1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Bad Honnef

Insel Grafenwerth: Freibad öffnet am Montag - Begrenzte Besucherzahl

Begrenzte Besucherzahl : Freibad auf der Insel Grafenwerth öffnet am Montag

Das Freibad auf der Insel Grafenwerth öffnet am Montag. Die drei Monate Verspätung bedeuten 100.000 Euro Verlust für die Stadt. Für den Betrieb wurde ein spezielles Ticketing-System eingerichtet.

Länger als in jedem anderen Jahr haben die Wasserratten darauf warten müssen, dass das Freibad auf der Insel Grafenwerth seine Pforten öffnet. Und auch, wenn es am Montag, 29. Juni, endlich losgeht: In diesem Jahr ist vollkommen unbeschwerter Badespaß nicht möglich. Eingeschränkt wird er durch Abstands- und Hygieneregeln, eine Begrenzung der Besucherzahl auf maximal 400 in je zwei Schichten pro Tag und nur nach Anmeldung im Online-Ticketsystem. Gleich ganz auf die Saison zu verzichten, kam für Stadt und Bäderbetrieb aber nicht in Frage, obwohl die Öffnung sich finanziell nicht nur nicht rechnet, sondern sogar einiges an Mehrkosten mit sich bringt.

Hans-Joachim Lampe-Booms, Chef der städtischen Bäderbetriebe präsentiert das speziell eingerichtete Ticketing-System. Das macht kontaktlosen Kartenverkauf möglich und lässt die Badegäste über einen per Mail versendeten QR-Code ein. Währenddessen sind die Mitarbeiter im Hintergrund mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Da schiebt sich der Reinigungsroboter durch die Becken, werden Wasserproben genommen, um die Qualität des kühlenden Nasses zu überprüfen – soweit eigentlich Routine vor jedem Saisonstart.

Markierungen und Abstandsregeln

Alles andere als Routine waren die Vorbereitungen, die die Einhaltung der neuen Regelungen sicherstellen sollen. Den regulären Saisonstart Ende April hatte Corona ja gründlich vermiest. Und komplett offen war, wie sich die Situation entwickeln würde. Also wurden die Vorbereitungen gestoppt. Mitarbeiter halfen im Ordnungsdienst aus, der wegen der Kontaktbeschränkungen extrem gefordert war. Seit dem 2. Juni ist das Team wieder komplett und startete erneut, erledigte manches notgedrungen zum zweiten Mal, wie die Reinigung der Becken. Die sind nun mit Frischwasser gefüllt, das mit Solarenergie auf Schwimmtemperatur gebracht wurde.

Kirsten Linnartz nimmt Wasserproben. Foto: Frank Homann

Schon am Eingang werden die Besucher nun mit großen Bannern an die Maskenpflicht erinnert. Markierungen vor dem Bad und auf dem Gelände erinnern an die Abstandsregeln beim Warten und zeigen Wege zum einzigen Beckenzugang und von ihm fort. Die Duschen müssen geschlossen bleiben; geduscht werden kann aber am Becken. Beachvolleyball- und Soccer-Feld sind gesperrt. Dasselbe gilt für den Kleinkinderbereich, „die Sicherstellung des Abstands kann dort einfach nicht gewährleistet werden“, so Lampe-Booms. Gute Nachricht immerhin: Die Gastronomie öffnet, und auch der Minigolfplatz.

Besucher müssen dokumentiert werden

„Es wird sicher zu Warteschlangen am Eingang kommen“, so Lampe-Booms. Deshalb hätten auch die Fahrradständer abgesperrt werden müssen, um Pulks zu vermeiden. Das neue Einlass-System, dessen Menu nicht nur Anmeldung und Ticketkauf, sondern auch die Dokumentation der Besucher sicherstellt, optimiere den Zugang aber weit mehr, als es der „normale“ Kassenablauf tun würde. Lampe-Booms: „Was hier mit einer Zettelwirtschaft los wäre, kann man sich vorstellen. Und wir wollen doch, dass möglichst viele Besucher in den Genuss des Bades kommen.“

Um auch Gästen ohne eigenen Internet-Zugang den Ticketverkauf zu ermöglichen, soll es in der Stadt eine Anlaufstelle geben, an der Tickets mit Hilfe ausgedruckt werden. Wo das sein wird, dazu fehlt laut Lampe-Booms noch die letzte Klärung. Fest steht: Saison- oder Mehrfachkarten gibt es nicht, nur Tickets für den einmaligen Einlass, tagesscharf und festgelegt auf die gebuchte Früh- oder Spätschicht von 10 bis 14 Uhr oder von 15 bis 19 Uhr. Die Versendung der Tickets, für die es mehrere Bezahlmöglichkeiten gibt, erfolgt per E-Mail. Mit dem QR-Code darauf geht es zum Einlass, der sich aber nur öffnet, wenn QR-Code und gebuchte Zeit übereinstimmen. Um „Hamsterkäufe“ zu vermeiden, können Tickets nur in einem festen Zeitraum vor dem Besuch gekauft werden.

Für die Stadt, die ohnehin jede Freibadkarte mit zehn Euro subventioniert, ist die Öffnung nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell ein Kraftakt. Bürgermeister Otto Neuhoff: „Das ist nur eine von einer ganzen Reihe von Positionen, die wegen Corona den Haushalt belasten.“ Zum einen wäre da der Einnahmeverlust, der sich schon jetzt auf 100.000 Euro summiert wegen dreier verpasster Bade-Monate. Schon in „normalen“ Jahren liegt das Defizit bei rund 700.000 Euro. Zum anderen wurde einiges investiert. Und Saison-Besucherzahlen von 86.000 im Jahr 2018 oder 71.000 im vergangenen Jahr sind in diesem Jahr nicht drin.

Dennoch hält Neuhoff die Öffnung, die von Politik und Verwaltung uneingeschränkt getragen werde, für sehr wichtig. „Es ist eine enorm kostspielige Geschichte. Aber gerade jetzt, da ja auch das Reisen für viele Menschen eingeschränkt ist, ist es wichtig für die Familien in unserer Stadt, dass das Bad öffnet. Für die Bevölkerung ist das ein gutes Signal.“