Stiftung Abtei Heisterbach: Rekonstruktion der Vergangenheit

Stiftung Abtei Heisterbach : Rekonstruktion der Vergangenheit

Welche Einblicke! Nun kann sich jeder Besucher von Heisterbach ein Bild machen, wie es hier einst ausgesehen hat, als noch Mönche das Kloster-Areal bevölkerten.

Das Modell, das Willi Bracht in mühevoller Arbeit und mit Unterstützung seines Vetters Herbert Bracht geschaffen hat, fand jetzt einen Platz am Originalschauplatz dieser großen Zisterziensergeschichte im Siebengebirge. In der Klosterstube wurde es unter Glas aufgebaut. Im Rahmen einer Feierstunde wurde es vorgestellt. Dabei präsentierte die Stiftung Abtei Heisterbach auch das neue Heft "Kloster Heisterbach in Königswinter" des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.

Pfarrer i.R. Georg Kalckert sagte: "Das ist ein freudiges Ereignis. Dieses Modell ist ein gelungenes Beispiel, wie Geschichte erfahrbar gemacht werden kann." Er dankte dem Schöpfer des Werkes für seinen immensen Einsatz, den Helfern und Ratgebern und nicht zuletzt der Marienborn gGmbH, die einen Platz für das Bauwerk geschaffen hat, der für jeden zugänglich ist. Herbert Bracht, der Vorsitzende des Kreises der Heimatfreunde Niederdollendorf, ging noch einmal auf die vielen Probleme ein, die sich während der Planung und des Baus ergaben. Ausgangspunkt war die Zeichnung der Klosterkirche von Boisserée. Und eigentlich wollte der "Architekt" dieses Nachbaus auch nur die Gewölbebasilika im Miniformat erschaffen.

Aber Georg Kalckert regte an, doch gleich "das komplette Heisterbach" mit Kapitelsaal, Refektorium, Kreuzgang, Brunnenhaus und weiteren Details zu errichten. Eine Wahnsinnsaufgabe: Ein ganzes Jahr lang stellte Willi Bracht nur fingernagelgroße Dachziegeln aus Schiefer her. "Wir sind in viele Klöster gefahren und haben Mönche gefragt, um unklare Fragen zu lösen", meinte Herbert Bracht schmunzelnd. Aber die kannten nur einen Experten für alles, was mit dem Orden der Zisterzienser zusammenhängt: Georg Kalckert.

Und der Gründer und Vorsitzende der Stiftung Abtei Heisterbach lobte: "Willi Bracht hat das toll hingekriegt. So hat es hier wirklich ausgesehen!" Das Schöne: Durch die Ausgrabungen, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, konnte Ausgrabungsleiter Christoph Keller dem Bauherrn interessante Tipps geben und mit Zeichnungen beistehen. Restauratorin Brigitte Hartmann hatte den Anstrich übernommen. Durch die aktuellen Arbeiten der Archäologen lagen auch in Sachen Farbgestaltung zusätzliche Erkenntnisse vor.

Auch Klaus-Dieter Kleefeld vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sagte nur staunend bei der Einweihung: "Danke für dieses wundervolle Modell!" Er stellte das neue Heft vor, in dem Christoph Keller die archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände beschreibt. So ergibt sich ein schöner Dreiklang. Der Phantasie des Besuchers wird mit Hilfe des Modells auf die Sprünge geholfen. Und durch die Lektüre kann das Gesehene noch vertieft werden. Hinzu kommt ein neues Faltblatt der Stiftung als Wegweiser durch Abtei und Geschichte. Noch befindet sich das Kloster-Modell im Foyer. Für das "neue Kloster" soll aber ein noch ein attraktiverer Standort gefunden werden.

Die Abtei

Die Abteikirche wurde 1237 konsekriert. Mehr als 600 Jahre lang prägten sodann Gebet und Arbeit der Zisterzinser-Mönche den Ort und die Region, bis durch die Säkularisation von 1803 auch Heisterbach aufgehoben wurde.

1809 wurde die Kirche zum Abbruch verkauft. Die Steine kamen beim Bau der Festung Ehrenbreitstein und des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss zum Einsatz. 1919 zogen die Cellitinnen in Heisterbach ein.

Die frühere Abtei befindet sich im Besitz der Stiftung Abtei Heisterbach, die 1984 gegründet wurde. Sie verfolgt den Zweck, "die ehemalige Abtei Heisterbach als kulturgeschichtliches Denkmal im Bewusstsein der Allgemeinheit zu erhalten".

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