Ausstellung in Bad Honnef: Künstlerinnen spielen mit den Facetten von Weiß

Ausstellung in Bad Honnef : Künstlerinnen spielen mit den Facetten von Weiß

Traudel Lindauer und Angelika Wittek zeigen bis Anfang Juni im Kunstraum Bad Honnef verblüffende, traumhafte, mitunter skurrile Kunstwerke in allen Nuancen der "Nichtfarbe" Weiß.

Weiß sei „ein Gemisch aus Einzelfarben“, so Antje Soléau, es sei eine Nichtfarbe – aber eine mit großer Symbolkraft: Unschuld, Reinheit, Heiligkeit und Erlösung. In manchen Kulturen stehe es für Trauer, Tod und Unsterblichkeit, erklärte die Kunstjournalistin. Dann wieder sei es Zeichen für das Royale, das Herrschaftliche und Festliche.

Im Kunstraum Bad Honnef steht Weiß zurzeit im Mittelpunkt. In die aktuelle Ausstellung „Mit Farben spielen – Weiß auswählen“ von Traudel Lindauer und Angelika Wittek führte die Kölner Kunstexpertin bei der Eröffnung ein. Die faszinierende Wirkung von Weiß spiegeln die Exponate der Künstlerinnen.

Die beiden entführen die Besucher in Traumwelten, in denen Naturmaterialien und Alltagsdinge, behaftet mit Lebensspuren, ein beeindruckendes Eigenleben entwickeln. Geradezu magisch angezogen wird der Betrachter von einem filigranen, nahezu schwebenden Kleid aus Hunderten getrockneten Löwenzahnblüten. Auch Pusteblumenschuhe gibt es dazu.

Eine andere Ausstellungswand bietet Raum für Lillis Stöckchen. „Lilli war mein Hund“, erklärt Angelika Wittek augenzwinkernd. Lilli habe es geliebt, kleine Stöckchen zu holen. Wittek hat die Stöckchen mit verschiedenen weißen Materialien „aus der Knopfkiste“ umwickelt und zusammengeführt.

Wenige Meter weiter offenbart die „Spitzentechnologie“ von Traudel Lindauer – eine technisch wirkende Installation in weißer Spitze – den humorvollen und doppelsinnigen Zugang zum Thema „Weiß“. An anderer Stelle schweben im Raum einem Mobile gleich weiße Blütenblätter von der Decke herab: weißer Vliesstoff, auf Draht gespannt und durch Nylonfäden verbunden.

Gesellschaftskritik und Flüchtlingsthema

Auch Gesellschaftskritisches gibt es zu sehen. Die Installation „Reason to leave my country“ setzt sich mit den Schicksalen von Flüchtlingen auseinander, die als „Boatpeople“ über das Mittelmeer nach Europa kommen.

Zu sehen sind ein Koffer aus Papier, kleine Papierboote und ein langes weißes Gewand. Daran hängen weiße und hellbraune Streifen, auf denen die Gedanken, Gefühle und Ängste der Flüchtlinge benannt sind. „Die Künstlerinnen beschreiben die Verletzbarkeit der Umgebung, ohne laut zu werden“, beschrieb Soléau die Darstellungsweise der Frauen.

So unterschiedlich die beiden auch seien, hätten sie doch auf herausragende Weise in ihren Ausdrucksformen zueinander gefunden. Cornelia Nasner vom Verein zur Förderung von Kunst und Kultur Bad Honnef freute sich, dass die Ausstellung im Kunstraum gezeigt wird. „Wir brauchen nicht nach Bonn oder Köln zu fahren, die Kunst kommt nach Bad Honnef.“

Beide Künstlerinnen arbeiten in Köln

Wittek und Lindauer leben und arbeiten in Köln. „Wir haben uns in der Südstadt in einer Galerie kennengelernt“, erzählte Wittek (Jahrgang 1949), die ein Studium der Kunst, Kunstpädagogik und Kunsttherapie an der Universität Köln absolvierte und bis 1996 als Lehrerin tätig war. Von 1996 an studierte Wittek an der Alanus Hochschule Alfter Bildhauerei und Malerei. Als freischaffende Künstlerin hat sie ein Atelier in Köln.

Auch Traudel Lindauer, 1942 in Dresden geboren, ist Pädagogin. Sie absolvierte eine Ausbildung als Fachlehrerin für bildhaftes Gestalten und Werken. Seit 1986 arbeitet sie als freie Textilkünstlerin in Köln.

Die Ausstellung ist bis zum 2. Juni im Kunstraum Bad Honnef, Rathausplatz 3, donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie Samstags und sonntags von 10 bis 13 Uhr zu sehen.

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