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Kurhauses in Bad Honnef: Sanierung lässt Saal wieder im Originalton strahlen

Sanierung auf der Zielgeraden : Saal des Kurhauses in Bad Honnef strahlt wieder im Originalton

Gute Nachrichten zur Sanierung des denkmalgeschützten Kurhauses: Die Arbeiten bleiben im Zeit- und Kostenrahmen. Die Übergabe ist für Ende Februar geplant. Zudem bekommt die Stadt 100.000 Euro Zuschuss vom Land NRW.

Um den alten Aufzug im Kurhaus ranken sich Legenden. Manches Stoßgebet wurde gesprochen, wenn sich das betagte Modell in Bewegung setzte, um mal Möbel, mal Speisen oder Geschirr und natürlich Personen zwischen Stuhllager und Küche im Keller und dem Saal im Erdgeschoss zu befördern. Und manches Mal mussten „Passagiere“ im stecken gebliebenen Käfig ausharren, bis die Fahrt weiterging. Damit ist bald Schluss. Verschiedene moderne Aufzüge werden dafür sorgen, dass jeder Transport gelingt. Die Sanierung des Kurhauses macht große Fortschritte. Und sie liegt, so hieß es bei einem Baustellenrundgang mit dem Fokus auf die Neuerungen in der Technik, weiterhin im Zeit- und Kostenplan.

Geringe Abweichungen inklusive: Ursprünglich war Mitte Februar als Termin für die Übergabe angepeilt worden, final soll sie nun Ende Februar gleich nach Karneval stattfinden. Circa drei Wochen sind danach allein für die Abnahmen der Gewerke veranschlagt, ein aufwendiges Unterfangen bei mehr als 30 Gewerken. Und was die Finanzen angeht: Ende des Jahres waren die Verantwortlichen von Mehrkosten in Höhe von rund vier Prozent für das Sieben-Millionen-Euro-Projekt ausgegangen; auch diese Marge werde bisher gehalten, hieß es nun erneut. In das Finanzkonzept seien von vornherein Puffer eingebaut worden, um Überraschungen aufzufangen. Davon sei man bisher weitestgehend verschont geblieben, so auch Jörg Sudmann, Projektleiter im Rathaus.

Unter dem Strich hielten sich Zeitverzögerung und Kostensteigerung so im Rahmen, dass es „einem Wunder gleichkommt“, wie der Leiter des städtischen Gebäudemanagements, Frank Beckmann, und Architekt Michael Deisenroth unisono meinten. Angesichts fast schon üblicher Kostensteigerungen am Bau im zweistelligen Bereich und auch angesichts dessen, „was auf anderen Baustellen los ist“ (Deisenroth) – siehe Projekte wie die Bonner Beethovenhalle – komme das einer Punktlandung gleich. Beckmann: „Zu verdanken haben wir das dem Architekturbüro und den beteiligten Firmen, die allesamt hervorragende Arbeit leisten.“

Land fördert den Schutz des Denkmals

Eine gute Nachricht hatte auch Luis Kohl von der Unteren Denkmalbehörde: Das Land steuert zur Kurhaus-Sanierung aus Mitteln der Denkmalförderung 100 000 Euro bei. Angesichts eines Fördertopfes von 15 Millionen Euro für ganz Nordrhein-Westfalen sei das ein nicht zu vernachlässigender Erfolg für das Projekt. Zuschussfähig ist nur der Mehraufwand, der durch denkmalgerechte Sanierung anfällt. Technik wie Elektrik, Heizung, Lüftung – neben der Statik, dem Dach und dem Brandschutz einer der dicksten Batzen – fallen also nicht darunter.

Auch an diesem Tag jagte eine Besprechung mit Fachleuten die nächste. Während die Besucher noch vom Foyer aus in den Keller gingen, wo sie Details wie die Brandschutzverkleidung jedes einzelnen Stahlträgers in Augenschein nehmen konnten (Beckmann: „Brandsicherheit war bislang nicht gegeben“) werkelten im Saal die Parkettleger weiter. Auf dem ursprünglichen Unterboden, der erhalten bleibt, wird ein helleres Parkett verlegt. Allein diese Arbeiten werden laut Deisenroth etwa drei Wochen dauern.

18 Farbschichten überdeckten die Originalfarbe

Auch der gesamte Saal wirkt jetzt, da Restaurierung und Anstrich fertig sind, hell und freundlich. Statt der Farbe Ocker, die bei der Sanierung Ende der 80er Jahre aufgebracht worden war, dominieren helle Töne. Deisenroth: „Ursprünglich hatten wir vor, zu den Farben von 1989 zurückzugehen. Aber dann hat sich herausgestellt: Das ist gar nicht das Original.“ Das sei unter 18 Schichten Farbe zum Vorschein gekommen, so der Architekt. Beckmann formuliert es so: „Das Depressive ist jetzt weg.“

Detailverliebtheit zeigt sich auch im Seniorentreff, der künftig barrierefrei ist, und den Räumen, die von der Volkshochschule Siebengebirge genutzt werden. Stuckrosetten, von denen lediglich eine erhalten geblieben war, werden nachgegossen und wieder angebracht. Das Treppenhaus hat einen Originalanstrich, sämtliche Lager und Kühlräume – getrennt für Essen und Getränke – sind nach neuestem Stand der Technik ausgestattet.

Enormer Aufwand wurde nicht nur bei der Erneuerung des Dachs berieben, das etwa ein Drittel der Gesamtmaßnahme einnahm, und bei der sicheren Aufhängung der Saaldecke, sondern vor allem bei der Technik wie der Lüftungsanlage. Um die hochmoderne Installation aufzubringen, wurden auf dem Dach zur Weyermannallee hin Stahlträger eingezogen. Das Besondere an der Anlage: Sie verfügt neu auch über eine Wärmerückgewinnung. Beckmann: „Die Energieeffizienz steigt erheblich.“ Eine moderne Gaskesselheizung tue ein übriges, die Heizkosten im Winter zu senken. Wie bisher gibt es auch eine Nachtauskühlung, das Abführen von Wärme aus dem Gebäude durch Zufuhr kühler Nachtluft ohne aktive Kühlung und Lüftung.