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Oldie-Treffen in Bad Honnef: Je oller, desto doller

Oldie-Treffen in Bad Honnef : Je oller, desto doller

Von diesen Kleinoden wollte sich keiner der Besitzer trennen. Beim Trödelmarkt am HIT-Markt gab's nicht nur den "Öl-Schinken" mit röhrendem Hirsch, sondern auch röhrende Motoren. Im Schneckentempo bog der Chauffeur im roten Roadster auf den Parkplatz ein.

Dass der Flitzer viel schneller unterwegs sein kann, als es der Besucherandrang auf dem Flohmarkt zuließ, war offensichtlich. Die nächste schicke Karosse kam in Gestalt eines Ford GT 40 um die Ecke. Mit einem Sieben-Liter-Motor unter der Haube, kommt er sonst bei Bergrennen oder auch mal auf dem Salzburgring zum Einsatz. Die Anfahrt zur Oldtimer-Show am 1. Mai war der erste Ausflug der Saison für den Veteran, Baujahr 1965. Wenn echte Rennen anstehen, wird er allerdings huckepack auf einem Hänger transportiert, so der Eigentümer des schmucken Wagens, der inkognito bleiben wollte.

Rund 40 Fahrzeuge bildeten am HIT-Markt eine Parade. Horst Klapdor aus Bad Honnef zeigte seinen gelben Lomax vom Typ 223. Ein Unikat, das der Maschinenbautechniker selbst vor 30 Jahren auf der Basis einer Ente aufgebaut hat. Hierfür entfernte er einer Ente die Karosserie und ersetzte sie durch Einzelteile des Bausatzes vom britischen Automobilhersteller Lomax Motor Company. 120 Stundenkilometer schafft das 30-PS-Gefährt, das noch zur ursprünglichen Variante des Lomax mit zwei Rädern vorn und nur einem Rad hinten gehört. Ob es nun die oder der Lomax heißt, darüber sind sich selbst die Lomax-Fans nicht einig.

"Das ist mein Traumauto", sagte Dirk Flach. Und es ist jetzt genau 50 Jahre alt. 1995 hatte der Bad Honnefer den Wartburg im Westerwald entdeckt und mit defektem Getriebe gekauft. Zwei Jahre nach dem Mauerbau war das Auto in Eisenach hergestellt worden. Wie es "in den Westen" gekommen ist, weiß Dirk Flach nicht. Der Wagen ist ein "Wartburg de luxe" mit Faltschiebedach, einer Holzleiste innen, Radio und Zweifarbenlackierung mit Champagnergelb und Grauweiß. Flach hat den Wagen komplett restauriert. "Das ist mein Sonntagsauto. Die Leute geben Lichthupe, sprechen mich darauf an, wenn ich irgendwo parke", erzählt der Einzelhandelskaufmann.

Bei schönem Wetter fährt er gern mit 80 Stundenkilometern über ruhige Straßen. Acht Liter Super mit einem Zwei-Takt-Öl schluckt das Automobil auf 100 Kilometer. Es stammt aus der 1896 gegründeten Fahrzeugfabrik Eisenach, die 1928 von den Bayerischen Motorenwerken übernommen und 1991 nach der Wende von der Treuhand geschlossen wurde.

45 PS hat Dirk Flachs Wartburg. 28.000 Ost-Mark musste der Käufer 1963 für das nicht serienmäßige Auto hinlegen. Zwischendurch zog es Flach bereits zur Geburtsstätte seines Wagens. Er besuchte Treffen von Wartburg-Fans in Eisenach und das dort ansässige Museum. Für Rainer Brock aus Siegburg indes geht nichts über den Käfer. "Es ist für mich das beste Auto der Welt. Es rollt und rollt und rollt. Ich hatte noch nie eine Panne", sagt der Kraftfahrzeugschlosser. Mit seinem Käfer 1303, Baujahr 1973, besucht er gern Oldtimer- und Käfer-Treffen. Die Veranstaltung in Bad Honnef war der erste Ausflug des Jahres.