Aussichtspunkte im Siebengebirge: Schaaffhausenkanzel ist eine Baustelle mit Weitblick

Aussichtspunkte im Siebengebirge : Schaaffhausenkanzel ist eine Baustelle mit Weitblick

Der Arbeitsplatz, auf dem Werner Bonn tätig ist, ist selbst für einen erfahrenen Baggerfahrer wie ihn kein alltäglicher. Die Schaaffhausenkanzel oberhalb von Rommersdorf wird dank einer privaten Spende komplett rekonstruiert.

Für die atemberaubende Aussicht über das Rheintal und bis ins Drachenfelser Ländchen hat Werner Bonn gerade keine Zeit. Schließlich ist der Arbeitsplatz, auf dem der Vorarbeiter der Firma Strunk tätig ist, selbst für einen erfahrenen Baggerfahrer wie ihn kein alltäglicher. „Mit dem Bagger am Hang, das ist schon eine Herausforderung“, macht Günter Strunk seinem Mitarbeiter ein dickes Kompliment. Der Hang, um den es geht, ist das Stückchen Land an der Schaaffhausenkanzel. Denn der beliebte Aussichtspunkt oberhalb von Rommersdorf wird dieser Tage komplett rekonstruiert.

Dafür musste der Bagger aber zunächst Tabula rasa machen: Bereits im Verlauf des Dienstags wurden die Teile der maroden und nicht mehr sicheren Plattform entfernt. „Dass das so zügig ging“, staunte Annette Stegger tags darauf beim offiziellen Baustart für die originalgetreue Rekonstruktion der Kanzel. Annette und Manfred Stegger kommt bei dem Projekt eine tragende Rolle zu: Ihre großzügige Spende von rund 30.000 Euro hat das Projekt ermöglicht.

Das kleine Podest am Waldrand, von dem aus je nach Vegetation ein Blick bis in die Kölner Bucht möglich ist, gehört unzweifelhaft zu den schönsten Aussichtspunkten in Bad Honnef und im gesamten Siebengebirge. Problem allerdings: An der etwa zwölf Quadratmeter großen Plattform hatte der Zahn der Zeit zu sehr genagt. „Die Wurzeln hatten das Mauerwerk gesprengt, das Geländer war total verrostet und nicht mehr sicher“, berichtet Frank Beckmann, Technischer Gebäudemanager der Stadt Bad Honnef. Ein zweites Problem stellten die ungeklärten Besitzverhältnisse dar, über die bei ihren Bemühungen um das kleine Podest auch Annette Stegger schon gestolpert war. Denn als sie 2012 beim Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS), der neben der Plattform eine Bank aufgestellt hatte, nachfragte, ob und wie eine Restaurierung möglich sei, erfuhr sie zu ihrer Überraschung: Dem VVS gehört das Areal, anders als viele Naturschutzflächen im Umfeld, überhaupt nicht.

Auch hinsichtlich der Entstehung hatte die Bad Honneferin seinerzeit recherchiert. So war einer Berichterstattung in der Honnefer Volkszeitung zu entnehmen, dass Geheimrat Hermann Schaaffhausen den Aussichtspunkt 1877 errichten ließ – sei es nun, um die schöne Aussicht zu bewundern oder um seinen Gästen von diesem erhabenen Punkt aus seine unterhalb gelegene, herrschaftliche Villa zu zeigen.

Kanzel unterliegt keinem Denkmalschutz

Die Idee, auf eine Restaurierung hinzuwirken, verlief ab 2012 zunächst aber wieder im Sande. 2017 wurde die Schaaffhausenkanzel wie berichtet zu einem Projekt der neuen Dachmarke für Bad Honnef erkoren. Die Verwaltung machte einen neuen Anlauf, plante die Rekonstruktion. Eine größere Recherche war zugleich nötig wegen der Besitzverhältnisse. Ergebnis: Als Eigentümer war ein inzwischen erloschener Verein eingetragen. Laut Fabiano Pinto, Geschäftsbereichsleiter Städtebau, ließ die Stadt aber nicht nach.

Das Areal fiel in der Folge an die Stadt, die nun auch offiziell die Schaaffhausenkanzel unter ihren Fittichen hat. „Die Schaaffhausenkanzel unterliegt zwar keinem Denkmalschutz. Dennoch besteht eine historische Verpflichtung, sie zu erhalten“, machte Beckmann klar. Der Meinung sind auch Annette und Manfred Stegger, die sich bereit erklärten, das Projekt zu finanzieren. Annette Stegger: „Wir haben uns das seit Jahren gewünscht. Ich freue mich richtig, dass es jetzt soweit ist.“ Wie die „neue“ Kanzel aussehen wird, davon können sich die Bad Honnefer schon bald einen Eindruck verschaffen. Bereits in der kommenden Woche sollen die eigentlichen Arbeiten am etwa zwölf Quadratmeter großen Podest beendet sein. Die Plattform besteht – wie das alte Modell auch – im wesentlichen aus Betonteilen. Im sichtbaren Teil gibt es zusätzlich eine Bruchsteinverblendung und natürlich wie zuvor ein Geländer.

Nach Fertigstellung der Plattform müssen noch die für die Bauarbeiten nötigen Fahrwege – der 24 Tonnen schwere Bagger musste umständlich über Rhöndorf und dann durch das Naturschutzgebiet herangeschafft werden – naturgerecht zurückgebaut werden. Ganz verschwinden werden die Teile der alten Kanzel nicht: Aus ihnen werden, zusätzlich zur VVS-Bank, Sitzblöcke entstehen. Eine gute Gelegenheit auch für die Sponsoren, auf die eine Tafel hinweisen wird, von „ihrer“ Kanzel aus den Ausblick noch besser zu genießen.

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