Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt: In Bad Honnef trifft deutsche auf syrische Backkunst

Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt : In Bad Honnef trifft deutsche auf syrische Backkunst

Konditor Osama Safar hat großes Glück gehabt: Er kann in dem Beruf, den er in seiner syrischen Heimat gelernt hat, in Bad Honnef weiter arbeiten - in der Kuchenmanufaktur.

Das es soweit kam, ist einem Zufall zu verdanken. Für Flüchtlinge im Rhein-Sieg-Kreis, die ein solches Glück nicht haben, hat die Arbeitsagentur Bonn/Rhein-Sieg eigens den Integration Point in Troisdorf eingerichtet.

Sobald sich die Tür zur Backstube der Kuchenmanufaktur in Bad Honnef öffnet, steigt der süße Duft von Kuchen, Torten und Cremes in die Nase. Um einen großen Tisch stehen Konditoren mit weißen Schürzen und bereiten Tortenböden und Teige vor. Osama Safar schlägt gerade Eier in einen Messbecher. Der Syrer arbeitet seit Oktober 2016 auf Basis eines 450-Euro-Jobs in der Konditorei. Und der Flüchtling hat mit seiner Arbeit überzeugt, seine Chefs Mark Neudenberger und Thomas Ziersch stellen ihn nun als Vollzeitkraft ein.

Safar hat großes Glück gehabt. Er kann in dem Beruf, den er in seiner syrischen Heimat gelernt hat, weiter arbeiten. Der Kontakt zu den Geschäftsführern der Kuchenmanufaktur entstand zufällig. „Mein Nachbar lernte Osama über ein Treffen in der Kirche kennen und machte mich auf ihn aufmerksam“, sagt Mark Neudenberger. Ein glücklicher Zufall, der nicht allen Flüchtlinge bei ihrer Suche nach Arbeit vergönnt ist. Deswegen hat die Arbeitsagentur Bonn/Rhein-Sieg eigens für Flüchtlinge im Rhein-Sieg-Kreis den Integration Point in Troisdorf eingerichtet.

Integration durch Arbeit

Der Integration Point ist eine Anlaufstelle für Flüchtlinge, die den Weg in den Arbeitsmarkt suchen. In Troisdorf finden Flüchtlinge aus dem rechtsrheinischen Kreisgebiet Unterstützung. In Bonn gibt es zudem zwei Stellen, die den Bedarf aus dem Linksrheinischen und der Stadt Bonn abdecken. Die Mitarbeiter des Integration Point sind auf zwei Gebieten aktiv: Sie vermitteln Flüchtlingen, deren Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist, Sprach- und Integrationskurse. Und sie helfen anerkannten Flüchtlingen beim Ausfüllen von Anträgen für gewisse Leistungen, auf die sie Anspruch haben, und beraten sie beruflich.

Eine Studie von April zeigt, dass es im gesamten Rhein-Sieg-Kreis rund 3096 arbeitssuchende Flüchtlinge gibt. Die meisten davon sind zwischen 25 und 35 Jahre alt.

„Unser vorrangiges Ziel für die Flüchtlinge ist der Spracherwerb. Viele sind sehr motiviert, wenn sie hier herkommen, und wollen direkt arbeiten“, sagt Teamleiter Markus Lindmüller. Deswegen müssten seine Kollegen die Klienten erst einmal bremsen und in Sprach- und Integrationskurse schicken. 599 Flüchtlinge aus dem gesamten Kreis wurden seit Jahresbeginn untergebracht. „Wir wollen nachhaltig Arbeit für die Flüchtlinge sichern und Fachkräfte ausbilden. Sie sollen nicht nur in Hilfsjobs untergebracht werden“, so Lindmüller. Nachdem die Flüchtlinge die Kurse erfolgreich absolviert haben, können sie sich weiter qualifizieren oder direkt eine Arbeitsstelle suchen. 823 Flüchtlinge aus dem gesamten Kreis wurden seit Jahresbeginn in Ausbildungen oder Weiterbildungen vermittelt.

Anerkennung dauert

„Die meisten Flüchtlinge haben in ihrer Heimat einen Beruf gelernt und wollten gerne in diesen Beruf wieder einsteigen“, sagt Lindmüller. Oft verzögere sich das aber, da ihre Ausbildung zunächst anerkannt werden müsse. „Zeugnisse und wichtige Dokumente sind meist während der Flucht verloren gegangen oder zerstört worden. Manche haben noch Fotografien von ihren Zeugnissen, das hilft gut weiter“, erklärt Lindmüller.

Ein Zeugnis war den Geschäftsführern der Kuchenmanufaktur nicht wichtig. Sie schauten sich an, wie Osama Safar arbeitete, und waren sehr zufrieden. „Die Arbeit im Team hat sofort geklappt und auch die Handgriffe haben gesessen. Das einzige was Osama lernen muss, sind die deutschen traditionellen Kuchen und Torten“, sagt Neudenberger. Safar wohnt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Siegburg. Sein Chef Mark Neudenberger lebt in Sankt Augustin und nimmt den 33-jährigen Syrer jeden Morgen mit zur Arbeit.

Auch die Mitarbeiter im Integration Point registrieren großes Interesse und Engagement bei den Arbeitgebern. Die Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen, sei sehr groß. Oft könnten die Flüchtlinge in Praktika vermittelt werden, über die sie sich schon einmal in den Beruf hineinfinden könnten. Auch Osama Safar hat vor der Anstellung in der Kuchenmanufaktur diverse Praktika in Bäckereien gemacht. Als er vor eineinhalb Jahren in Deutschland ankam, war es für ihn klar, dass er so schnell wie möglich eine Arbeit finden wolle.

„Eine Arbeit zu haben, ist ein wichtiger Schritt, um sich in einer neuen Gesellschaft einzufinden und sich wohlzufühlen“, weiß Safar. Für die Kuchenmanufaktur ist er ein großer Zugewinn: „Man findet nicht so schnell jemanden, der noch im Handwerk arbeiten will. Osama kann unser Angebot sogar mit seinen syrischen Kuchen ergänzen“, sagt Neudenberger. Osama Safar und seine Chefs haben weitere Pläne. Sie erkundigen sich derzeit über nötige Schritte, die es braucht, damit Safar einen Gesellenbrief ablegen kann.

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