Mountainbiker im Siebengebirge: Konflikte auf den Wanderwegen

Mountainbiker im Siebengebirge : Konflikte auf den Wanderwegen

Der Winter hält allmählich Einzug im Siebengebirge. Manch Wanderer atmet deshalb auf: Denn je trüber und ungemütlicher die Tage, desto weniger Mountainbiker sind unterwegs. Und eben die geben immer wieder Anlass zu Ärger im Wald. Unlängst führte eine Auseinandersetzung zwischen Fußgänger und Radfahrer sogar zu einer Anzeige wegen Körperverletzung und Fahrerflucht.

Dabei war ein Bad Honnefer zu Fuß mit seinem Hund auf dem Rheinhöhenweg oberhalb der Schmelztalstraße unterwegs. Als hinter ihm ein Mountainbiker abbremste, wies der Mann ihn auf das Radfahrverbot hin. Als der Mountainbiker den Fußgänger aus dem Weg schieben wollte, stürzte der und verletzte sich an der Hand.

"Langsam wird es unerträglich, wie oft man an den Wochenenden auf den Wanderwegen im Siebengebirge von aggressiven Mountainbikern belästigt wird", sagt der Honnefer, der sich über den "Kampfradsport" ärgert. Er fragt sich: "Warum wird nicht endlich etwas dagegen unternommen?"

Zusammenstöße zwischen beiden Parteien gibt es immer wieder, und zwar nicht nur verbaler Art. So wurde zum Beispiel im Juni eine 72-jährige Fußgängerin auf dem Kutschenweg unterhalb des Drachenfels bei der Kollision mit einem Mountainbiker verletzt. Andersherum war im Vorjahr ein 27-jähriger Radfahrer im Wald bei Rhöndorf verunglückt, weil in Kopfhöhe ein Drahtseil als eine Art "Falle" über den Weg gespannt war.

Dies jedoch sind nach Auskunft der zuständigen Polizeibehörde Einzelfälle: "Wenn uns zwei Vorfälle im Monat gemeldet werden, dann ist das viel. Es gibt keine signifikante Häufung", so Pressesprecher Christoph Schnur. Allerdings werde auch nicht alles gemeldet. Beschwerden wegen Beleidigungen und Nötigungen gebe es sowohl seitens der Fußgänger als auch der Radfahrer. "Es sind aber meist kleine Grabenkämpfe, die da ausgetragen werden."

Für den Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) sind Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern kein unbekanntes Thema, wenngleich der Verein wenig konkrete Mitteilungen erhält. Geschäftsführerin Brigitte Kohlhaas sagt: "Die Rowdys sind in der Minderheit, und die meisten Radfahrer sind auch auf den legalen Wegen unterwegs."

Das Siebengebirge sei als Ausflugsziel eben sehr beliebt, "und dort, wo verschiedene Nutzungen aufeinanderprallen, sind Konflikte vorprogrammiert." Beim VVS hofft man, dass durch die Einführung einer exakten Beschilderung im Rahmen des neuen Wegekonzeptes in der ersten Hälfte kommenden Jahres Klarheit geschaffen wird, wer sich wo bewegen darf. Konkrete Handhabe gegen schwarze Schafe hat der VVS aber auch dann nicht: "Wir haben keine ordnungsrechtlichen Befugnisse." Verstöße ahnden dürfen nur Forstbeamte, entsprechende Mitarbeiter des Kreises oder die Polizei.

Auch Revierförster Florian Haufler geht davon aus, dass sich die Situation durch die Beschilderungen entspannt: "Viele wissen bislang gar nicht genau, wo sie fahren dürfen und wo nicht." Schwarze Schafe werde es allerdings immer geben, "aber die sind nicht nur unter den Radfahrern zu finden". Mit Schwerpunktkontrollen, vor allem an den Wochenenden, will man diese aufspüren.

Regelmäßige Kontrollen wird es aber wohl nicht geben, Kreisumweltdezernent Christoph Schwarz sagt: "Wir sind personell nicht so aufgestellt, dass wir ständig mit einer Hundertschaft durchs Siebengebirge streifen können." Dennoch sieht er Handlungsbedarf: "Ich empfinde das Mountainbiking im Siebengebirge schon als ein problematisches Thema. Neben freilaufenden Hunden sind die Mountainbiker im Wald unsere größten Sorgenkinder."

Es seien auch erste Gespräche mit der Polizei geführt worden. "Falschfahrern" droht ein Verwarngeld von 35 Euro. "Wir wollen aber auch nicht immer mit dem Zeigefinger winken", so Schwarz. Ihm sei bewusst, dass es Bedarf an Mountainbikerouten gebe, der bislang nicht befriedigt wird. "Wir sind bemüht, uns über Ersatzflächen Gedanken zu machen."