Stefan Marquard: Sternekoch kochte am Hagerhof in Bad Honnef

Aktion für gesunde Ernährung am Hagerhof : Sternekoch Stefan Marquard kochte in Bad Honnef

Sonst kennt man Stefan Marquard als Fernsehkoch. Am Mittwoch war der Zauberer am Herd, der einen Michelin-Stern trägt, am Schloss Hagerhof zu Gast: um mit den Schülern gesundes Essen zu kochen. „Sterneküche macht Schule“ heißt das Projekt.

Hagerhof-Schulleiter Sven Neufert hatte einige Mühe, sich Gehör zu verschaffen – und das, obwohl er seine Schüler um mehr als nur um Haupteslänge überragt. Aber so groß ist das Gewusel am Eingang der Schulmensa wohl selten. „Seid leise. Sonst kriegen wir nix zu essen“, bekam Neufert Unterstützung aus den Reihen der Pennäler.

Immerhin, auf dem Speiseplan stand ein Gericht, das jede Disziplin in der Warteschlange wert war: Burger. Vorbereitet worden waren die unter Anleitung keines Geringeren als Stefan Marquard. Und der bekannte Sternekoch bewies: Burger schmecken nicht nur gut, sie können auch noch richtig gesund sein. Am Schloss Hagerhof war Marquard am Mittwoch zu Gast im Rahmen von „Sterneküche macht Schule“.

Kooperation mit der Krankenkasse

Dabei handelt es sich um ein Präventionsprojekt, mit dem sich die Krankenkasse Knappschaft und Marquard bundesweit für eine gesündere und trotzdem schmackhafte Ernährung an Schulen einsetzen – ein Herzensanliegen für den Sternekoch und Autor von zehn Kochbüchern, darunter solche speziell für Kinder.

Bislang 70 Schulen haben schon teilgenommen; 20 weitere kommen jedes Jahr hinzu. Nachhaltigkeit sei dabei Programm, so auch Knappschaft-Sprecherin Sandra Piehl. Nicht nur, dass Marquard jede Schule besucht und dort mit dem Mensa-Team und Schülern gemeinsam kocht. Zum Projekt gehören auch ein Workshop sowie die Teilnahme an einer von vier Akademien im Jahr, bei denen Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet zu allen mensarelevanten Themen geschult werden.

Burger, mal ganz gesund

Gesundheit, Nährstoffe schonende und Geschmack erhaltende Zubereitung, hygienischer Umgang mit Lebensmitteln, Optimierung des Speiseplans, des Einkaufs und der Lagerhaltung, Nutzung saisonaler und regionaler Produkte, Wirtschaftlichkeit und Energieeffizeinz: Davon profitierten alle Seiten, so Marquard. Die richtigen Verfahren sparten Zeit, Geld und Ressourcen. Vor allem: Sie garantierten, dass Kinder und Jugendliche gesund ernährt würden.

Und warum ausgerechnet Burger? Die, das hatte eine Umfrage unter den Schülern gezeigt, standen halt ganz oben auf der Wunschliste. Kein Problem für Marquard, der unter anderem einen Michelin-Stern und 18 Gault-Millau-Punkte hat. Denn: Auf den Inhalt kommt es an. „Das fängt schon mit der Mayonnaise an“, wusste Schülerin Amelie Plag zu berichten, nachdem sie beim Zubereiten geholfen hatte – und Hauptbestandteil der „Majo“ war Gemüse.

Fleisch und Flohsamen

Auch die Burgerbrötchen „enthalten alles, was eine gesunde Ernährung ausmacht“, so Marquard. Selbst die Pattis, die knusprig gebraten auf die Teller kamen, hielten eine Überraschung bereit: Zur Hälfte bestanden auch sie aus Gemüse. Hinzu kamen 40 Prozent Fleisch und zehn Prozent Flohsamen für die Bindung. Und natürlich gab es auch eine vegetarische Variante. Und wie kamen die Burger an? „Schmeckt gut, irgendwie anders, aber frischer“, so eine spontane Antwort.

„Wichtig ist, mit den Kindern auf Augenhöhe zu arbeiten, sie von Anfang an mitmachen zu lassen“, berichtete Marquard, während die erste Charge Burger über die Essensausgabe ging. Von seiner Botschaft ist der 56-Jährige, der auch von den Hagerhof-Köchen Ralf Raakow und Stefan Auselt sowie seinem Bruder Wolfgang Marquard unterstützt wurde, mehr als überzeugt: „Das alles ging los, als meine Kinder nach Hause kamen und sagten: Papa, mach’ doch mal. Jetzt gebe ich das Wissen, dass über acht bis zehn Jahre erarbeitet worden ist, weiter. Und die Kids sind immer gleich total infiziert. Sie sind sozusagen meine Agenten, die das nachher an ihre Freunde und Familien weitergeben.“ Nicht zuletzt: „Es macht einfach totalen Spaß. Und ohne die Knappschaft wäre das nicht möglich.“

Spaß hatten am Mittwoch auch die 14 Kinder und Jugendlichen, die helfen durften. Und die naturgemäß auch die Erfahrung machten: Kochen, zumal in diesen Mengen, ist viel Arbeit. „Jetzt weiß ich, dass da mehr als nur ein paar Minuten Arbeit hinterstecken“, meinte etwa Jakob Krupp. Ein paar hilfreiche Tricks des Profis haben er und Sebastian Ronken sich auch gemerkt. Voll des Lobes war auch Neufert. „Für mich ist das auch ein Beitrag im Kontext ‚Schule der Zukunft’“, so der Schulleiter. Daran wolle man weiter arbeiten. Ein Versprechen nahm Marquard Neufert dann auch noch ab: Gesunde Ernährung und Kochen in den Schulalltag einzubauen.