"Stadt-Land-Fluss": Das sagenhafte Siebengebirge

Führungen sind besonders beliebt : "Stadt - Land - Fluss"-Veranstalter ziehen positive Bilanz

Die Veranstaltungsreihe „Stadt-Land-Fluss“ ist nach drei Wochen zu Ende gegangen. Die 90 Veranstaltungen rund um die Kulturlandschaft des Siebengebirges waren ein großer Erfolg.

Eine Sage ist eine auf einer mündlichen Überlieferung basierende Erzählung von fantastischen, die Wirklichkeit übersteigenden Ereignissen, so die Definition. Kaum eine Sage kommt ohne Feen, Zwerge und Riesen aus, und auch ein Held spielt in der Regel eine nicht unerhebliche Rolle. Zutaten, die sich im Siebengebirge reichlich finden lassen.

Makke Schneider, Mitglied des WDR-Sprecherensembles, konnte für seine Lesung "Das sagenhafte Siebengebirge" aus dem Vollen schöpfen. Schneider war auf Einladung des Naturparks Siebengebirge zu Gast an einem Ort, der zum Thema passte wie Siegfried zum Drachen: die Nibelungenhalle. Es war einer der letzten Programmpunkte in der Veranstaltungsreihe "Stadt - Land - Fluss" des Landschaftsverbands Rheinland (LVR)."Wissen Sie, wie das Siebengebirge entstanden ist? Nein? Dann erzähle ich es Ihnen." Schneider servierte seinen zwei Dutzend Zuhörern im stimmungsvollen Ambiente die Sage von den Riesen, die Schmutz von ihren Spaten abklopften und das Siebengebirge schufen. Und sparte augenzwinkernd auch das Detail über deren Notdurft nicht aus, dem der Himmerich der Sage nach seine Entstehung verdankt.

Voller Elan ließ er natürlich auch die Abenteuer des jungen Siegfried lebendig werden, plauderte über den Frankenkönig Childerich, der maßgeblich zur Entstehung Königswinters beigetragen haben soll, sparte die finsteren Begebenheiten um die verwunschene Jungfrau von der Rosenau ebenso wenig aus wie die anrührende Geschichte um das unglückliche Liebespaar Hildegund und Roland: Als die Tochter des Drachenfelsritters Heribert glaubt, ihr Verlobter sei bei einem Feldzug gefallen, tritt sie in das Kloster auf Nonnenwerth ein. Doch Roland kehrt zurück. Ihm bleibt nicht mehr, als fortan Hildegund von einem Fenster der Rolandsburg aus zu beobachten. An gebrochenem Herzen schließlich sterben beide und werden zur selben Stunde beerdigt. "Eine Sage, die mich berührt hat", so Schneider.

Lesung mit Hörspiel-Qualität: Makke Schneider trägt in der Nibelungenhalle Sagen aus dem Siebengebirge vor. Foto: Heike Hamann

Seine Lesung war ein gelungenes Beispiel für das Konzept der Reihe "Stadt - Land - Fluss", die Kulturlandschaft des Siebengebirges zwischen Unkel, Sankt Augustin und Drachenfelser Ländchen auf neue, etwas andere Art zu präsentieren.

Rund 90 Veranstaltungen in drei Wochen hatten die Veranstalter organisiert, am vergangenen Sonntag endete das Programm mit einem Fest für alle Helfer im Jufa-Hotel in Oberdollendorf. "Der Sinn der Veranstaltungsreihe hat sich mehr als erfüllt", glaubt auch Xenia Scherz von der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis. Die Diplom-Biologin hat das Großprojekt, das der LVR alle zwei Jahre an verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen durchführt, über Monate vorbereitet.

Mit im Boot waren zahlreiche Vereine, Kindergärten und Schulen, der Naturpark Siebengebirge, das Siebengebirgsmuseum, die Biologischen Stationen, aber auch der Botanische Garten in Bonn und das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. Nur wenige Veranstaltungen fielen mangels Anmeldungen aus, etwa die Mountainbiketour durch das Siebengebirge oder eine Veranstaltung in einem Kindergarten. Jeweils 70 Interessierte hatten sich für die Beobachtung des Sternenhimmels auf dem Drachenfels an zwei Tagen angemeldet, wegen des schlechten Wetters allerdings musste der zweite Termin abgesagt werden.

Auf besonders großes Interesse stießen die Wanderung durch den Oberhau, der Besuch der Arche Lütz in Oberpleis und die Führung auf dem Wintermühlenhof: "Da standen plötzlich 110 Menschen, die an dem Rundgang durch den Park teilnehmen wollten", so Scherz. "Mit einer so großen Resonanz hatte niemand gerechnet." Besonders freut sich die Biologin, dass durch "Stadt - Land - Fluss" neue Verbindungen entstanden sind, etwa des Vereins Mucherwiese mit dem Bonner Arbeitskreis Für Fledermausschutz (BAFF). "Beide hatten zusammen eine Exkursion in Bad Honnef organisiert", sagt Scherz, "und können sich eine Wiederholung im nächsten Jahr gut vorstellen."

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