Interview mit türkischer Journalistin aus Bad Honnef: „Ich muss die Dinge mit eigenen Augen sehen“

Interview mit türkischer Journalistin aus Bad Honnef : „Ich muss die Dinge mit eigenen Augen sehen“

Verstecken kommt für sie nicht infrage: Alev Dogan, aufgewachsen in Bad Honnef, ist Journalistin mit türkischem Pass. Im Interview mit GA-Redakteurin Katrin Janßen stellt sie ihre kritische Sicht zu den Geschehnissen in der Türkei dar.

Ein Teil Ihrer Verwandtschaft lebt in der Türkei?

Alev Dogan: Ja, vor allem die Familie meines Vaters. Mein Onkel lebt in Istanbul.

Geht es Ihren Verwandten gut?

Dogan: Ja. Ich hatte mit ihnen Kontakt.

Wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?

Dogan: Ich habe die Ereignisse auf allen Medien verfolgt, habe das regierungsunabhängige Fernsehen eingeschaltet. Außerdem habe ich die Ereignisse auf den sozialen Netzwerken verfolgt. Das habe ich dann für die Kieler Nachrichten übersetzt. Das ging schneller als auf die Berichte der Nachrichtenagenturen zu warten.

Haben Sie mit dieser Entwicklung gerechnet?

Dogan: Nein. Ich glaube, keiner hat damit gerechnet, dass das Militär noch einmal putscht.

Und welche Auswirkungen wird der Versuch auf die Türkei haben?

Dogan: Ich glaube, Recep Tayyip Erdogan kann ab sofort zweimal im Jahr feiern. Seinen Geburtstag und den 15. Juli.

Inwiefern?

Dogan: Der Putschversuch hat ihm in die Hände gespielt. Es würde mich nicht wundern, wenn er davon gewusst hätte und den Ereignissen ihren Lauf gelassen hätte. Die Türkei ist ein tief gespaltenes Land. Das gilt auch für das Militär. Ein Teil ist kemalitisch geprägt, der andere Teil ist längst ausgetauscht und steht hinter Erdogan. Das hat er gewusst, jedenfalls würde es mich nicht überraschen.

Trotzdem werden Sie in die Türkei reisen...

Dogan: Ja, ich werde nächste Woche privat in die Türkei fliegen und meine Familie besuchen. Zudem werde ich im Oktober eine internationale Konferenz, so sie stattfindet, besuchen.

Haben Sie keine Angst?

Dogan: Angst? Nein. Ich persönlich glaube, dass das die falsche Denkart ist. Ich glaube nicht, dass ich am Flughafen einkassiert werde. Ich glaube, sich jetzt zu verstecken, ist die falsche Herangehensweise. Gerade jetzt ist der Moment, wo man verstärkt hingucken muss. Das ist wie damals bei den Protesten am Gezi-Park. Viele haben mir gesagt, dass es verrückt ist, dorthin zu gehen. Aber was ist die Alternative? Für mich ist es nicht möglich, nur zu beobachten. Ich muss vor Ort sein.

Selbst wenn es gefährlich ist?