Lehrschwimmbecken Aegidienberg: Schwimmunterricht im Siebengebirge ist gefährdet

Lehrschwimmbecken Aegidienberg : Schwimmunterricht im Siebengebirge ist gefährdet

Das marode Lehrschwimmbecken an der Theodor-Weinz-Grundschule in Aegdienberg wird abgerissen. An seiner Stelle soll es einen Neubau geben. Die Zeit dafür drängt, die Schließung bringt die Vereine in Existenznot.

Wiedervorlage im Haupt- und Finanzausschuss und im Stadtrat: Zwar votierte der Betriebsausschuss der Stadt Bad Honnef am Dienstag dafür, das marode Lehrschwimmbecken in Aegidienberg abzureißen. Zu einer Empfehlung, dass neu gebaut wird, gar zu einer Vorentscheidung, ob bei einem Neubau zugleich eine Verlängerung des Schwimmbeckens von jetzt 16,8 auf 25 Meter vorgesehen wird – wie von der Verwaltung in der Beschlussvorlage präferiert – , mochte sich das Gremium nicht durchringen. Klar ist: An einem Abriss des alten Bades führt kein Weg vorbei. Und damit gehört der Schwimmunterricht in Aegidienberg vorerst der Vergangenheit an.

Diesen Schluss ließen die Ausführungen der Gutachter in der Ausschusssitzung zu. Nach ihrer Expertise wäre eine Sanierung genauso teuer wie ein Neubau. Dabei gab es erst mal eine Lehrstunde in Fachterminologie. Karbonatisierungstiefe, Chloridkorrosion von Stahl in Beton, Druckfestigkeit: Anhand verschiedener Parameter verdeutlichte Markus Robeck vom Ingenieurbüro für Bauwesen Schmidt GmbH, wie es um die Standfestigkeit des kleinen Hallenbades, genauer des Beckens, bestellt ist. Den Schluss nahm er vorweg: „Rechnerisch kann eine Standfestigkeit nicht mehr nachgewiesen werden.“ Die Gründe sind vielfältig, lassen sich aber auf einen Nenner bringen: Die gesamte Konstruktion ist durch Korrosion geschwächt. Das ergab eine genauere Analyse des Betons samt der Stahlbewehrung im Inneren.

Dass es um das Bad nicht gut bestellt ist, hatte sich übrigens schon 2016 gezeigt. Ein Gutachten hatte damals nachgewiesen, dass der bauliche Zustand vom Dach bis zu den Fundamenten schlecht ist. Nun wurde auch der Beton genau analysiert, was eigentlich schon 2016 in Rede gestanden hatte. „Das Ergebnis zeigt, dass die Standsicherheit der untersuchten Bauteile in Teilbereichen nicht mehr gegeben ist. Ist die Standsicherheit in Teilbereichen nicht mehr gegeben, kann die Standsicherheit der gesamten Beckenanlage nicht mehr gewährleistet werden“, so Robeck. Ergo: Das Bad musste sofort gesperrt werden. Eine Absage erteilte der Statiker an die Idee, das Becken mit einer Unterkonstruktion zu stabilisieren. Die engen Technikräume im Keller böten dafür nicht genug Platz, schon wegen der Arbeitssicherheit sei das nicht möglich.

Quo vadis, Lehrschwimmbecken? Dieser Frage gingen Gerhard Willert und Dirk Neugebauer vom Ingenieurbüro für Wassertechnik (IWT) im Auftrag der Stadt nach. Geprüft wurden Sanierung, Neubau mit drei 16-Meter-Bahnen sowie Neubau mit drei 25-Meter-Bahnen. Für letztere Variante sprach sich die Verwaltung aus. Sanierung und „kleiner“ Neubau lägen mit rund drei Millionen Euro Kosten fast gleichauf, ein Neubau mit 25-Meter-Becken bei rund 3,5 Millionen Euro, so die Experten. Für beide Neubauten gelte: Sie böten gegenüber der Sanierung viele Vorteile wie Zentralisierung der Technik, zeitgemäße Nebenräume wie Umkleiden, Duschen und mehr. Neugebauer: „Eine Sanierung wäre reine Liebhaberei, und es gibt hier ja keinen Denkmalschutz.“ Und zur Kostendifferenz von einer halben Million Euro zwischen kleinem und wettkampftauglichem, größerem Becken: „Sie bekommen 50 Prozent mehr Wasserfläche bei Mehrkosten von lediglich 17 Prozent.“

Andere Anträge abgelehnt

Alles schlagende Argumente. Gleichwohl entspann sich im Ausschuss eine Diskussion, wie vorzugehen sei – mit mehreren, teils verwirrenden Anträgen, die bei anwesenden Vereinsvertretern erkennbar die Befürchtung aufkommen ließen, der Ausschuss könnte am Ende ein klares Signal komplett schuldig bleiben.

