Funde bei Niedrigwasser: Kriminalpolizei prüft Schädel von Unkeler Rheinufer

Funde bei Niedrigwasser : Kriminalpolizei prüft Schädel von Unkeler Rheinufer

Nachdem Flugzeugteile und Knochen am Rheinufer entdeckt wurden, haben Fachleute die Funde analysiert. Dabei bleibt die genaue Herkunft einiger Funde unklar. Die Kriminalpolizei untersucht unterdessen die Herkunft eines Schädels.

Bei den Ende Oktober bei extremem Niedrigwasser vor Unkel im Rhein aufgetauchten Fundstücken handelt es sich tatsächlich um Wrackteile von mehreren Flugzeugen der Luftwaffe der Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Überreste können den Flugzeugtypen Junkers 87 (Ju 87) und Focke-Wulf 190 zugeordnet werden. Das teilte die Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz am Montag mit.

Die Behörde, die ihren Sitz auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz hat, gab bekannt, dass am Rheinufer bei Unkel neben großen Wrackteilen von neuzeitlichen Booten auch Pontons der amerikanischen Streitkräfte entdeckt worden seien, die im Kontext der Kämpfe um die Brücke von Remagen zu sehen seien. Die Ludendorff-Brücke hatte, wie alle anderen Rheinbrücken, beim Rückzug der Heeresgruppe B unter Generalfeldmarschall Walter Model auf die rechte Rheinseite gesprengt werden sollen. Beim Sprengversuch am 7. März 1945 wurde sie zwar kurz aus ihren Lagern gehoben, aber nicht zerstört. Wenig später überquerten die ersten amerikanischen Soldaten die Brücke und eroberten die Erpeler Ley. Innerhalb von nur 24 Stunden wurde der amerikanische Brückenkopf rechts des Rheins auf 8000 Mann, innerhalb einer Woche auf 25.000 Mann erweitert. In unmittelbarer Nähe stromabwärts wurde in Tag- und Nachtarbeit eine Pontonbrücke gebaut.

Um die Ludendorff-Brücke zwischen Erpel und Remagen doch noch zum Einsturz zu bringen, setzten die Deutschen damals ihre einmotorigen Sturzkampfbomber (Stukas) zu präzisen Bombenangriffen ein. Am 17. März stürzte die Ludendorff-Brücke dann tatsächlich ein.

Die Generaldirektion Kulturelles Erbe weist darauf hin, dass es sich bei der Fundstelle der Flugzeugteile bei Unkel auf keinen Fall um den Absturzort handele. Vielmehr spüle der Rhein an dieser Stelle immer wieder Gegenstände an, wie zahlreiche Kanister, Fässer und anderer Zivilisationsmüll aus den letzten beiden Jahrhunderten belegen würden. „In dem Zusammenhang sind auch zwei militärische Feldflaschen zu sehen, die nie regulärer Bestandteil der Ausrüstung von Piloten der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg waren. Der Absturzort der Flugzeuge ist nicht genauer zu lokalisieren, als dass er sich von Unkel aus rheinaufwärts befunden haben muss. Die Wrackteile wurden an der Stelle lediglich angespült. Eine Zuordnung der Wrackteile zu bestimmten, abgestürzten Flugzeugen ist nicht möglich“, heißt es.

Die Behörde widerspricht somit der Annahme eines Archäologen der Bonner Universität, der, wie berichtet, Flugzeugteile, eine Feldflasche und – wie er vermutete – auch menschliche Knochen gefunden hatte. Er hatte die Wrackteile einer bestimmten Maschine zugeordnet, die am 8. März 1945 in Höhe von Unkel zwischen Gefängnisturm und Freiligrathhaus abgeschossen wurde.

„Bei den am Fundort aufgelesenen Knochenfunden handelt es sich mit einer Ausnahme ausschließlich um Tierknochen, die als Speise- und Schlachtabfälle in den Rhein gelangten. Das Fragment eines menschlichen Schädels ist aufgrund der Wachstumsmerkmale einem juvenilen Individuum zuzurechnen und steht somit in keinem Zusammenhang mit vermissten Piloten der Wehrmacht“, so die Behörde. Ob das Schädelfragment bei Hochwasser vom Unkeler Friedhof zum Rheinufer gespült worden oder einem Vermisstenfall zuzurechnen sei, werde derzeit von der Kriminalpolizei geprüft.

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