Interview mit Dorit Schlüter und Hellmuth Buhr: "Stifter zu sein ist Herzenssache"

Interview mit Dorit Schlüter und Hellmuth Buhr : "Stifter zu sein ist Herzenssache"

Mit einem Stiftungskapital von 174.000 Euro startete die Bürgerstiftung Bad Honnef im Jahr 2004, inbegriffen 50.000 Euro der Stadtsparkasse. Zehn Jahre später hat sie eine Summe von 762.000 Euro auf der hohen Kante. "Und jeden Monat wird es mehr", sagt Stiftungsvorstand Dorit Schlüter. Mit der Chefin der Stadtsparkasse und Hellmuth Buhr, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates, sprach Roswitha Oschmann.

Die Millionengrenze haben Sie langfristig im Visier?
Hellmuth Buhr: Die möchten wir überspringen. Möglichst bald.

Frau Schlüter, Sie übernahmen von Hellmuth Buhr nicht nur den Vorsitz des Stadtsparkassenvorstandes, sondern auch den Vorstandsvorsitz der Bürgerstiftung. Warum zeigen Vertreter der Stadtsparkasse dieses Engagement?
Dorit Schlüter: Als Sparkasse in unserer Stadt möchten wir Projekte zugunsten der Allgemeinheit begleiten. Das tun wir mit Herzblut. Wir stecken ehrenamtlich unsere Zeit hinein und wir sponsern auch das Stiftungsbüro, so dass die Kosten dafür nicht zulasten der Bürgerstiftung gehen.
Buhr: Das ist Herzenssache. Deshalb habe ich auch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst weitergemacht und bin Stifter geworden.

Wie war das, als vor zehn Jahren diese Stiftung gegründet wurde?
Buhr: Ich war durch die Bürgerstiftung Bonn auf das Thema gestoßen und habe darüber nachgedacht, ob das auch etwas für eine kleinere Stadt wäre. Mein Bonner Kollege Wolfgang Riedel hat mir dann Mut gemacht. Ich habe mir den damaligen Bürgermeister Peter Brassel gepackt und das Thema im Verwaltungsrat erörtert. Ich hatte ein Gefühl der Zufriedenheit, als wir die Stiftung gründen konnten.

Wie viele Stifter waren es anfangs?
Buhr: Es waren 17 Stifter...
Schlüter: ... und heute sind es 44. Hinzu kommen vier Stiftungsfonds und eine Unterstiftung.
Buhr: Privatpersonen scheuen oft den Aufwand, Teile ihres Vermögens oder Nachlasses in eine eigene Stiftung einzubringen. Wenn sie sich jedoch unter das Dach der Bürgerstiftung begeben, werden ihnen sämtliche bürokratische Hürden abgenommen. Dennoch können sie Zweck und Namen ihrer Stiftung bestimmen.
Schlüter: Gerade wurde ein neuer Stiftungsfonds gegründet zugunsten von Haus Hohenhonnef mit 25 000 Euro. Weitere Beträge hat der Stifter angekündigt.
Buhr: Es gibt auch testamentarische Verfügungen. Dabei kommt nicht nur Geld infrage, sondern auch Grundstücke, Immobilien.

Nun ist nicht jeder in der Lage, eine größere Geldsumme in die Bürgerstiftung zu geben.
Buhr: Deshalb haben wir 2010 auch die Möglichkeit eröffnet, entweder mit 2500 Euro einmalig, mit fünfmal 500 Euro jährlich oder ab einem Betrag von 40 Euro monatlich auf die Dauer von fünf Jahren Mitglied der Stifterversammlung zu werden. Das 40-Euro-Modell wird stark genutzt.
Schlüter: Jeder Bürger kann in kleinem oder großem Umfang, nach seinen Möglichkeiten, individuell etwas für seine Stadt tun. Der Stifter kann mitbestimmen, für welche Zwecke der Ertrag verwendet wird.

Melden sich Vereine mit der Bitte um Unterstützung?
Buhr: Ja, wir sind eine Projektstiftung. Mein Wunsch war die Vollendung des Geschichtsweges. Dass solch ein Projekt laufen könnte, hätte ich zu Beginn nicht gedacht. Das ist Motivation.
Schlüter: Als langjährige Filialleiterin in Aegidienberg freue ich mich besonders auf diesen Teilabschnitt des Geschichtsweges. Jugendprojekte wie "Kunst an Schulen" sind sehr wichtig. Das ist auch eine Brücke zu den Stiftern. Junge Familien können als Stifter für ihre eigenen Kinder gemeinnützig tätig werden.

Zu den Personen

Dorit Schlüter (47) stammt aus Leichlingen. Bei der Sparkasse Leverkusen absolvierte sie ihre Ausbildung und hatte dort bereits eine leitende Funktion. 1999 wechselte sie zur Stadtsparkasse Bad Honnef, wo sie die Leitung der Filiale in Aegidienberg übernahm. 2012 wurde sie Vertreterin des Vorstandes im Verhinderungsfall. Seit Januar 2014 ist sie Vorstandsvorsitzende.

Hellmuth Buhr (65) kommt aus dem Westerwald. Er hatte als Internatsschüler am Sankt Anno erste Berührung mit Bad Honnef. Seine Ausbildung durchlief er bei der Kreissparkasse in Neuwied. 1971 kam er zur Stadtsparkasse Bad Honnef. 1985 wurde er Direktor, vier Jahre später stieg er zum Vorstandsmitglied auf. 2006 übernahm er den Vorstandsvorsitz.