Manfred Rauw (FWG) hätte gerne alternativ einen Standort im Tal geprüft. Christian Kunze (CDU) wollte Prüfung inklusive möglicher Reaktivierung des – im Privateigentum befindlichen und längst umgebauten – Ex-Hallenbades an der Endhaltestelle der Linie 66. Tobias Karsten (SPD) regte an, über die 25-Meter-Bahn hinaus auch eine größere Wassertiefe zwecks besserer Ausbildungseignung ins Kalkül zu nehmen, was laut Gutachter aber Mehrkosten in Millionenhöhe mit sich brächte. Alle Anträge wurden mit wechselseitigen Mehrheiten abgelehnt.

Bürgermeister Otto Neuhof brach eine Lanze für den Verwaltungsvorschlag: „Die Sache ist jetzt eskaliert, das konnten wir nicht gebrauchen. Aber wenn wir keinen Ersatz schaffen, muss sich jeder fragen lassen, wie man das verantworten kann. Natürlich braucht es sorgfältige Abwägung, auch finanziell.“ Lucia Olbrück (SPD): „Es geht nicht um Luxus, sondern um unsere Verpflichtung.“ Ausschussvorsitzender Klaus Wegner (Grüne) sah keine Alternative zur 25-Meter-Bahn: „Jede weitere Prüfung bedeutet Zeitverzug, den wir uns nicht leisten können.“ Am Ende votierte man auf CDU-Antrag für den Abriss, ließ weiteres zur Zukunft des Bades aber offen – ein knappes Mehrheitsvotum, mit dem es nun in Hauptausschuss und Rat geht.

Schließung bringt Verein in Existenznot

„Wir hängen total in der Luft“, sagt Claudia Profitlich. Gemünzt ist die Aussage der Vorsitzenden der Schwimmsportgemeinschaft Siebengebirge (SSGS) auf die Auswirkungen, die die Schließung des Bades in Aegidienberg sowie weitere anstehende Badschließungen auf den Verein und damit auf eine wichtige Aufgabe haben: den Schwimmunterricht vor allem für Kinder und Jugendliche.

Betroffen sind auch andere Vereine, private Schwimmschulen und öffentliche Schulen. Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt regelmäßig, dass immer mehr Kinder nicht sicher schwimmen können; eine Petition zum Erhalt der Bäder hat der Bundesverband unter www.dlrg.de auf den Weg gebracht. Denn überall schwinden die Möglichkeiten, Schwimmunterricht anzubieten.

Drei Bäder sind zeitgleichgeschlossen

Wie im Siebengebirge: Nicht nur das Lehrschwimmbecken Aegidienberg fällt aus, auch das Königswinterer Bad wird ab September abgerissen; ein Neubau soll im Mai 2021 stehen. Ab Juli wird zudem das Unkeler Schulschwimmbad geschlossen und ein Jahr lang saniert.

Die Auswirkungen sind erheblich. Allein die SSGS unterrichtete in Aegidienberg jede Woche 160 überwiegend junge Schwimmschüler. Die Folgen für den Verein sind spürbar. In eineinhalb Jahren habe man an die 200 Mitglieder verloren, so Profitlich, der Verein sei in der Existenz bedroht.

Dabei sei die Nachfrage schon jetzt größer als das Angebot, sagt auch Andreas Knaden von der DLRG. Dazu komme: Für mindestens zehn Angebote vom Seepferdchen- bis zum Fortgeschrittenenlehrgang mit gut 100 Kindern und Jugendlichen, die noch in Unkel schwimmen, hatte man unter anderem auf Aegidienberg als Ausweichmöglichkeit gebaut. Die Freibäder seien saison- und wetterabhängig und nur abends nutzbar – vor allem für jüngere Kinder keine Alternative. „Wir sind ja froh, dass man sich in Königswinter für einen Neubau, in Unkel für die Sanierung entschlossen hat und eventuell auch in Aegidienberg gebaut wird“, so Knaden. Dass alle zeitgleich schließen aber sei das Problem, vor allem für Schwimmanfänger. Zum Neubau in Aegidienberg sind die Vereine einig: Das 25-Meter-Becken biete die besseren Möglichkeiten.