Weihnachten im Siebengebirge: Jobcenter steigt aus Wunschbaum-Aktion aus

Weihnachten im Siebengebirge : Jobcenter steigt aus Wunschbaum-Aktion aus

Die Wunschbaum-Aktion erfüllt seit über zehn Jahren Wünsche von Kindern und Senioren mit Bedürfnisbescheid. In diesem Jahr muss die Aktion allerdings ohne die Unterstützung des Jobcenters stattfinden. Hauptgrund dafür soll angeblich der Datenschutz sein.

Eigentlich soll die traditionelle Wunschbaum-Aktion des Bündnisses "Hauptsache Familie" möglichst viele Kinder glücklich machen. Auch dieses Jahr zur Weihnachtszeit. Aber Augen, die sonst gestrahlt hätten, könnten diesmal traurig dreinblicken. "Einige Kinder können wir diesmal möglicherweise nicht erreichen", befürchtet die Vorsitzende Laura Solzbacher. Der Grund: "Das Jobcenter kann uns nicht mehr unterstützen." Insbesondere Datenschutzgründe führt das Jobcenter laut dessen Sprecherin Sabine Schultz an, sich in diesem Jahr aus der Aktion zurückzuziehen. Damit aber fällt laut Solzbacher die größte Gruppe derer weg, die in den vergangenen zehn Jahren beschenkt wurden: "Und zwar ausgerechnet die bedürftigsten Kinder. Die, die sich eben nicht die Barbie oder das Computerspiel wünschen, sondern Winterschuhe."

Rund 350 Kinder im Alter bis einschließlich 14 Jahren und seit dem vergangenen Jahr zusätzlich rund 40 bedürftige Senioren aus drei lokalen Altenheimen sind in den vergangenen Jahren durch die Wunschbaum-Aktion beschenkt worden. Über die Wohngeldstelle und die "Tafel" habe das Bündnis "Hauptsache Familie" bisher 150 Kinder mit Bedürfnisnachweis ausfindig gemacht. Rund 200 weniger als möglich wären. Dabei sei die Wunscherfüller-Bereitschaft gerade in Bad Honnef immer sehr groß: Im Vorjahr seien alle Wünsche erfüllt worden, die an den Baum im Rathaus und drei weitere Bäume gehängt wurden. Wenn zuvor mal Karten hängen blieben, hätten unter anderem das Bündnis, die Kirchengemeinden, der Sozialverband VdK oder die Tafel dafür gesorgt, dass auch diese Kinder beschert wurden.

"Ein bisschen tragisch ist, dass nicht die Manpower oder das Geld der Grund sind, dass wir weniger Kinder glücklich machen können, sondern der Datenschutz", sagt Solzbacher. Zusätzlich zu den Ehrenamtlern des Vereins sind dieses Jahr drei städtische Mitarbeiter an der Durchführung der Aktion beteiligt. "Wir schreiben unter anderem die Hilfeempfänger an, die bei uns über die Wohngeldstelle und den SGB-II-Bereich erfasst sind", sagt Nadine Batzella, Leiterin des involvierten Fachdiensts Soziales und Asyl: "Die SGB-II-Empfänger vom Jobcenter rauszuhalten, wäre unfair". Sie hofft daher, dass sich nicht erfasste Bedürftige im Rathaus melden: "Es soll keiner durchs Raster fallen."

Auch das Jobcenter habe die Aktion in der Vergangenheit durchaus nicht nur mit Daten unterstützt, erklärt Solzbacher. Die Jobcenter-Mitarbeiter hätten einen großen Teil der Koordination übernommen, die bedürftigen Kinder angeschrieben, die Wunschkarten und die Pakete der Schenker angenommen und auch die Ausgabe im Jobcenter organisiert. All das soll dieses Jahr im Rathaus erfolgen. Auch das Versenden eines vom Bündnis vorgefertigten Erstschreibens, um so die Bedürftigen zu erreichen, hat das Jobcenter jetzt abgelehnt. Genauso wenig möchte es eine Kiste für die Kärtchen in seinen Räumen aufstellen, "weil da Adressen drin sind und die Verantwortung dafür dann wieder bei uns liegt, und das soll ganz klar nicht so sein", erklärt Schultz. Geeinigt hat sie sich mit Solzbacher auf Plakate, mit denen das Bündnis im Jobcenter auf die diesjährige Aktion hinweisen darf. Bedürftige Bad Honnefer haben nun zusätzlich im Rathaus die Gelegenheit, sich zu melden (siehe Infokasten).

Seit dem Jahr 2007 gibt es auch in Königswinter eine entsprechende Wunschbaum-Aktion. Alle Auszubildenden der Stadt Königswinter übernehmen das zum ersten Mal in alleiniger Verantwortung gemeinsam. Seit 2018 gibt es den Königswinterer Wunschbaum zusätzlich auch virtuell. Das Online-Angebot soll in diesem Jahr sogar noch ausgebaut werden, indem die rund 300 Wünsche vornehmlich an einem Tannenbaum auf der Internetseite der Stadt einzusehen sind, neben einigen, die aber auch noch an tatsächlichen Tannen an diversen öffentlichen Standorten hängen.

Bereits im vergangenen Jahr griff die Stadt Königswinter nach Angaben der Pressestelle bei der Aktion allerdings nicht mehr auf Daten des Jobcenters zurück, sondern erreichte hausintern ausreichend Kinder. Dies gelang über die Wohngeldstelle und dank Daten aus dem Jugendamt und vom Sozialamt und seit diesem Jahr zudem auch mit Unterstützung von Haus Heisterbach.

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