Erfolg gibt den Eltern Recht: Integrativer Kindergarten in Bad Honnef feiert

Erfolg gibt den Eltern Recht : Integrativer Kindergarten in Bad Honnef feiert

Das Integrative Kinderhaus „Die Wolkenburg“ in Bad Honnef feiert 30-jähriges Bestehen. Entstanden ist es auf Initiative von Eltern, die für ihre behinderten Kinder keinen Platz in einem Kindergarten fanden.

Ein Kindergarten, in dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam spielen und lernen – was heute vielerorts gang und gäbe ist, war vor 30 Jahren noch eine Seltenheit. In Bad Honnef zum Beispiel gab es Ende der 80er Jahre keine einzige integrative Einrichtung. Dass sich dies änderte, ist vier engagierten Familien zu verdanken. Sie sorgten dafür, dass die Idee eines Kinderhauses für alle Kinder, ganz gleich ob mit oder ohne Beeinträchtigung, kein Luftschloss blieb. Jetzt feiert die Wolkenburg an der Girardetallee in Bad Honnef 30-jähriges Bestehen.

Für unzählige Kinder ist das Montessori-Kinderhaus seitdem zu einem „himmlischen“ zweiten Zuhause geworden, in dem man nicht nur gemeinsam Spaß haben, sondern auch miteinander und aneinander wachsen kann. Am Samstag wurde der runde Geburtstag mit einem Fest unter dem Motto „Ob Inklusion oder Integration – wir leben es als Tradition“ gebührend gefeiert. „Wir waren damals vier Familien mit behinderten Kindern, für die es in Bad Honnef keinen integrativen Kindergarten gab“, erinnert sich Gründungsmitglied Doro Harnacke. „Die nächste Einrichtung war in Bonn, und für uns als Honnefer war es aussichtslos, dort einen Platz zu bekommen.“

Einrichtung startete in einem Schulkeller

Also ergriffen die Mütter und Väter selbst die Initiative und gründeten im Januar 1989 den Verein „Die Wolkenburg.“ Die Stadt stellte der neuen Elterninitiative zunächst übergangsweise Kellerräume in der Löwenburgschule zur Verfügung, so dass die erste Kindergartengruppe mit zwölf Jungen und Mädchen – davon vier mit Behinderungen – ein Jahr später starten konnte. Doch gerade in der Anfangszeit blies den Gründern immer Gegenwind ins Gesicht. Zunächst waren es Grundschuleltern, die eine zusätzlichen Lärmbeeinträchtigung für die Schulkinder befürchteten, später Anwohner der Girardetallee, die gegen den Bau des Kinderhauses Sturm liefen.

Dort hatte die Stadt ein Baugrundstück zur Verfügung gestellt. Der Verein, dem damals 15 Familien angehörten, stand vor der großen Herausforderung als Bauherr. „Viele Arbeiten sind damals in Eigeninitiative durchgeführt worden“, so Harnacke. 1995 konnten die Kinder und ihre Erzieher endlich in ihre Wolkenburg einziehen. Heute wird das Kinderhaus von 46 Jungen und Mädchen aus 14 verschiedenen Nationen besucht, 15 Kinder haben besonderen Förderbedarf, sechs stammen aus Flüchtlingsfamilien.

"Mehr Inklusion und Integration geht nicht"

In diesem Jahr gab es zur Karnevalszeit erstmals ein Kinderprinzenpaar – die Prinzessin war ein syrisches Flüchtlingsmädchen, der Prinz ein Junge mit Down-Syndrom. „Mehr Inklusion und Integration kann es eigentlich kaum geben“, sagt Harnacke, die heute noch als Erzieherin in Kinderhaus arbeitet. Sie freut sich, „dass die Idee, die wir damals hatten, von so vielen Familien weiter am Leben erhalten wird. Das machte einen schon sehr stolz.“

So bunt und vielfältig wie die Kindergartenfamilie ist, wurde am Samstag auch gefeiert. Es gab ein Buffet mit Leckereien aus aller Welt, integrative Mitmach-Stationen und Vorführungen, vom Auftritt der Rasselbande bis hin zu einer Zaubershow. Der besondere Dank von Kindergartenleiterin Andrea Weiß galt nicht nur ihrem Team, sondern auch den Eltern, die sich in unterschiedlichen Bereichen engagieren. „Ohne Sie gäbe es unsere Wolkenburg nicht.“