Aalkönigsfest 2018: Malu Dreyer zur neuen Aalkönigin gekrönt

Aalkönigsfest 2018 : Malu Dreyer zur neuen Aalkönigin gekrönt

In einer glanzvollen Zeremonie ist am Freitagabend die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, im Bad Honnefer Kursaal zur neuen Aalkönigin gekrönt worden. Sie tritt die Nachfolge von Mediziner Eckart von Hirschhausen an.

Na gut, das huldvolle Winken müsse sie noch ein wenig üben, gestand Malu Dreyer ein. Aber vielleicht helfe ihr dabei ja dieses kleine Anschauungsobjekt aus ihrer „persönlichen Kitschecke“, ergänzte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und frischgebackene Aalkönigin Malu I.: „Eine von Sonnenenergie angetriebene Queen.“

Wenn ihr auch der majestätische Gruß frei nach Elisabeth II. noch nicht so selbstverständlich sein mag: Der Freude ihres Volkes über die dritte Herrscherin in der langen Ahnenreihe der Bad Honnefer Aalmonarchie tat das keinen Abbruch. Unter großem Beifall wurde Dreyer am Freitagabend zur Aalkönigin gekrönt. Und schrieb den Aalkönigsmachern, ganz emanzipierte und selbstbewusste Herrscherin, ins Stammbuch: „Nächstes Mal wieder eine Königin. Dann muss auch kein Mann zur Seite treten, um einer Frau Platz zu machen. Ich helfe gerne beim Suchen.“

„Das Fest hier ist die Krönung. Und es ist mir eine Ehre, dieses Amt zu übernehmen“, sollte Dreyer sich später für einen besonderen Abend, vor allem aber für das zugrunde liegende bürgerschaftliche Engagement bedanken. „Das Ehrenamt hält nicht nur jung, es ist vor allem sinnstiftend“, so Dreyer. Mit dem Fest knüpfte das Aalkönigskomitee nahtlos an 15 vorangegangene an und setzte doch besondere Akzente. Einer davon: der Auftritt des Pianisten Kai Schumacher. Mit seinem virtuosen Spiel erntete der gebürtige Baden-Badener Jahrgang 1979 im Kursaal zu Recht wahre Begeisterungsstürme.

Vorstellung der Projekte

Längst fester Bestandteil der Aalkönigsfeste ist die Vorstellung der Projekte, die von deren Reinerlös profitieren – auch dank der großen Sponsorenhilfe, für die Friedhelm Ost, Staatssekretär a.D. und Sprecher des Aalkönigskomitees, besonders dankte. Nur eines der Projekte: Die „Rhein Refugee Youngstars“, jenes Bandprojekt des Hauses der Jugend Bad Honnef mit jungen Flüchtlingen und Deutschen, das sich einen festen Platz in der Musikszene erarbeitet hat.

Am späten Abend stellten die jungen Musiker das im Foyer erneut unter Beweis – zur Freude unter anderem von Wolfgang Clement, Aalkönig Nummer eins und damit Begründer einer Monarchie, so Ost, die „nie expansiv ist oder gar aggressiv, die für die Werte des Abendlandes steht, für Menschenrechte, für Frieden und Freiheit, für Gemeinsinn und soziales Engagement“.

Begleitung zur Krönung

Das Drei-Gang-Menü – eingeleitet stilecht von Räucheraal-Crostini mit Birne, Bohnen und Speck sowie hausgebeiztem Lachs – hatten die Gäste da längst genossen. Pünktlich um 20 Uhr war Dreyer vor dem Kursaal empfangen und in den Saal geleitet worden. Diese Aufgabe übernahm ebenfalls Ost, der eloquent durch den ganzen Abend führte. Auch für die Begleitung zur Krönung hatte das Komitee Sorge getragen. Diese übernahm der Spielmannszug des TV Eiche unter Leitung von Benny Limbach.

Ein Laudator hat es wahrlich nicht leicht. Und so hatte sich Eckart von Hirschhausen als Noch-Herrscher Eckart I. ans Telefon gehängt, um jemanden zu finden, „der etwas Böses über Malu sagen kann“. Vergebens. Aber was geht der Laudatio voraus? Die Abdankung. „Ich trete zurück. Diesen Satz hätten wird in den vergangenen Tagen von anderen Leuten gerne gehört. Aber wie soll man zurücktreten, wenn man mit dem Rücken an der Wand steht“, so von Hirschhausens eindeutig-zweideutige Spitze in Richtung Seehofer und Maaßen: „Aber heute geht es schließlich nicht um Aalglatte, sondern um Aalkönige.“

„Politikerin mit Leib und Seele"

Der Mediziner, Moderator und Kabarettist, der 2017 auf Aalkönige wie Peer Steinbrück, Hans-Dietrich Genscher, Jean-Claude Junker, Theo Waigel oder Wolfgang Bosbach gefolgt war, zeichnete sodann das Bild einer „Politikerin mit Leib und Seele, auf Augenhöhe mit den Menschen“. Dass man von Dreyers „Regentschaft in Mainz“ so wenig mitbekomme, sei „ein gutes Zeichen“: „Sie versteht es, Allianzen der Vernunft zu finden, sie ist eine starke Frau, eine soziale Optimistin, wie sie sich selbst einmal bezeichnet hat. Und das Ansteckendste an ihr ist – ihr Lachen.“

„Wer von Ihnen hat sich selbst geboren? Und wer will alleine sterben? Hand hoch“, schlug von Hirschhausen die Brücke zu einem ernsten Thema, dass der Sozial- und Gesundheitspolitikerin Dreyer, dritte Aalmonarchin nach Rosi Mittermaier und Maybrit Illner, ebenso wie ihm sehr am Herzen liegt: der Pflege. Ihr Einsatz etwa für die Pflegekammer Rheinland-Pfalz, die erste seinerzeit im Bundesgebiet, sei beispielgebend, so von Hirschhausen. Dreyer selbst habe schon „die Ohnmacht gespürt“, die eine Krankheit wie MS mit sich bringe, lasse sich zugleich nie darauf reduzieren – und schon gar nicht bremsen in ihrem Engagement in einem Amt, „in dem es wichtiger ist, dass Kopf und Herz funktionieren als die Beine“.

An von Hirschhausens Worte („Feinde der Demokratie sind nicht nur die, die sie bekämpfen, sondern auch die, die sie nicht verteidigen.“) knüpfte seine Nachfolgerin an: „Wenn wir ein Wehr bauen in Europa, weiß der Aal nicht wohin. Wir dürfen keine Nationalisten sein, wir müssen uns einsetzen für ein offenes Europa. Vielfalt ist eine Stärke“, in der Gesellschaft, in Europa, in der Welt. Nicht nur als „echter Europäer“ weise der Aal den Weg: „Auch unser Planet braucht mehr Fürsorge. Mein Tipp lautet: Achtsamkeit“, so Dreyer unter dem Beifall im Kursaal.