Zwanzig Kinder spielen im Selhof Theater: Märchen siegen übers Smartphone

Zwanzig Kinder spielen im Selhof Theater : Märchen siegen übers Smartphone

"Rapunzel, Rapunzel, lass mir dein Haar herunter!" Im Gasthaus Kaiser stand der hohe Turm. Und die Kinder im Saal fieberten mit Rapunzel und dem Königssohn - und am Ende ward alles gut. Rapunzel (Lorica) kehrte mit dem Prinzen (Malte) glücklich heim in sein Königreich.

Kinder spielten für Kinder Theater. Nadine und Ralf Batzella, Mitglieder der Theatergruppe des Bürgervereins Selhof, möchten die schöne Tradition bewahren. Sie trommelten 20 Mädchen und Jungen zwischen sechs und 14 Jahren zusammen. Nachdem sie kein passendes Stück gefunden hatten, schrieben die Eheleute sogar selbst das Drehbuch.

Die Idee: Oma und Opa sitzen mit ihren Enkeln am Kaffeetisch, die nur ihre Smartphones im Blick, aber noch nie etwas von den Märchen der Brüder Grimm gehört haben. Die beiden Enkel, gespielt von Tim und Amber, lassen sich nun von Oma (Corinna) und Opa (Nils) die Märchen erzählen.

Vier Stücke wählten die Batzellas aus: Neben Rapunzel auch Hänsel und Gretel, Rumpelstilzchen und Aschenputtel. Während die Theater-Großeltern ihren Tisch vor der Bühne aufgebaut hatten, konnten die Bühnenbilder für jedes Märchen gewechselt werden. Die Kulisse war mit Hilfe der Kinder entstanden. So malte etwa Batzella-Tochter Stella das Pfefferkuchenhaus der bösen Hexe auf ein weißes Bettlaken.

Malte, der schon den Prinz im Märchen von Rapunzel gespielt hatte, schlüpfte nun auch in die Rolle von Hänsel. An seiner Seite hatte er Sophie als Gretel. Und die Hexe (Jana) rief: "Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?" Aufatmen im jungen Publikum, als auch dieses Märchen gut ausging.

"Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß", rief Alexis und sprang auf der Bühne vergnügt im Kreis herum. Aber die Königin (Lisa) fand den richtigen Namen mit Hilfe des Boten (Hanna) heraus. Und die kleinen Zuschauer waren glücklich. Auch Aschenputtels Schicksal rührte die Kinder. Schauspielerin Maylin musste sich mit der bösen Stiefmutter (Marie) und ihrer Stiefschwester (Maribel) auseinandersetzen.

Die Eltern der Akteure auf der Bühne hatten sich große Mühe gegeben, ihren Kindern passende Kleidung "auf den Leib zu schneidern". Die drei Täubchen gurrten: "Rucke di guck, rucke di guck, kein Blut ist im Schuck! Der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim!" Johann, Tessa und Clara hatten die Mütter graue Überwürfe genäht und daran Flügel angebracht. Dazu setzten die Kinder Masken auf und sahen als Tauben wirklich "echt" aus.

Nachdem der Vorhang gefallen war, kam der vom Bürgerverein bestellte Nikolaus (Rolf Kolfenbach) in den Saal Kaiser. Für jedes Kind hatte er eine Tüte im Sack. Und viele Mädchen und Jungen waren diesmal bereit, ein Gedicht vorzutragen oder ein Lied zu singen. Die Bühnenleistung der kleinen Schauspieler muss wohl auf sie "abgefärbt" haben.

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