"Chance 7": Naturschutzprojekte im Siebengebirge zeigen Erfolge

"Chance 7" : Naturschutzprojekte im Siebengebirge zeigen Erfolge

Vom Tümpel bis zum Obstbaumwart: Seit 2015 laufen die Naturschutzprojekte im Rahmen des Großprojektes "Chance 7". Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt im Siebengebirge haben bereits Erfolge gebracht.

Wenn Ralf Badtke durch das Siebengebirge geht, hat er nicht nur die Schönheit der Natur im Auge. Er achtet auf Verbundachsen und exponierte Hanglagen, Korridore und Trittsteinbiotope. Aber auch, ob Zippammern oder Mauereidechsen, Grashüpfer oder Wildbienen unterwegs sind. Badtke ist Landschaftspfleger, Forstwirt und einer der Projektreferenten des Naturschutzgroßprojekts „Chance 7“.

Vor neun Jahren hat der Rhein-Sieg-Kreis dessen Trägerschaft übernommen. Seitdem sind zwischen Bad Honnef und Windeck, zwischen Siebengebirge und Siegauen zahlreiche Maßnahmen geplant worden, die mit Beginn der Umsetzungsphase seit 2015 in Angriff genommen werden – auch im Siebengebirge, das mit einer Fläche von rund 4300 Hektar den größten Teil des Projektgebiets ausmacht. Badtke: „Wir sind auf einem guten Weg.“

Einmalige Lebensräume für Pflanzen und Tiere

Oberhalb des Jufa-Hotels in Niederdollendorf steht der Landschaftspfleger an diesem Vormittag und schaut in Richtung Kellerberg hinab ins Rheintal – ein Ausblick, der so erst seit einigen Monaten möglich ist: Standortfremde Pflanzen waren dort emporgewachsen. „Am Fuße des Siebengebirges gibt es einmalige Lebensräume für Pflanzen und Tiere“, sagt er. „Trockenwarm“ wie der Fachmann präzisiert. Allerdings seien die früheren Weinberge im Laufe der Zeit zugewachsen und hätten typischen Bewohnern wie Schlingnattern, Zaun- und Mauereidechsen keine günstigen Lebensbedingungen geboten. Die Folge: Der Artenreichtum ging extrem zurück.

Auch die „Verinselung“ der Obstwiesen und weiterer Naturräume habe da eine Rolle gespielt. Eines der Hauptziele – ein Leuchtturmprojekt von „Chance 7“ – sei daher die Freistellung dieser trockenwarmen Lebensräume. In Niederdollendorf wurde das im vergangenen Winter in die Tat umgesetzt, „und zwar auf Flächen, die entweder in Besitz des Landes oder des Kreises sind“, so Badtke. Zwischen den Biotopen seien Verbundkorridore geschaffen worden, um die Artenvielfalt zu erhalten. Mit ersten Erfolgen. Die Zauneidechse lässt sich wieder öfter sehen. „Bei der Mauereidechse allerdings müssen wir noch nachlegen“, so Badtke, „und vielleicht Trockenmauern anlegen.“

Nachhaltigkeit ist wichtig

Wichtig sei bei jedem Vorhaben die Nachhaltigkeit. „Es nutzt nichts, irgendwas freizuschneiden, um es dann wieder zuwachsen zu lassen“, so der Landschaftsplaner. In Niederdollendorf sind daher seit diesem Frühjahr Schafe der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis zur Beweidung der freien Flächen im Einsatz.

Auch im Rederscheider Bachtal waren Badtke und seine Mitstreiter aktiv und haben eine stillgelegte Fischteichanlage renaturiert. „Wir haben standortfremde Nadelgehölze am Ufer weggenommen, Holzbuden und Rohre entfernt“, zählt Badtke auf. Hier wie etwa auch an einer Teichanlage bei Quirrenbach sind Tümpel entstanden, die „Gelbbauchunkenfähig“ sind, wie Badtke sagt.

60 Tümpel im gesamten Kreis

Die Amphibien mögen es hell und sonnig, nicht dunkel und schattig wie bislang. „Auch hier gibt es erste Erfolge“, so Badtke. Derzeit werden im gesamten Kreis 60 weitere Tümpel angelegt, die teils untereinander vernetzt sind. „Denn Unken gehen gerne auf Wanderschaft.“ Evaluiert werden Ergebnisse im Übrigen durch ein eigens beauftragtes Büro, in dem Landschaftsplaner und Biologen sitzen. „Das eine ist ja das ökologische Wunschkonzert“, so Badkte. „Welche Musik dann aber tatsächlich gespielt wird, muss man sehen.“ Und bewerten.

Für ihn ist die Wolkenburg eine der „Sahneschnitten des Naturschutzes in NRW“. Hier wie beispielsweise auch am Weilberg ist im Zuge von „Chance 7“ bereits jede Menge Gehölz entfernt worden – um in dem ehemaligen Steinbruchgelände Lebensraum für Eidechse, Grashüpfer, Falter und wärmeliebende Flora zu schaffen. „Derzeit sind wir zudem in konkreten Gesprächen mit einem Ziegenhalter aus Buchholz, der die Beweidung der Flächen übernehmen könnte“, sagt Badtke. Stichwort Nachhaltigkeit. Wie der passende Weidezaun an dieser Stelle aussehen kann, gehört derzeit noch zu den zu lösenden Fragen.

Überrascht hat ihn und seine Mitstreiter die Resonanz auf das Thema Streuobst. „Wir haben in drei Jahren im gesamten Kreis 100 Obstbaumwarte ausgebildet“, erzählt er. Sieben Kurse seien angeboten worden, die Ausbildung habe immerhin neun Tage gedauert. Mittlerweile sei sogar ein eigener Verein „Natürlich Streuobst“ gegründet worden, der auch Privatleute berate. Seit vergangenem Herbst gibt es bei Uckerath zudem einen Streuobstwanderweg, der im Rahmen eines Wanderaktionstags am 3. Oktober vorgestellt wird. „Es tut sich was“, sagt Badtke.

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