Siebengebirge: Familie aus Dattenberg geht auf Wetterweltreise

Nur Sonne wäre langweilig : Familie aus Dattenberg geht auf Wetterweltreise

Familie Leyendecker aus Dattenberg im Siebengebirge startet am 1. Dezember zu einer Wetterweltreise. Nur Sonne wäre ihr zu langweilig. Auf ihrem Blog berichtet sie über ihre ungewöhnliche Reise.

Das Haus ist wie gemacht für Meteorologen: Hoch über dem Rheintal bei Dattenberg liegt das Zuhause von Daniel Simonis und Verena Leyendecker. Bei gutem Wetter reicht der Ausblick bis weit in die Eifel. Schlechtes Wetter allerdings finden die beiden professionellen Wetterbeobachter in der Regel deutlich interessanter: "Deshalb wollten wir auch unbedingt ein Haus mit Westlage", sagt Verena Leyendecker und grinst. "Bei uns ziehen Wolken, Sturm und Regen nämlich zumeist von Westen heran." Im Dezember starten die beiden 40-Jährigen mit ihren Töchtern Naira und Marisa zu einer ungewöhnlichen Reise: Knapp fünf Monate besuchen die Vier faszinierende Orte auf der Welt - faszinierend aus Meteorologensicht.

"Nur Sonne wäre uns zu langweilig", sagt Verena Leyendecker. Als das Paar vor rund drei Jahren zum ersten Mal über eine Wetterweltreise nachdachte, war ihm schnell klar, dass der nasseste und der trockenste Ort der Erde Teil der Route sein müssten. Den heißesten Ort im Death Valley hatten die beiden bereits 2011 bereist. "Die nassesten Orte liegen im Norden Indiens", sagt Daniel Simonis. Mawsynram und Cherrapunji führen laut World Meteorological Organization (WMO) die Top Ten an mit 12.440 beziehungsweise 11.740 Litern pro Quadratmeter im Jahr. Das komplette Gegenteil erwartet die Leyendeckers in Chile, genauer in Quilagua, einer Siedlung in der Atacama-Wüste. Zwischen 1981 und 2010 hat es dort genau sechs Mal geregnet, 6,3 Liter auf den Quadratmeter.

"Ich habe mich schon immer gefragt, wie die Menschen an einem solchen Ort leben", sagt Verena Leyendecker. Zwischen Indien und Chile bereist die Familie auch Indonesien, Neuseeland und zum Abschluss Brasilien. Gerne hätten die Meteorologen einen Abstecher zum kältesten bewohnten Ort (Oimjakon, Jakutien) und dem blitzreichsten Ort eingeplant (Maracaibo-See, Venezuela). "Doch Jakutien schied aufgrund der schwierigen Erreichbarkeit aus", so Daniel Simonis. "Und Venezuela wegen der angespannten Sicherheitslage."

Sicherheit war entscheidendes Kriterium

Und Sicherheit war ein entscheidendes Kriterium bei ihrer Reiseplanung, denn schließlich gehen auch Marisa und Naira mit auf die Reise. Die beiden sieben- und neunjährigen Grundschülerinnen dürfen mit Erlaubnis der Schulleitung die Koffer packen. "Als wir unser Projekt dort vorgestellt haben, hatte ich schon ein bisschen Bauchschmerzen", gibt die

Auf der Weltkarte im Hausflur haben Marisa (l.) und Naira ihre Reisestationen gekennzeichnet. Foto: Frank Homann

40-Jährige zu. Doch die Leiterin und auch die Lehrer seien von dem Vorhaben schnell überzeugt gewesen. "Sie schicken uns den Unterrichtsstoff, so dass wir unterwegs einiges nacharbeiten können", sagt Verena Leyendecker. "Ohne ihr Engagement wäre das alles nicht möglich." Das gelte auch für ihren Arbeitgeber wetteronline.de, der sie für die knapp fünf Monate frei stelle. Dafür werden sie in einem Blog regelmäßig über ihre Reise- und vor allem Wettereindrücke berichten. Seit Februar laufen nun die Reisevorbereitungen, haben die Leyendeckers die genaue Route festgelegt, Flüge und Züge gebucht, alle Impfungen organisiert, Unterkünfte gesucht. "Wir werden so gut wie nie in Hotels übernachten", sagt Daniel Simonis.

Stattdessen in privaten Unterkünften, Hostels, im Camper oder Zelt. "Hauptsache, es gibt einen Zähneputzraum", setzt Naira Prioritäten. Der Reiseablauf sei dabei ziemlich genau durchgeplant, viel Spielraum haben die Leyendeckers nicht einkalkuliert. "Wir sind die Spießer unter den Weltreisenden", sagt die 40-Jährige und lächelt wieder. Viele gingen ja nach der Schule oder während des Studiums auf Reisen. "Ein solche Reise aber sozusagen in der Mitte des Lebens ist schon außergewöhnlich", gibt sie zu. Zumal gemeinsam mit Kindern.

Weihnachten in Kerala

Naira und Marisa freuen sich auf das große Abenteuer, besonders auf das Weihnachtsfest und die ringförmige Sonnenfinsternis, die sie am 26. Dezember in Kerala erleben werden. Vermissen werden sie ihre Freunde. "Und mein Zimmer und Karneval", sagt Naira. Ihr Vater hingegen ist insbesondere auf Neuseeland gespannt. "Froh bin ich allerdings, wenn wir die erste Etappe der Reise gut geschafft haben."

Die führt sie nämlich in 24 Stunden von Dattenberg über Linz, Köln, Brüssel, London, Delhi und Guhawati nach Cherapunjee (siehe Kasten). Kulturschock inklusive. Für Verena Leyendecker ist ein Höhepunkt der Reise ihr Aufenthalt in der Atacama-Wüste: "Der Himmel dort ist tiefschwarz und voller leuchtender Sterne."

Über ihre Wetterweltreise berichten die Leyendecker auf ihrem Blog www.traveltheweather.de.

Mehr von GA BONN