Honnefer beim Evangelischen Kirchentag: Protestanten aus Bad Honnef beziehen Stellung in Berlin

Honnefer beim Evangelischen Kirchentag : Protestanten aus Bad Honnef beziehen Stellung in Berlin

Das preisgekrönte Projekt „Fashion – ein globales Geschäft“, das die Textilbranche kritisiert, ist in drei Pavillons im Zentrum Jugend beim Kirchentag präsent.

Die hässlichen Seiten hinter der Glitzerfassade der Modewelt zeigt die Evangelische Jugend Bad Honnef beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin. Direkt am Ausgang der S-Bahn am Anhalter Bahnhof betreibt sie im „Zentrum Jugend“ einen Stand mit drei Pagodenpavillons. In der Jugendetage im evangelischen Gemeindezentrum in Bad Honnef laufen die letzten Vorbereitungen für die Abreise am Mittwochmorgen. Ein Reisebus bringt das Team mit 40 Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren in die Hauptstadt. Der Deutsche Evangelische Kirchentag läuft vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin und in der Lutherstadt Wittenberg.

Das Projekt „Fashion – ein globales Geschäft“, für das die Jugendlichen 2016 die Auszeichnung „Spitze Nadel“ erhielten, kritisiert die unmenschlichen Produktionsbedingungen von Modeartikel. Von Donnerstag bis Samstag zeigen die jungen Honnefer sie in Berlin in einer Blackbox: eine „Fabrikhalle“ mit Nähmaschinen im Neonlicht – Arbeiterpuppen stehen vor Jeansstoffen, die sie mit Schleifpapier und Steinen bearbeiten. Die Originalgeräusche aus einem chinesischen Betrieb und Fotos von den Arbeitsbedingungen sollen den emotionalen Eindruck für den Betrachter vertiefen.

Täglich 15.000 Besucher erwartet

Beim letzten Kirchentag in Stuttgart hatten die Honnefer dieses Thema schon aufgegriffen. „In Berlin werden 15.000 Besucher pro Tag im Zentrum Jugend erwartet“, sagt Andreas Roschlau, der Leiter der Jugendetage, der diesmal das Projekt nicht nur mit seinen Honnefer Jugendlichen, sondern auch mit dem Kinder- und Jugendreferat Siegburg organisierte und deshalb auch Verstärkung aus den Gemeinden Beuel und Ruppichteroth an Bord hat. Auch die Quadratmeterzahl der Fläche, die auf dem Kirchentag zur Verfügung steht, erhöht sich diesmal um 25. In einem dritten Pavillon richten die Jugendlichen nämlich ein Café ein, in dem die Besucher ihre Eindrücke verarbeiten und sich austauschen sowie an einer Dialogwand Kommentare, Gedanken oder Ideen hinterlassen können. Flyer und Schautafeln informieren zum Beispiel über die textile Kette von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Mit Klebepunkten sollen die Besucher kenntlich machen, welche Marken sie tragen. Es gibt ein Quiz.

Man will zum bewussten Konsum anregen

Im dritten Pavillon können öko-faire T-Shirts mit Statements bedruckt werden: „Stellung beziehen“, „Verändere die Welt“ oder „Gerecht verteilen“. Andreas Roschlau: „Wir wollen nicht zum Boykott aufrufen, sondern kritisch sein.“ Zum Beispiel könnten Verbraucher auf Modeketten oder ihre Lieblingsgeschäfte einwirken, indem sie nach fair und ökologisch produzierten und gehandelten Marken fragen, alternative Mode kaufen und sich über Siegel informieren. Es helfe den Näherinnen von Bangladesch nicht, die in ihrem Land produzierte Kleidung zu boykottieren, da sie dann ihre Arbeit verlören. Die Jugendlichen möchten zum bewussten Konsum anregen. Und: „Je länger man seine Kleidungsstücke trägt, desto weniger schadet man der Umwelt“, plädieren sie für Secondhand-Kleidung.