20 Jahre Grundschülerbetreuung: Inklusion ist die nächste Herausforderung

20 Jahre Grundschülerbetreuung : Inklusion ist die nächste Herausforderung

Es gibt Dinge, die ändern sich nie. "Man hört am Knallen der Schultaschen auf dem Flur, wie der Morgen war", sagt Birgit Winkelhausen. Das ist heute so. Und das war schon so vor 20 Jahren. 1992, im Gründungsjahr der Grundschulbetreuung in Bad Honnef, gehörte Winkelhausen zum Team der ersten Stunde. An der Grundschule Am Reichenberg wurden damals 13 Kinder bis 13 Uhr betreut.

Es wurde ausgebaut zur Offenen Ganztagsschule (OGS) mit Betreuung bis zum späten Nachmittag, und die steht am Scheideweg. "Was die Raumsituation angeht, gilt: Mehr geht nicht", sagt Silke Kornstädt. 550 Schulkinder betreut der Stadtjugendring als Träger, 400 alleine in der OGS und 70 bis mittags. Weitere 33 Kinder besuchen die OGS Rhöndorf, die einen eigenen Träger hat.

Seit 1. Januar ist Silke Kornstädt hauptamtliche Geschäftsführerin der gemeinnützigen Stadtjugendring Träger GmbH, Birgit Winkelhausen ist Pädagogische Leiterin. Die Gründung der gGmbH war eine logische Folge der steigenden Nachfrage: Betreuung ist für immer mehr Familien unverzichtbar. Am Anfang, vor 20 Jahren, war das anders. Es gab Eltern, "die ihre Kinder nur angemeldet haben, um den Start zu ermöglichen - obwohl sie den Platz gar nicht brauchten", berichtet Winkelhausen. Angestoßen hatten die "verlässliche Schule" Politik und Stadt. Die Stadt führte auch Regie.

Zwei Mitarbeiterinnen, geringfügig beschäftigt, wurden eingestellt - das reichte bald nicht mehr. "Im zweiten Jahr hatten wir 27 Kinder an der Bergstraße, im dritten 43", so Winkelhausen. Auch an den anderen Grundschulen wurde die Betreuung eingeführt. Und dann kam der "Schülertreff" bis in den Nachmittag.

1999 übergab die Stadt die Trägerschaft an den Stadtjugendring; das Team wechselte zum neuen Träger. 2004 entstand in Rhöndorf die OGS, in Abstimmung von Schule und Rhöndorfer TV. 2005/06 folgte der Stadtjugendring mit Löwenburgschule, GGS Am Reichenberg, Martinus-Schule und Theodor-Weinz-Schule Aegidienberg. Ein Erfolgsmodell. 60 Mitarbeiter kümmern sich heute um die Kinder.

"Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen von den Eltern. In Einzelfällen wünschen sich Eltern mehr Flexibilität bei den Betreuungszeiten", sagt Kornstädt. Allerdings seien die gesetzlichen Vorgaben eindeutig: Werden die Zeiten nicht eingehalten, gibt es kein Geld vom Land. Wie rasant die OGS-Entwicklung war, zeigt auch das Beispiel Selhof. Winkelhausen: "Anfangs haben wir gerade so eine Gruppe zusammenbekommen."

Damals sei Betreuung oft in der Familien geregelt worden. Und heute? Erst im Sommer drohte die OGS aus allen Nähten zu platzen - die gesellschaftlichen Entwicklungen machen eben auch vor Honnef nicht halt. In immer mehr Familien gibt es zwei Verdiener, weiß Kornstädt, denn "es wird ja auch alles teurer".

Die OGS Selhof hatte eine lange Warteliste, viele Eltern sind abgesprungen. Heute werden 68 Kinder betreut, bei 70 liegt die Obergrenze. Hier wie andernorts ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Immer mehr Kinder werden eingeschult, die zuvor in der Kita bis zu 45 Stunden pro Woche betreut wurden und nun einen ähnlichen Betreuungsbedarf haben. Die Welle schwappt weiter und überschwemmt das Siebengebirgsgymnasium: 70 Fünft- und Sechstklässler werden zurzeit bei "Sibi plus" betreut.

Die Stadt hat vorgeschlagen, den Keller des Feuerschlösschens zur Betreuung zu nutzen und allen Mietern gekündigt. "So sind die Räume nicht nutzbar. Wie das mit dem Umbau gehen soll, ich weiß es nicht", sagt dazu Kornstädt. Die Stadt selbst räumt ein, die Verträge seien unter anderem wegen veränderter Anforderungen an den Brandschutz gekündigt worden, die eine Nutzung in diesem Zustand nicht mehr zuließen.

"Sicher, die Schülerzahlen werden längerfristig zurückgehen, aber der Pegel bleibt uns erst mal erhalten", meint Winkelhausen. Kornstädts Appell an Stadt und Politik: "Man muss sagen, wie man diese Spitze regeln will." Es wird mehr Platz gebraucht, sonst müssen Kinder abgelehnt werden. Umbauten aber kosten Geld, das die Stadt nicht hat. Und so lange Investitionen in die OGS keine gesetzliche Pflicht, sondern eine freiwillige Leistung der Kommune sind und Honnef im Haushaltssicherungskonzept ist, wird es dabei bleiben.

"Darum sollte man an höherer Stelle bohren", ist Kornstädt überzeugt. Denn die nächste Herausforderung steht an: die Inklusion. Auch für die Betreuung von Kindern mit Behinderungen muss die OGS entsprechend ausgestattet sein, räumlich und personell.

OGS-Küche wird umgebaut

Es tut sich was an der OGS Am Reichenberg: Die Küche soll umgebaut werden. Hinter vorgehaltener Hand hatte es bereits geheißen, das Gesundheitsamt des Kreises wolle die Küche schließen. Die Stadt auf Anfrage: "Die Küche bedarf einer Anpassung an den aktuellen Umfang der Nutzung, wobei auch Vorgaben des Amtes für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Kreises zu berücksichtigen sind."

Entsprechende Umbauten, wie Trennung von Speisezubereitung und Spülvorgängen, sollen erfolgen. Auch die Anschaffung einer größeren Industriespülmaschine steht an. Insgesamt werden am Reichenberg rund 75.000 Euro investiert; 25.000 schießt der Stadtjugendring zu, aus der "Notsituation" (Kornstädt) heraus, dass es so nicht weitergegangen wäre.