Wetterschutzdach: Sanierung des Kurhauses in Bad Honnef im Zeitplan

Wetterschutzdach : Sanierung des Kurhauses in Bad Honnef im Zeitplan

Die Sanierung des Jugendstilgebäudes liegt laut der Stadt im Zeitplan. Ab Mittwoch wird ein Wetterschutz installiert. Der soll nicht nur gegen Regen helfen.

Das Korsett am Kurhaus steht – und gemessen an dem, was die Voruntersuchungen zur Sanierung von Honnefs guter Stube auch an statischen Problemen ergaben, ist der Vergleich zu einem festen Mieder gar nicht so weit hergeholt. Durchbrüche in tragenden Wänden – Löcher für eine Lüftung, die bei einer früheren Sanierung geschlagen wurden –, gekappte Träger und eine Parkplatzentwässerung, die über Jahrzehnte ins Fundament sickerte, sind Beispiele.

Doch für das Gerüst am Kurhaus gibt es andere Gründe: Zum einen muss innen wie außen jeder Winkel erreichbar sein. Vor allem aber: Damit das Innere bei der Dacherneuerung keinen Schaden durch Regen nimmt, wird eine Wetterschutzhülle über das Gebäude gestülpt. Ein Hauch von Christo in Bad Honnef.

Es sei schon eine besondere Baustelle, sagte Architekt Michael Deisenroth am Dienstag anlässlich der Enthüllung des Bauschildes. Mit derlei Herausforderungen kennt er sich aus: Auch die Hirschburg in Königswinter oder Denkmäler wie die Bonner Kreuzkirche wurden unter Deisenroths planerischer Leitung saniert.

Am Dienstag führte der Architekt durch Honnefs „zurzeit teuerste Baustelle“, wie Bürgermeister Otto Neuhoff sagte. Rund sieben Millionen Euro werden am Ende der Sanierung mit mehr als 30 Gewerken in das Kurhaus geflossen sein. Eine Investition, so steht es auch auf dem Bauschild zu lesen, die nur möglich geworden war durch das Ende der Haushaltssicherung. Das erlaubt der Stadt, mehr als nur das gesetzlich Vorgeschriebene zu tun. Zusätzlich nutzt die Stadt Förderprogramme wie der KfW.

Fit für die nächsten 100 Jahre

„Das Kurhaus wird in die Zukunft gebracht, in die nächsten 100 Jahre“, sagte Deisenroth, der ebenso wie die Vertreter der Stadt die Zusammenarbeit an dem Projekt ausdrücklich lobte. Die besondere Herausforderung auch: In einem Denkmal sei einerseits viel zu tun, aber andererseits gebe der Erhalt im Original die Richtung vor, meinte Fabiano Pinto, Geschäftsbereichsleiter Städtebau: „Am besten ist, man sieht hinterher gar nicht, wie viel gemacht wurde.“

Alle Arbeiten am Kurhaus sind, wie berichtet, mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Einige Überraschungen dürfte es für Betrachter später dennoch geben. So waren bei einer früheren Sanierung die Originalfarben der Ornamentik nicht hergestellt worden.

Voraussetzung indes war und ist: Schäden, die dem Kurhaus – im Wortsinn – an die Substanz gegangen waren, müssen behoben werden. Wie aufwendig das ist, davon konnten sich die Teilnehmer des Rundgangs, darunter Erster Beigeordneter Holger Heuser und Frank Beckmann, Technischer Gebäudemanager der Stadt, im Keller ein Bild machen. Denn: Wo frühere Bausünden das Gebäude geradezu in die Knie gehen ließen, ist nun Schadensbehebung angesagt.

„Dies ist statisch eine der spannendsten Stellen des Bauwerks“, erläuterte Deisenroth in der entkernten Küche, wo ein Mauerwerksbogen über Jahrzehnte sozusagen auf einem Loch im Mauerwerk zum Liegen gekommen war. Beispiele wie dieses zeigten zugleich, wie wertvoll die Vorarbeit mit Untersuchungen und Gutachten sei, betonten Pinto und Jörg Sudmann seitens der Stadt. Von Überraschungen à la Beethovenhalle sei man bislang verschont.

Zeitplan ist sportlich

Überall nackte Mauern: Das gesamte Gebäude ist entkernt, teils beginnt schon der Aufbau der neuen Elektrik und Technik. Denn komplett erneuert werden auch Heizung, Lüftung und WCs. Ein größerer Lastenaufzug und ein zusätzlicher Aufzug, mit dem das Untergeschoss barrierefrei erreichbar sein wird, werden eingebaut. Der Zeitplan ist sportlich: Nur rund ein Jahr Bauzeit ist veranschlagt; im Februar 2020 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Sudmann: „Wir liegen aktuell im Kosten- und auch im Zeitplan.“

Während das Innere für die Honnefer derzeit tabu ist, dürfte es um das Kurhaus herum ab Mittwoch Spannendes zu sehen geben. „So etwas macht man ganz selten, aber ohne das ginge es nicht“, umschrieb Deisenroth, was es mit dem riesigen Gerüst samt Wetterschutzdach auf sich hat. Elf Meter lange Stahlträger werden im Kurpark zu 22 Meter langen Stützen zusammengeschraubt, die als Querträger von Gerüstseite zu Gerüstseite über dem Gebäude arretiert werden.

Das Sondergerüst war nötig, „weil wir die Wände nicht belasten dürfen, erklärt Deisenroth. Obenauf kommt die wetterfeste Hülle, die bis zu Windstärke zehn aushält. Dann folgt die Dacherneuerung, auch diese mit Blick in den Kalender: Da das Wetterdach keinen Schnee tragen kann, muss dieser Teil der Arbeiten bis Oktober beendet sein. Das Innengerüst, das den gesamten Saal überspannt, hat bei diesen Arbeiten einen weiteren Grund: Es schützt die Arbeiter, damit selbst im Ernstfall niemand nach unten stürzt.

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