Das Campanula-Cello: Klänge eines besonderen Instruments in Bad Honnef

Das Campanula-Cello : Klänge eines besonderen Instruments in Bad Honnef

Die Klassik-Bühne Rhein-Sieg gastiert in Sankt Johann Baptist. Das Campanula-Cello ist musikalisch und optisch eine Attraktion. Und noch eine Premiere: Guido Schiefen spielte es zum ersten Mal in einem Konzert.

Ein leuchtend azurblaues Instrument, das als Typus im allgemeinen erst gut 30 Jahre und in diesem speziellen Fall erst ein halbes Jahr alt ist, hat den Akteuren fast den Rang abgelaufen. Dabei waren auch diese hochkarätig, und mehr als einer Premiere wohnten die Zuhörer in der gut besetzten Pfarrkirche Sankt Johann Baptist zudem bei. So gastierte die Kreissparkassenstiftung für den Rhein-Sieg-Kreis mit ihrer "Klassik-Bühne Rhein-Sieg" erstmals an diesem Ort: mit einem reinen Barockprogramm und drei international tätigen Musikern, denen die Zuhörer vom ersten bis zum letzten Ton andächtig lauschten, Anette Maiburg (Flöte), Gerald Hambitzer (Cembalo) und Guido Schiefen (Campanula).

Das Campanula-Cello ist eben jenes Instrument, das zur Attraktion wurde. Schiefen spielte es zum ersten Mal konzertant. Noch eine Premiere. Diese hatte sich der gebürtige Eitorfer und Professor in Luzern selbst gewünscht, weil er seit 20 Jahren als künstlerischer Leiter der 1996 ins Leben gerufenen Klassik-Reihe wirkt. Die Campanula verdankt ihre Entstehung dem Auftrag, ein Instrument nach einem Pflanzenbild zu entwickeln. "Ich nahm die Glockenblume, Lateinisch: Campanula, zum Vorbild und kreuzte in den 1980er Jahren als Fan indischer Musik und Cello-Spieler die indische Sarangi mit dem Cello. Daher kommen die Spielart und das Klangvolumen", erklärte Helmut Bleffert. Der Erfinder und Erbauer des Instruments war beim Konzert ebenfalls zugegen. Gebaut habe er neben Campanula-Geigen bisher etwa 100 Campanula-Cellos, die in aller Welt verteilt seien: "Das hier ist mein Sternenflieger, mit dem mache ich Sternenmusik, weil sie extrem lange Nachhallzeiten und extrem hohe Obertöne hat."

Gleich beim Auftaktstück berührte der Bogen die Saiten und zugleich mehr als nur einen Nerv des Publikums. Auf einmal schien der Kirchenraum von Sankt Johann Baptist - jedenfalls für die Zuhörer in den vorderen Reihen - angefüllt mit viel mehr Tönen als erwartet und gleichzeitig weiter und offener als er ist. Dabei werden bei der Campanula wie beim Cello auch nur vier Saiten gespielt. Aber sie verfügt außerdem über 16 Resonanzsaiten, die mitschwingen und für eine Vielfalt von Obertönen verantwortlich sind. Sphärisch, fast überirdisch war der Eindruck. Da glitzerte es in den hohen Lagen von Johann Sebastian Bachs Prélude aus der Suite Nr. 4 in Es-Dur, schwebte der Klang und machte den Hall im Kirchenraum überflüssig. Die Harmonien der Komposition kamen auf ungewöhnliche Weise zur Geltung, ohne dass sich der Spieler scheinbar anstrengen musste. Schiefen: "Die Resonanz trägt einen beim Spielen. Sie verleiht Flügel." Dabei müsse man als Cellist bei der Tonart Es-Dur sonst "sehr arbeiten am Klang, weil genau diese Eigenresonanz fehlt".

Bachs vierte Es-Dur zeigt Analogien zur vierten Französischen Suite für Cembalo in der gleichen Tonart. Auch sie kam zu Gehör. Überzeugend war aber auch die Klangwirkung im Zusammenspiel von Cembalo und Campanula bei Bachs Gambensonate in G-Dur, zumal das Cembalo durch seine Bauweise auch für ein gewisses Nachklingen konzipiert ist. Gemeinsam mit dem Cembalo übernahm die Campanula überdies die Continuo-Begleitung bei Bachs Sonate in e-moll, BWV 1034, und bei Georg Friedrich Händels vierter Sonate für Flöte und Basso continuo. Meisterhaft hatte zuvor bereits Anette Maiburg die Flöte solo geführt in einer entrückenden Interpretation von Georg Philipp Telemanns dritter Fantasie in h-Moll und auch dabei bewiesen, warum sie unter anderem Preisträgerin eines "Echo Klassik" ist.

Ausrichtung für den guten Zweck

Ein erfüllendes Konzert, das eines von fünf an fünf aufeinanderfolgenden Tagen im Rhein-Sieg-Kreis gewesen ist. Das gehört zum Konzept der Klassik-Bühne Rhein-Sieg. Genauso wie die Ausrichtung für den guten Zweck. Dieses Jahr soll der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Rhein-Sieg bedacht werden. "2020 feiert er 15-jähriges Bestehen und möchte ein Fest des Lebens feiern, mit Familien und Ehrenamtlichen", sagte Christian Brand, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung, nachdem Pfarrer Michael Otterbach das Publikum als Hausherr begrüßt hatte zu einem frohen Abend bei festlicher Musik.

Das wurde es, und an dessen Ende gab es nicht nur eine Zugabe, sondern noch Zugang zur Sakristei. Viele Besucher nutzten die Chance, sich die Campanula aus der Nähe anzusehen. Schiefen sorgte dabei für ein kleines Konzert nach dem Konzert.

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