Klopapier aus Gras: Sibi-Schüler aus Bad Honnef gewinnen "business@school"

Klopapier aus Gras : Sibi-Schüler aus Bad Honnef gewinnen "business@school"

Schüler des Siebengebirgsgymnasiums haben den bundesweiten Wettbewerb „business@school“ gewonnen. Ihre Geschäftsidee: Klopapier aus Gras.

Fünf Sibi-Schüler sind von der Rolle: Im Jubiläumsjahr des Siebengebirgsgymnasiums gelang es Rebekka Ballering, Helene Balles, Joana Baumann, Julius Langenbach und Tim Stauf als erstem Schulteam überhaupt, den Wettbewerb „business@school“ auf Bundesebene zu gewinnen. Die dafür zu entwickelnde Geschäftsidee der Deutschland-Sieger: die Produktion von Toilettenpapier – aus Gras. Beim Finale in München waren die Jurymitglieder, darunter Vorstände von großen Unternehmen, begeistert – von dem umweltfreundlichen Produkt, von der durchdachten wirtschaftlichen und ökologischen Analyse der Jugendlichen und nicht zuletzt auch von der Präsentation. Der Prototyp des Produkts: sanft, weich, weiß. Von grünem Gras keine Spur.

Kommt da etwas ins Rollen, gründen die Elftklässler womöglich bald die eigene Klopapier-Firma? Wird aus dem fiktiven Planspiel um das Toilettenpapier mit dem Markennamen „GrasSwipe“ Wirklichkeit? „Es ist schon vorstellbar, dass wir die Idee umsetzen, aber erst machen wir mal Abitur“, meint Joana Baumann. Und ihr Studium haben die 17-Jährigen ebenfalls vorrangig im Blick. „Ich werde auf alle Fälle dieses Thema noch einmal ansprechen.

Ich bin überzeugt von dieser Idee“, so Sibi-Lehrer Gregor Pallast noch ganz beeindruckt von der Leistung seiner Schützlinge beim Endausscheid. Auch von bohrenden Nachfragen der Jury hatten sich die Jugendlichen nicht aus dem Konzept bringen lassen. „Wir waren durchaus aufgeregt. Aber die Nervenstärke und Sicherheit haben wir durch intensive Vorbereitung gewonnen“, betont Joana.

3.720.000.000 Rollen pro Jahr in Deutschland

Unterstützt wurden die Teilnehmer von Lehrern, von Fachleuten der Boston Consulting Group, der Telekom sowie auch von Vorjahresteilnehmern des Sibi. Ein besonderen Dank geht aber an Marco Vietinghoff, der als ehemaliger Sibi-Schüler immer wieder an Abenden und Wochenenden nach Bad Honnef kam, um mit den Teilnehmern am Projekt zu arbeiten, und an Bernd Zettelmeyer, der sich von Beginn der „business@school“-Ära am Sibi um das Thema kümmert.

Viel Zeit haben alle in das Projekt gesteckt. „Aber das war gut investierte Zeit“, beteuert Tim. Und Rebekka fügt an: „Wir haben uns alle schon vorher für Wirtschaft interessiert, aber durch den Wettbewerb viele zusätzliche Kenntnisse gewonnen.“ „Zu Beginn haben wir den Europäischen Wirtschaftsführerschein abgelegt“, so Helene. Das Bonbon für die Sieger: Neben einer Siegerplakette aus Glas erhielten die Schüler die Zusage für ein zweiwöchiges Praktikum bei der Boston Consulting Group sowie einen Stadionbesuch bei Borussia Dortmund. Sollten die Schüler ihr Unternehmen tatsächlich gründen, ist indes klar: „Wir wollen konsequent eine ökologische Marke sein“, unterstreicht Joana. Und: Ein Teil des Gewinns soll in die Aufforstung des Regenwaldes fließen.

Als die Gruppe sich den Kopf über ein Geschäftsmodell zerbrach, wurde Joana von einer Dokumentation über eine Firma inspiriert, die Kartonagen aus Graspellets herstellt. „Beim nächsten Treffen haben wir überlegt, was aus diesem Material gemacht werden könnte. Der Papierkonsum und das Sparen ist ein großes Thema. Aber um Toilettenpapier kommt man nicht herum. 3.720.000.000 Rollen werden pro Jahr in Deutschland verbraucht.“

Die Schüler beobachteten den Markt, schlossen fiktive Verträge mit Händlern – mit kleinen Bioläden und Biohandelsketten genauso wie mit Drogeriemärkten und großen Discountern, sicherten sich die Belieferung mit Pellets, besorgten sich bei der Stadtsparkasse Bad Honnef 70 000 Euro Startkapital. Was die Jugendlichen besonders freut: „Alle sagen, dieses Papier würden sie kaufen!“, erzählt Julius. Und auch die Stadtverwaltungen von Bad Honnef und Königswinter erklärten, für die öffentlichen Toiletten „GrasSwipe“ erwerben zu wollen – sobald es auf dem Markt ist.

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