R(h)einspaziert in Bad Honnef: So gut wie das Original

R(h)einspaziert in Bad Honnef : So gut wie das Original

Sommer, Sonne, R(h)einspaziert! Am Samstagabend wurde auf Grafenwerth gefeiert: Mehr als 4000 Besucher rockten beim Topact Dirty Deeds. Zuvor hatten bereits zahlreiche andere Musiker den Fans eingeheizt.

Der erste Eindruck ist bekanntlich alles, und wow, was für einen ersten Eindruck die Cover-Rocker von "Dirty Deeds '79" hinlegten. Die ersten Riffs von "Live Wire", ebenso aggressiv wie ikonisch, fegten durchs Publikum, und die versammelten AC/DC-Kenner auf der Insel Grafenwerth raunten einander zustimmend zu: "Die Jungs sind gut. Sehr gut." Dann setzte der Gesang ein, und mit geschlossenen Augen wirkte es stellenweise beinahe so, als röhrte und kreischte Bon Scott höchstpersönlich drauf los: "Well if you're lookin' for trouble, I'm the man to see". So roh der Gesang, so wild die Gitarrensoli, so ekstatisch die Atmosphäre, dass es die australischen Hardrock-Legenden zu ihren besten Zeiten selbst kaum besser gekonnt hätten. "If you're lookin' for satisfaction, I'm satisfaction guaranteed". Und die fünf Bonner, die an diesem Abend als Top Act von "R(h)einspaziert" die Bühne "in Brand" setzten, standen dabei der vielleicht besten Version des Songs, der Live-Aufnahme aus den Atlantic Recording Studios aus Dezember 1977, in nichts nach: authentisches AC/DC-Feeling, Hardrock vom Feinsten - der krönende Höhepunkt bei der Jubiläumsausgabe des Inselfestivals.

Zu Hunderten rockten die AC/DC-Fans auf den Inselwiesen ab, tanzten neben dem Technikzelt auf Bierbänken, während es anderswo - mal beabsichtigt, mal aus Versehen - regelrechte Bierduschen regnete. Dutzende Devil Horns in die Luft gestreckt, ein Meer aus mitklatschenden Armen - ein beeindruckender Anblick. Dabei war "R(h)einspaziert" längst nicht immer so groß, so beliebt und so gut besucht. Angefangen mit einer geradezu unscheinbaren Bühne auf einer ebenso unscheinbaren Rasenfläche, hat sich die einst kleine Randveranstaltung im Laufe eines Vierteljahrhunderts kontinuierlich zu einem der jährlichen Top-Termine im Honnefer Spätsommer gemausert. "Wir dachten uns damals, 'Mensch, die Insel ist so toll, da muss man doch mal Musik für junge Leute machen können'", erinnerte sich Gründervater und Veranstaltungsleiter Marcelo Peerenboom an die bescheidenen Anfänge. "Und wir können stolz darauf sein, was aus dieser Idee geworden ist."

Über 100 ehrenamtliche Helfer sorgten rund um die Uhr für den größtenteils reibungslosen Ablauf des Events, das extra zum Jubiläum mit zwei der beliebtesten Headliner der vergangenen Jahre aufwartete: Dirty Deeds '79, die bereits 2011 die Insel elektrisiert hatten, und die "Toten-Hosen"- und "Ärzte"-Coverband Alex im Westerland, die 2013 eine super Rockshow geboten hatten. Und wäre es am Nachmittag nicht so brütend heiß gewesen, hätte die große Best-of-Gala dem ausrichtenden Stadtjugendring sicherlich erneut einen Rekordumsatz bescheren können. Angesichts der Temperaturen weit jenseits der 30 Grad zog es die Massen aber erst mit Einbruch der kühleren Abendstunden scharenweise auf die Insel - dann aber richtig. Über 4000 Besucher seien im Laufe des Tages auf die Insel gekommen, schätzte Peerenboom - zwar etwas weniger als im Vorjahr, "aber seien wir ehrlich, das war auch schwer zu toppen". Angesichts der "brutalen Wetterverhältnisse" sei er "überaus zufrieden" mit der diesjährigen Ausgabe.

Ob die Rhein Refugee Young-stars, die Chor-Formation Phoenix vom Neustädter Wiedtal-Gymnasium, die exzellente Deutschrock-Band 16 Tage, die ihr Insel-Debüt gab, oder das Duo Ju & Me, das mit Gefühl und Seele das Kontrastprogramm bot - auch von Seiten des Publikums gab es nichts zu beanstanden. Moshpits und der Versuch einer Wall of Death bei Alex im Westerland, Top-Stimmung mit "An Tagen wie diesen", "Hier kommt Alex" und "Junge". Dann kamen die AC/DC-Jungs und entzündeten ein wahres Rock-Feuerwerk: Von Krachern wie "Thunderstruck" und "Back in Black" bis hin zu zeitlosen Klassikern wie "Hell's Bells" und "You Shook Me All Night Long".

Und dann, um kurz nach halb zwölf, das vorläufige Finale, der Song, auf den die Insel spürbar gewartet hatte: "Living easy, living free, season ticket on a one-way ride". Endlich: "Highway to Hell". Und Hunderte sangen mit, Stimmung wie bei "Live at River Plate". Dagegen verblassten selbst die donnernden Kanonenschläge von "For Those About to Rock", die die Band schließlich von der Bühne verabschiedeten.