Lesung des Kulturrings Bad Honnef: Raffinierte Mordsgeschichten

Lesung des Kulturrings Bad Honnef : Raffinierte Mordsgeschichten

Gabriele Hamburger und Gigi Louisoder lesen aus ihren mit viel Humor und Spannung gespickten Werken.

Ein mordsmäßig guter Abend. Gabriele Hamburger aus Heisterbacherrott und Gigi Louisoder aus Bad Honnef lasen bei einer Sonderveranstaltung des Kulturrings und des Vereins „Literatur im Siebengebirge“ Kurzgeschichten. Schöne Kulisse für diese Storys voller Spannung, aber auch Humor: der Kunstraum mit den Schwarz-Weiß-Bildern von Jürgen Middelmann.

Wenn aus Liebe Hass wird, endet das in den knackigen, „allerkürzesten“ Kurzgeschichten von Gigi Louisoder nicht vor dem Scheidungsrichter. Ihre Protagonisten versuchen mit anderen Methoden, den Partner loszuwerden. Genauer: mit mörderischen Tricks. Dabei versteht es die Autorin, trotz der blutigen Schreckensszenarien ihre Zuhörer zum Schmunzeln zu bewegen. Das liegt am schönen Schreibstil, aber auch am raffinierten Vorgehen der jeweiligen Ehepartner, wenn sie den „Herzallerliebsten adé“ final um die Ecke bringen.

„Es gibt doch für jedes Problem eine Lösung“, meint eine Frau aus Gigis Krimis mit Paargeschichten denn auch. Ob beim Waschtag der Sturz auf der Kellertreppe oder der Wespenstich – „Für Friedbert war’s nur Notwehr!“ Und wie man aus Mord Suizid macht? Das war in „Eine Ehe auf Italienisch“ zu erfahren. Franco wird tot hinterm Lenkrad aufgefunden.

Seine Frau ist überzeugt: „Das ist Selbstmord.“ Commissario Brunetti gesteht die Signora, ihrem Mann jeden Morgen etwas Gift ins Essen gegeben zu haben, kehrte er abends zurück, erhielt er das Gegengift. Was also kann die Ehefrau dazu, wenn er nicht heimkommt? „Das ist dann Selbstmord!“

Gabriele Hamburger, die sich bereits mit zwei dicken, historischen Krimis – „Vanitas“ und „Exitus“ – eine große Fangemeinde erworben hat, wechselte mit ihrem Buch „Herzlichen Glückwunsch“ zwischendurch in das Kurzgeschichtenfach und stellte nun den humorvollen Titel „Mordskerle“ vor: Carlotta, eine engagierte Tierschützerin, macht auf den Zusammenhang von Fleischkonsum und Massentierhaltung aufmerksam und geht gegen den Besitzer von „Rudis Knackwurstpalast“ vor.

Helden sind dabei Hunde, die Namen wie „Churchill“ tragen. Gut gelungen die Charakterisierungen: „Churchills“ Stammbaum liegt völlig im Dunkeln, der zottelige Knurrhund mit Charakterkopf neigt zu Fettsucht. Und Eric, Carlottas Ehemann? Der führt ein Doppelleben: Weil Carlotta ihm nur noch Fleischloses auf den Tisch stellt, versorgt er sich bei „Rudi“ mit Leckereien. Aber: Am Schluss gibt’s von Carlotta dann doch ein Pfeffersteak für Eric.

Gabriele Hamburger sitzt derzeit wieder an einem historischen Roman, der sich um den Gülich-Aufstand im 17. Jahrhundert in Köln dreht. Gigi Louisoder hat sich einen etwas längeren Krimi vorgenommen. Genug Munition für die nächste Lesung.