleich gerne die unterschiedlich großen Seminarräume. Seit 2013 gibt es zudem eine Grillhütte auf dem Gelände für bis zu 150 Personen, die von Hausgästen und darüber hinaus auch von örtlichen Gruppen genutzt wird.

Durch Wiesen und Wald zur Eifelblickhütte

Durch die malerische Lage direkt am Wald bietet sich die Jugendherberge zudem als Ausgangspunkt für schöne Spaziergänge und Wanderungen an. Über den schmalen Pfad unterhalb des Parkplatzes geht es im vorliegenden Fall zunächst hinter der Bebauung an Gärten vorbei. Am Ende des Pfades wenden sich die Wanderer nach links, um dann Richtung Waldrand und Eifelblickhütte zu spazieren. Die Eifelblickhütte sowie die Mäcki-Hütte im Mucherwiesental, die einige Kilometer später ebenfalls passiert wird, wurden vom Orts- und Verschönerungsverein Selhof errichtet und werden von den Mitgliedern mit großem ehrenamtlichen Einsatz gepflegt. Leider haben es die Helfer immer wieder mit der Zerstörungswut Unbekannter in den Schutzhütten zu tun, so zuletzt festgestellt im November in der Mäcki-Hütte.

Von der Eifelblickhütte aus geht es weiter ins Menzenberger Tal und dann über einen breiten, allerdings teils auch steilen Weg in Richtung Leyberg. Von der Spitze des Leybergs aus bietet sich bei einer Rast ein schöner Ausblick, so das Wetter es zulässt. Doch selbst bei Dunst über dem Tal ist der Ausblick aus einer Höhe von knapp 359 Metern beeindruckend.

Denn der felsige, kegelförmige Basaltgipfel ermöglicht eine Rundumsicht auf das Rheintal, das nördliche und östliche Siebengebirge sowie in Richtung Bonn und gehört sicherlich zu den spektakulärsten der Region. Darauf ist zu achten: Der Aufstieg erfolgt auf den letzten gut 80 Metern über mehr oder weniger natürliche Felstreppen und erfordert festes Schuhwerk und körperlich gute Konstitution.

Gedenkstein auf dem Himmerich

Vom Leyberg aus geht es zunächst wieder bergab durch das Mucherwiesental, das von Ortskundigen auch für kürzere Spaziergänge geschätzt wird. An der bereits erwähnten Mäcki-Hütte biegen die Wanderer nun Richtung Himmerich ab. Dort erinnert seit 2016 eine Gedenktafel an die besondere Geschichte des Ortes, die lange in Vergessenheit geraten war. Denn der Himmerich auf 366 Meter Höhe war einst Sitz des Ferienheims der Naturfreunde Deutschlands.

Anderthalbtausend Menschen sollen dabei gewesen sein, als die Organisation, die den ehemaligen Steinbruch samt Wohn- und Betriebsgebäude gepachtet und als erste Unterkunft parat gemacht hatte, Mitte der 1920er Jahre ihr sodann deutlich vergrößertes Ferienheim eröffnete. Lange währte die Idylle nicht: Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wurde der gesamte Besitz beschlagnahmt und die Auflösung des Vereins angeordnet. Stattdessen sollte auf dem Himmerich ein Denkmal für die Opfer der Separatistenkämpfe 1923 entstehen. Aber daraus wurde nichts. Jahrzehnte nach dem Krieg – und nach mehreren Gerichtsverfahren – erhielten die Naturfreunde zwar eine Teilsumme zurück; eine Rückkehr auf den Himmerich war wegen der mittlerweile geltenden Naturschutzverordnungen nicht möglich.

Die alte Bahntrasse ist noch erkennbar

Über die befestigte Straße geht es auf einem kurzen Stück in Richtung Florianshütte. Kurz bevor diese erreicht ist, biegen die Wanderer nach Westen ab bis zur teils steilen Bremsbahntrasse. Denn: Leyberg und Himmerich sind ehemalige Steinabbaugebiete, die noch erkennbare Trassen an ihren Bergflanken haben. Diese verlaufen steil hinab ins Tal. Zu Zeiten des Steinabbaus wurde das gebrochene Material so hinab ins Mucherwiesental transportiert und dann über den Steinweg, die heutige Steinstraße, sowie den früheren Sandweg – heute Bahnhofstraße – bis an den Rhein gebracht. Am Strom wurde das Gestein auf Kähne verladen, die es dann zu den Baustellen rheinabwärts brachten. Entlang der alten Trasse geht es ins Tal und zurück zum Ausgangspunkt.

Wer die Wanderung krönen will, dem bietet sich ein Spaziergang von Selhof aus über die Hauptstraße bis nach Rommersdorf an. Dort ist zum 25. Mal die große Wurzelkrippe in der Annakapelle an der Rommersdorfer Straße zu sehen. Die Kapelle ist von Freitag, 5., bis Sonntag, 28. Januar, freitags, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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