Hoffen auf den schnellen Ruhm: So lief das DSDS-Casting auf dem Drachenfels

Hoffen auf den schnellen Ruhm : So lief das DSDS-Casting auf dem Drachenfels

Es dauerte ein bisschen, doch dann hatte sich die Talstation der Drachenfelsbahn mit Superstar-Anwärtern gefüllt. Wer Stimme hat, hoffte auf die Teilnahme am Jury-Casting unter Ausschluss der Öffentlichkeit oben auf dem Drachenfels.

Zugegeben: Die fetten Jahre sind vorbei. Nach 16 Staffeln ist der Hype um „Deutschland sucht den Superstar“ abgeflaut, der Riesen-Ansturm zum offenen Casting, zu dem RTL Kurzentschlossene in die Talstation der Drachenfelsbahn eingeladen hatte, war an diesem Donnerstagvormittag ausgeblieben.

Die meisten Superstar-Anwärter hatten ihr Ticket fürs Jury-Casting im Drachenfels-Restaurant bereits bei Vorentscheiden gelöst. Dennoch wagen einige ihr Glück, um auf den letzten Drücker vielleicht doch vor den Fernsehkameras ihr Können beweisen zu dürfen und von Dieter Bohlen, Xavier Naidoo, Pietro Lombardi und Oana Nechiti zum Recall eingeladen zu werden.

Allerdings: Geheimhaltung ist verordnet. Beim offenen Casting vor einer Handvoll Sendungs-Produzenten müssen Presse und Begleiter draußen bleiben, und die Ergebnisse des TV-Jury-Castings werden erst recht nicht verraten. Wer im offenen Casting überzeugt und vor die Kameras darf, der muss sich sputen – für Interviews bleibt da kaum Zeit.

Confidence träumt von der Bühnenkarriere

Seinem Namen zum Trotz wirkt Confidence (25) an diesem Vormittag zurückhaltend und, wie er selbst zugibt, „mega aufgeregt“. Drei Songs hat er für die Jury vorbereitet, je einen von James Arthur, Shawn Mendes und von Jason Derulo, seinem Idol. Confidence war acht Jahre alt, als er sein Gesangstalent entdeckte – damals noch in seiner alten Heimat Nigeria.

Seit zehn Jahren ist Deutschland sein Zuhause, er studiert in Ludwigshafen betriebswirtschaftliche Steuerlehre. Klar, etwas trocken, aber das Singen auf der großen Bühne ist ohnehin sein wahrer Traum. Nicht umsonst übt er sich in der Freizeit als Songwriter, hat erste Lieder bereits mit einfachen Mitteln aufgenommen.

Ob er sich von DSDS Ruhm und Reichtum erhofft? „Naja“, meint er etwas verlegen, „jeder hier will ja auf irgendeine Weise berühmt werden.“ Viel mehr, als sein Bestes zu geben, könne er nicht tun: „Ob dir der Durchbruch gelingt, ist Schicksal“, resümiert Confidence und kramt den Casting-Bogen hervor. „Du musst einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um dich beweisen zu können.“ Und schon ruft die Zahnradbahn.

Alicia-Awa aus Bochum hat ihre Entourage dabei

„Ich bin wegen Xavier Naidoo hier.“ Dieser Satz ist an diesem dritten und letzten Drehtag in Königswinter andauernd zu hören. Auch Alicia-Awa (21) aus Bochum hofft, Naidoo zu überzeugen – oder zumindest aus seiner Kritik lernen zu können. Flankiert wird die Nachwuchs-Sängerin von ihren Freundinnen Alina und Inass als moralische Unterstützung.

Warum sie das Zeug zum Superstar habe? Die Entourage fackelt nicht lange: „Weil sie das Komplettpaket hat. Sie kann singen, hat Ausstrahlung, ist nicht überheblich und sieht toll aus.“ 2015 bewarb sich Alicia-Awa für The Voice of Germany – ohne Erfolg. Und wenn es auch diesmal nichts werden sollte? „Dann“, meint Alicia-Awa, „probiere ich's woanders.“ Den Traum gibt sie so schnell nicht auf. Mutter Hadi kommentiert stolz: „So oder so bin ich ihr größter Fan!“

Rappender Rettungssani mit Faible für Vogelspinnen

Bunter, das wird auf den ersten Blick deutlich, könnte das Teilnehmerfeld kaum ausfallen. Eine Gruppe schrill gekleideter Drag-Queens zwängt sich in die überfüllte Bahn, daneben Florian (20) aus Wien. Eigentlich, sagt der Rettungssanitäter mit Vogelspinnen-Faible, habe er bei DSDS zum Singen antreten wollen.

Doch bei den Vorcastings in Wien und Köln habe man ihn überzeugt, es mit dem Rappen zu versuchen: Er klinge wie Macklemore, hätten dort die Juroren gemeint. Und darum soll ihm heute auch „Can't Hold Us“ aus dessen Feder Glück bringen.

Zu guter Letzt dürfen auch Königswinterer Lokalmatadoren nicht fehlen. Mit federbedeckten Schultern, knalligen Sneakers und silbergefärbter Frisur steht Marco (20) in der Schlange. Sein Motto: „Man muss auffallen.“ Privat hört er Jennifer Rostock und spielt in der lokalen Rockband Soundstorm, heute will er mit der Gary-Jules-Ballade „Mad World“ auf sich aufmerksam machen.

Während er vom Singen schwärmt, macht sich um ihn herum unter den auf dem Vorhof wartenden Eltern und Freunden Nervosität breit: „Warum dauert das denn so lange?“ Mal gibt es Jubelstürme und eine Karte für die Zahnradbahn, mal konsternierte Mienen.

Für Marco hat es am Ende nicht ganz gereicht: Eine tolle Stimme, urteilen die Juroren, aber der Song sei zu langsam gewesen. Trotzdem ist Marco zufrieden: „Das war eine tolle Erfahrung, es hat echt Spaß gemacht.“

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