Gegen Hass und Rassismus: Pogromgedenken in Bad Honnef

Gegen Hass und Rassismus : Pogromgedenken in Bad Honnef

Am Ort der ehemaligen Synagoge in Bad Honnef haben viele Bürger der Opfer rechter Gewalt gedacht.

Etliche Bad Honnefer um Bürgermeister Otto Neuhoff gedachten an der Tafel, die vor 40 Jahren an die ehemalige Synagoge an der unteren Kirchstraße erinnert, der Opfer der Novemberpogrome. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 begannen die Nationalsozialisten mit der Zerstörung jüdischer Einrichtungen, Wohnungen, Geschäfte und Synagogen. Auch das Gotteshaus an der Linzer Straße ging damals in Flammen auf.

Neuhoff: „Es ist heute unser 41. Gedenken. Man könnte meinen, es ist jedes Jahr das Gleiche – das ist es aber nicht. Vor einem Monat gab es einen antisemitischen Terroranschlag in Halle, 14 Tage später wählten fast 25 Prozent in Thüringen eine Partei, die einen Faschisten an der Spitze hat.“ Der Präsident des Bundeskriminalamtes habe vor dem Demokratie gefährdenden Ausmaß des Hasses im Netz gewarnt. „Es ist gut, dass so viele hier sind, um ein Zeichen zu setzen – nicht nur im Gedenken an das Jahrzehnte zurückliegende Ereignis, sondern wir verteidigen unsere friedliche, demokratische Grundordnung.“ Und: „Wir machen heute hier klar, dass wir eine Bedrohung unserer jüdischen Mitbürger nicht zulassen.“

Pfarrer Michael Ottersbach, dessen evangelische Kollegen Uwe Löttgen-Tangermann und Britta Beuscher ebenfalls teilnahmen, erinnerte an das Schicksal Anne Franks und ihrer Familie, die beispielhaft stehe für Terror und Not von vielen. Er forderte dazu auf, für Gerechtigkeit, Recht und Freiheit eines jeden Menschen einzustehen. Der 9. November 1938 habe gezeigt, zu welchem abgrundtiefen Hass Menschen in der Lage sind. Er erinnerte aber auch an den 9. November 1989, als die Mauer fiel, und an 70 Jahre Grundgesetz, das es auch heute zu verteidigen gelte.

Schüler vom Hagerhof, vom Siebengebirgsgymnasium und aus der Erzbischöflichen Schule Sankt Josef gestalteten die Feier. Die Hagerhofschüler zitierten aus dem Buch „Der Krieg, den keiner wollte“, zwei Mädchen von Sankt Josef trugen Texte eines Arztes mit marokkanischen Wurzeln sowie einer jüdischen Schriftstellerin vor, die im KZ Theresienstadt starb. Die Sibi-Schüler fragten in einem Rollenspiel kritisch nach, ob denn jemand das Abbrennen der Synagoge zu verhindern versucht habe, warum sie nicht wieder aufgebaut oder zumindest ihr Platz zur Erinnerung leer gelassen worden sei. Eine Schülerin: „Ich finde es nicht angemessen, dass an der Stelle der Synagoge nun eine Tankstelle ist und auf der Rückseite nur diese kleine Gedenktafel.“ Fazit der Schüler: „Wir wollen die Synagoge mit unseren Mitteln wieder aufbauen.“ Sie soll in 3D auf der Webseite des Gymnasiums zu sehen sein.

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