Loverboy-Prozess in Bonn: Anklage wegen Romance Scamming

Liebesschwüre im Internet : Honnefer Betrügerin spielte den Loverboy

Eine Bad Honneferin ist angeklagt, als angeblicher Mann Frauen um ihr Geld gebracht zu haben. Sie muss sich nun vor dem Bonner Amtsgericht verantworten.

„Ich sende dir Millionen Küsse“, schrieb ein Mann namens Thomas an seine Geliebte. Der gut aussehende Ingenieur, der angeblich auf einer Ölplattform vor Dubai arbeitete, überschüttete seinen 54-jährigen Schatz mit Komplimenten. Allerdings litt er wieder einmal unter einem finanziellen Engpass – doch die verliebte Frau half gerne aus.

Sie wollte helfen und sie konnte ja auch helfen: Insgesamt rund 150.000 Euro überwies die gutmütige Dame ihrem Angebeteten in fünf Tranchen zwischen Januar und März 2018. Die Besonderheit: Das Paar hatte sich im Internet kennengelernt, die beiden waren sich noch nie persönlich begegnet.

Täter suchen Opfer in den sozialen Netzwerken

So ahnte die Frau nicht, dass der Ingenieur in den besten Jahren in Wirklichkeit eine 22-jährige Frau aus Bad Honnef war. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen fortgesetzten gewerbsmäßigen Betrugs erhoben und die junge Frau wird sich im Frühjahr vor dem Bonner Amtsgericht verantworten müssen.

„Romance Scamming“ nennt sich die Kriminalitätsmasche auf Neudeutsch. Romantisch ist für die Opfer dieser neuen Spielart des Vorschussbetrugs wohl einzig der Name. In Online-Partnerbörsen oder sozialen Netzwerken suchen die Täter nach potenziellen Opfern. Ist der Kontakt erst hergestellt, hagelt es Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit. Das Ziel ist aber nicht die Liebe, sondern das Geld der Auserwählten.

Die junge Bad Honneferin scheint eine wahre Virtuosin in ihrem Metier gewesen zu sein – schließlich gehört eine Menge Einfühlungsvermögen dazu, eine fremde Frau dazu zu bringen, sich in einen Mann zu verlieben, den sie noch niemals in natura gesehen hat. Ob sie sich als Frau womöglich besser in die Gefühlswelt ihrer ebenfalls weiblichen Opfer hineindenken konnte, wird sich im Rahmen des Prozesses wohl kaum aufklären lassen.

Immerhin schenkte ihr das zweite Opfer so viel Vertrauen, dass sie für die letzte Tranche von immerhin 75.000 Euro sogar einen Kredit aufnahm.

Falsches Foto und frei erfundene Geschichten

Bezirzt hat die Betrügerin die 54-Jährige mit einem falschen Foto und der frei erfundenen Geschichte eines Ingenieurs, dessen Öl-Firma sich in finanziellen Schwierigkeiten befände.

Mal flossen „nur“ 5500 Euro, mal überwies die verliebte Frau gleich mehr als 37.000 Euro, damit der Unternehmer ausstehende Löhne zahlen konnte oder wegen einer Steuernachzahlung nicht zur Bank musste, wie sie glaubte. Als ihr selbst das Geld ausging, übernahm sie sogar selbst die Kreditaufnahme.

Die zuletzt überwiesenen 75.000 Euro konnte sie sich allerdings zurückholen. Weil die Banken auf die merkwürdigen Kontobewegungen der 22-Jährigen aus Bad Honnef aufmerksam geworden waren und sich an den Zoll gewandt hatten, erfuhr die verliebte 54-Jährige von der wahren Identität des Ingenieurs und konnte die letzte Geldanweisung gerade noch rechtzeitig rückgängig machen.

Bei einem weiteren Opfer, einer 64-jährigen Lehrerin aus Thüringen, hatte die 22-Jährige wohl nicht ganz so überzeugend gewirkt. Hier hatte sie sich als finanziell klammer UN-Soldat ausgegeben, der aktuell im Jemen stationiert sei. Nach der Zahlung von 1200 Euro schöpfte das Opfer Verdacht und stellte die Zahlungen trotz weiteren Drängens ein.