Kooperation mit der Verwaltungsfachhochschule Köln: Stadt Bad Honnef bietet dualen Studiengang an

Kooperation mit der Verwaltungsfachhochschule Köln : Stadt Bad Honnef bietet dualen Studiengang an

Duales Studium, Fort- und Ausbildung: Die Stadt Bad Honnef legt einen Schwerpunkt auf Personalentwicklung, um Nachwuchs für die Verwaltung zu rekrutieren. Viele Stellen, auch auf Führungsebenen, werden in den kommenden Jahren frei.

„Es war überfällig, dass etwas geschieht“, sagt Gabriele Herfurt. Gemünzt sind die Worte der Fachbereichsleiterin Personal und Organisation auf die Nachwuchsprobleme der kommunalen Verwaltungen. Bad Honnef macht da keine Ausnahme. Ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren vorausgesetzt, gehen in den kommenden neun Jahren 32 Prozent der städtischen Mitarbeiter in den Ruhestand.

Beim Renteneintrittsalter von 64 Jahren sind es sogar 43 Prozent – und es zeichne sich ab, so Herfurt, dass Altersteilzeit- und Vorruhestandsmodelle noch mehr als bisher nachgefragt würden. „Das kommt mit noch mehr Macht auf uns zu.“

Nach einem ersten Aufschlag im Frühsommer wird sich die Politik Ende des Jahres mit einem noch umfassenderen Personalentwicklungskonzept beschäftigen. Erste Schritte sind getan. Am 1. September sind zwei Studierende gestartet, die in Kooperation mit der Verwaltungsfachhochschule Köln im Dualen Studiengang „Bachelor of Laws“ für die Karriere in der Verwaltungslaufbahn fit gemacht werden.

Zugleich absolvieren intern drei Kollegen den sogenannten Verwaltungslehrgang zwei, und weiteres Interesse bestehe, so Herfurt. Auch in der „klassischen“ Ausbildung auf Mitarbeiterebene geht es weiter. Sechs Auszubildende absolvieren derzeit im Rathaus die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Dazu gibt es einen im Abwasserwerk und – nach langer Zeit mal wieder – im Freizeitbad.

2020 wird erstmals eine Ausbildungsstelle für einen Fachinformatiker für Systemintegration ausgeschrieben, dazu weitere drei Azubi-Stellen für Verwaltungsfachangestellte. Zu guter Letzt finanziert die Stadt mit 150 Euro monatlich ein Teilstipendium für einen angehenden Ingenieur an der Technischen Hochschule Köln – ein weiteres Beispiel dafür, dass man „auch neue Wege gehen muss“.

Stadt zahlt Teilstipendium

„In den Verwaltungen ist bislang nicht in den Köpfen, dass das nicht nur Private, sondern auch Kommunen ermöglichen können“, so Herfurt, die an der Auswahl des Stipendiaten beteiligt war. Hintergrund ist das Deutschlandstipendium, getragen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, mit dem begabte Studierende unterstützt werden.

Nicht nur dieses Beispiel zeigt: Klappern gehört zum Handwerk, auch wenn es darum geht, qualifizierten Nachwuchs für die Verwaltungen zu gewinnen. Herfurt: „Wir müssen uns ins Blickfeld der Studenten rücken, damit sie wissen: Es gibt auch hier interessante Jobs und Aufstiegschancen.“ Immerhin: Allein auf der Führungsebene im Rathaus sind bis 2028 beachtliche 14 Stellen neu zu besetzen.

Der Erfolg scheint der Stadt recht zu geben: 54 Bewerbungen gingen für die dreijährige duale Fachhochschulausbildung ein, deren Fokus auf allgemeiner Verwaltung und Rechtswissenschaften liegt. 30 Bewerber waren für den Eignungstest qualifiziert, 15 nahmen daran teil – und demonstrierten so über Monate ihr Interesse an einem Ausbildungsvertrag mit der Stadt.

Der Aufwand lohnt sich

Zwei Bewerber wurden ausgewählt und haben, nach einer Einführungswoche im Rathaus sowie bei der Kreisverwaltung, an der Hochschule das Studium für die Verwaltungslaufbahn begonnen. Immer im Wechsel mit der Theorie folgt die Praxis im Rathaus. Dabei werden jeweils studienbegleitend alle Fachbereiche durchlaufen. Kleinere Kommunen wie Bad Honnef hätten es auch dabei naturgemäß schwerer als große Städte. „Es ist aufwendig, aber es rentiert sich“, sagt Herfurt.

Genauso wichtig sei es, Mitarbeiter längerfristig zu binden. Personalentwicklung sei alles andere als „nur“ eine Frage von Aus- und Weiterbildung ex- wie intern, sondern auch von Gesundheitsmanagement, Begleitung bei allen Fragen rund um Karriere, Job und Arbeitszeitmodelle sowie betriebliche Wiedereingliederung nach Krankheit. Herfurt: „Wir wollen ja auch, dass unsere erfahrenen Leute wiederkommen. Sonst droht Wissensverlust.“

Ein weites Feld, das im Rathaus wegen seiner Bedeutung seit Anfang 2018 auch von Diplomkaufmann Sebastian Brauers, Experte für Personalentwicklung und Finanzmanagement, beackert wird. Nachhaltigkeit sei ein weiteres Stichwort, so Brauers: Gedacht werde nicht über Monate oder Jahre, eher in Dekaden.

Herfurt: „Wir schauen uns jede Stelle an, die vakant wird, um frühzeitig handeln zu können.“ „Alles, was wir hier tun, hat mittel- und auch langfristig Wirkung“, ergänzt Brauers. Und alles geschieht erklärtermaßen in der Hoffnung, dass die Studienanfänger, Lehrgangsteilnehmer und Auszubildenden der Gegenwart die Kollegen der Zukunft sind.

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