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Rhöndorfer Waldfriedhof: Künstler aus Bad Honnef entwarf Adenauers letzte Ruhestätte

Rhöndorfer Waldfriedhof : Künstler aus Bad Honnef entwarf Adenauers letzte Ruhestätte

Karl Menser entwarf den Friedhof in Rhöndorf in den 1920er Jahren als naturnahen Park. Pomp war auf diesem terrassenförmigen Gräberfeld immer unerwünscht. Das Areal steht unter Denkmalschutz.

Konrad Adenauer ist die berühmteste Persönlichkeit, die auf dem fast 100 Jahre alten Rhöndorfer Waldfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden hat. Aber auch der Schöpfer dieser parkähnlichen Anlage, die 2011 zum Gartendenkmal erklärt wurde, der Bildhauer Karl Menser, wurde hier 1929 bestattet. Der Verein Gutenberghaus und der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf erinnerten mit einem Vortragsabend an ihn. Renate Mahnke referierte in der Heimatstube.

Karl Menser wurde am 19. Juli 1872 in Köln als Spross einer wenig begüterten Familie geboren. Dennoch, so Mahnke, ermöglichten ihm die Eltern den Besuch des Gymnasiums Kreuzgasse, das er mit der Mittleren Reife verließ. Er absolvierte eine Lehre bei einem Stuckateurmeister, besuchte parallel die Kölner Kunstgewerbeschule und studierte Bildhauerei im Atelier Albermanns. Bei Johannes Niessen, Historienmaler und Leiter des Kölner Wallraf-Richartz-Museums, erlernte er das anatomische Zeichnen und Malen.

Würdigung eines schöpferischen Menschen: Die Büste Karl Mensers steht auf dem Waldfriedhof. Foto: Frank Homann

Nach Wanderjahren zog es ihn 1902 nach Köln, bevor er ab 1907 in Bonn lebte, dort seine eigene Werkstatt hatte und ab 1917 als akademischer Zeichenlehrer an der Universität wirkte. Er unterrichtete zunächst Mediziner. Offensichtlich so gut, dass Menser 1918 der Ehrendoktor der medizinischen Fakultät zugedacht wurde. 1921 wurde er Lektor für Zeichnen und Modellieren an der Philosophischen Fakultät. Der Künstler, der 1904 Josefine Geissel heiratete und kinderlos blieb, so Mahnke, habe in Bad Honnef das Haus Am Zoperich 1 bewohnt. Später habe er das Wohnhaus des Malers Ernst Günter Hansing gekauft.

Künstler Karl Menser wohnte in Bad Honnef

Dass er hier auf Dauer wohnte, ist eine neue Erkenntnis. Bisher war nur von Wochenendaufenthalten Mensers in Rhöndorf zu Studienzwecken die Rede. In Bonn, wo er intensiv am Kunstleben beteiligt war, wurde er bis zuletzt in den Adressbüchern als Kunstbildhauer im Haus Kaufmannstraße 38 geführt. Für die Rhöndorfer Kirche und die Kapelle des Klosters Sankt Josef fertigte Menser heute nicht mehr vorhandene Altäre, wohl auch einige Figuren. Sein für den Ort prägendstes Projekt aber ist der Waldfriedhof. Er legte ihn 1920/21 als terrassierten Hangfriedhof mit organischen Grabfeldern und Wasserstellen an. Das Gelände hatte der Weingutsbesitzer und Stadtverordnete Karl Broel gestiftet.

Bildhauer Menser Foto: Frank Homann

Das Grab Mensers, der am 10. November 1929 unerwartet in Zürich verstarb, wird von der Stadt gepflegt. Und eine von ihm im Todesjahr gefertigte Büste auf dem Gelände erinnert an ihn. Sein ursprünglicher Grabstein sei zum zwanzigsten Todestag von der Stadt gesichert und eingelagert worden, so Mahnke.

Ruhm erlangte der Friedhof später als Begräbnisstätte Konrad Adenauers, Tausende Menschen pilgerten nach dessen Tod zum schlichten Grab. So war der Friedhof auch gedacht: Pompöse Denkmäler waren nicht gewollt. Und die Hanglage verhindert grundsätzlich das Anlegen langer Gräberreihen. Geschwungene Wege, Bäume und Büsche lockern das Bild auf. Sehenswert ist auch die detailreich gestaltete Kapelle.

Vor einigen Jahren ließ die Stadt den Friedhof mit großem Aufwand renovieren. Die Zuleitung zur Teichanlage wurde als oberidischer Wasserlauf hergestellt. Dieser Friedhof ordnet sich der Natur unter. Ein ganz besonderes Meisterwerk Mensers, der in Paris, in Köln oder in Bonn eindrucksvolle Werke schuf.