Lesung des Bachelor in Bad Honnef: Jan Kralitschka: „Sei authentisch“

Lesung des Bachelor in Bad Honnef : Jan Kralitschka: „Sei authentisch“

Jan Kralitschka, bekannt als Bachelor aus der RTL-Sendung, liest vor überwiegend weiblichem Publikum aus seinem Flirt-Buch – und räumt mit Klischees auf.

Jan Kralitschka nimmt in der Buchhandlung Werber Platz, gerahmt von zwei rosafarbenen Rosensträußen, und wirft, noch bevor er die erste Seite seines Buches aufschlägt, alle Vorurteile über den Haufen. „Ich und Flirtexperte? Von wegen“, platzt es mit einem Lachen aus ihm heraus. „Beim Bachelor ist mir der Arsch auf Grundeis gegangen, ich war am Anfang total überfordert.“

Nein, der da so ungekünstelt und offen plaudert, ist weder ein oberflächlicher Schönling noch ein unverbesserlicher Rosenkavalier. Auch wenn er die Bachelor-Frucht konsequent ausgequetscht hat – wer mag es ihm schon verübeln? Kralitschka zu reduzieren auf „den, der mal beim Bachelor bei RTL mitgemacht hat“, wird dem in Bad Honnef lebenden Model, Rechtsanwalt, Promovenden und Autor nicht gerecht.

Drei Erkenntnisse eines außergewöhnlich unterhaltsamen Lese- und Anekdoten-Abends. Erstens: Kralitschkas Buch „Warum flirten?“ soll „alles, bloß kein Abschleppratgeber sein“. Der Titel? Eine Verlagsentscheidung. Fließband-Lektüre, angebiedert an die in den USA florierende Pick-up-Szene? Nicht mit ihm. Stattdessen leichte Unterhaltung, lustig, ironisch, charmant. Allzu ernst nehmen, das bittet der Autor gleich zu Beginn sein fast durchweg weibliches Publikum, sollte man sein im März erschienenes Werk nicht.

Und statt wiedergekäuten Patentrezepten für das gelungene erste Date serviert Kralitschka, der eine Ausbildung zum Mediator durchläuft, seine persönlichen Gedanken zu Alltagsthemen wie der Kommunikation zwischen Mann und Frau, dem Bewusstmachen eigener Stärken und der Angst davor, den ersten Schritt zu tun. Eine Angst, die der vermeintliche Herzensbrecher selbst kennt: „Bis zum Alter von 25 Jahren war ich ein echt schüchterner Mensch“, gibt er preis. „Lag vielleicht daran, dass ich mit 15 in der Tanzschule meinen ersten Korb bekommen habe und damit lange Zeit nicht fertig geworden bin.“ Selbst der Bachelor hat einst klein begonnen.

Mit Augenzwinkern und sprachlichem Fingerspitzengefühl

„Ein Flirt“, beginnt er dann zu definieren, „ist eine erotisch konnotierte Annäherung zwischen Personen.“ Und schiebt, schelmisch lächelnd, ein: „Merkt man der Schreibe eigentlich an, dass ich Anwalt bin?“ Doch keine Sorge: Kralitschkas Buch ist alles andere als trockener Tobak. Die Passagen, die er mit sprachlichem Fingerspitzengefühl vorträgt – Warum reden Mann und Frau eigentlich immer aneinander vorbei? Was ist romantisches Eigenmarketing? Lassen sich Beziehungsbomben frühzeitig erkennen? –, sind augenzwinkernde und feinfühlige Lektüre.

Zweite Erkenntnis: Das Modeln ist ein Beruf wie jeder andere – und Kralitschka scheut Selbstironie nicht. „Ich bin einfach nicht der klassische Armani-Catwalk-Typ. Privat habe ich drei Paar Jeans, ein paar bequeme T-Shirts und das war's.“ Mitgebracht hat er neben seinem Buch auch Arbeitsproben aus gut zehn Jahren Modelkarriere – angefangen mit Cover-Shootings für heillos kitschige Groschenromane, darunter auch einer mit dem beinahe prophetischen Titel „Erst brachte er Rosen, dann brach er ihr Herz“. Wie das denn für seine Familie sei, einen Prominenten – ein Wort, das er lieber meidet – in den eigenen Reihen zu haben?

Der Sohn nahm den Bachelor-Auftritt gelassen

Nachdem ihn ein Scout der Bachelor-Produktionsfirma in einem Düsseldorfer Club angesprochen hatte, fragte er zunächst seinen Sohn, damals ein Teenager, ob dieser etwas dagegen habe, seinen Vater von 20 hübschen Frauen umgarnt im Fernsehen ertragen zu müssen. Ganz trocken antwortete der: „Ach, Papa, ich hab' dich schon halbnackt in Unterhosen bei Aldi gesehen. Viel schlimmer kann's echt nicht werden.“

Auch, wie ihn die Regenbogenpresse „teilweise hart verrissen“ habe, habe ihn irgendwann kaum mehr tangiert. „In den Tagen nach dem Bachelor-Finale hatte ich ungelogen Paparazzi in den Bäumen vor meinem Haus sitzen“, erinnert sich Kralitschka. „Und die Bäckerin wollte mir keinen Cappuccino mehr verkaufen, weil ich die falsche Frau gewählt hatte.“ Alles halb so wild – außer in einem Fall, als Hobby-Fotografen ihn heimlich mit seiner Tochter aufnahmen und die Bilder an Klatschblätter schickten. „Da war ich echt wütend.“

Die dritte Erkenntnis des Abends: Mit seinem Buch ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Denn Jan Kralitschka ist immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Nachdem er sich anfangs, zum Flirtexperten wider Willen auserkoren, stets von der Frage nach Romantiktipps überrumpelt fühlte, begann er spaßeshalber seine Antworten aufzuschreiben – die Ausgangsidee war geboren.

Der Flirt-Ratgeber hat eine Botschaft

„Ein Buch zu schreiben kann unglaublich viel Spaß machen“, sagt er. „Denn als Model, so sehr ich diesen Job auch mag, ist man oft wie eine Schaufensterpuppe, nach eigener Meinung wird nicht gefragt. Deshalb war es eine nette Abwechslung, im Team mit Lektoren und Verlag gemeinsam an meiner eigenen kleinen Botschaft in Buchform zu arbeiten.“

Eine Botschaft, die da lautet: Sei authentisch, wage Neues, erkenne dich selbst und vergiss nie die anderen. Ein Credo, dem sich Kralitschka auch privat verpflichtet fühlt. Beim Bachelor, einer seiner bislang aufregendsten Herausforderungen, habe es entgegen der weit verbreiteten Meinung kein festes Drehbuch gegeben, das Geschehen sei authentisch gewesen. Wie das Material aber letztlich geschnitten und narrativ eingebunden wurde, darüber habe er dann keine Kontrolle gehabt.

Ob er die Sendung noch einmal mitmachen würde? „Nein“, antwortet er, „aber nicht, weil ich keine tolle Zeit hatte. Ich weiß einfach schon, wie es ist. Nochmal Bachelor zu sein, wäre keine Herausforderung mehr.“ Das Buch: Jan Kralitschka: „Warum flirten? Das Spiel auf Augenhöhe“, 132 Seiten, Gollenstein-Verlag, 12,90 Euro.

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