Partnerschaftskomitees feiern gemeinsam: Gründerväter feiern die Einheit in Bad Honnef

Partnerschaftskomitees feiern gemeinsam : Gründerväter feiern die Einheit in Bad Honnef

Derzeit scheint die Kluft zwischen West- und Ostdeutschen besonders groß. Dass es auch anders geht, bewiesen die Mitglieder des Partnerschaftskomitees aus Bad Honnef und dem sächsischen Wittichenau anlässlich des Tags der Deutschen Einheit.

Der diesjährige Tag der Deutschen Einheit wurde unter dem Eindruck der Bundestagswahl begangen. Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von Mauern in den Köpfen sprach und an den Zusammenhalt in der Gesellschaft appellieren musste, so konnte der Eindruck entstehen, dass die Kluft zwischen West und Ost in den vergangenen 27 Jahren nie größer gewesen ist als im Oktober 2017.

Dass eine Bundestagswahl aber nicht der Weisheit letzter Schluss ist, machten am Tag der Deutschen Einheit die Partnerschaftskomitees aus Bad Honnef und dem sächsischen Wittichenau deutlich: Das Gesicht, dass sie dem Nationalfeiertag bei ihrer gemeinsamen Feierstunde gaben, war durch Freundschaft, Solidarität und Zusammenhalt gekennzeichnet, ihre Botschaft eindeutig: Vertrauen in Deutschland, Mut zu Europa. Die Partnerschaftsvorsitzende Cornelia Nasner hatte ihre Gäste aus der Lausitz im Kunstraum des Rathauses empfangen.

Proeuropäische Demonstrationsplakate

Eingerahmt von den proeuropäischen Demonstrationsplakaten des Künstlers Ulrich Cremer standen sechs Stühle für ein Podiumsgespräch über die Anfänge der Städtepartnerschaft, die aktuelle Situation in Deutschland und auch für einen gemeinsamen Blick in die Zukunft bereit. Auf ihnen nahmen Herbert Kobalz, Gerhard Kockert und Peter Schowtka aus Wittichenau und der ehemalige Bürgermeister Werner Osterbrink und der ehemalige Stadtdirektor Rolf Junker aus Bad Honnef, Gründerväter der Partnerschaft, sowie Nasner als Moderatorin Platz.

Die Partnerschaft zwischen den beiden Städten war noch vor der Einheit besiegelt worden. Eine Delegation um den damaligen Bürgermeister Osterbrink und Stadtdirektor Junker war im Januar 1990 in den Osten gereist, um die potenziellen Partnerstädte zu besuchen. Nachdem die Bundeshauptstadt Bonn 1988 eine Städtepartnerschaft mit Potsdam abgeschlossen hatte, wollte man in der Region dem guten Beispiel folgen.

„Schon als ich das gelbe Ortsschild gesehen habe, auf dem nicht nur Wittichenau, sondern darüber auch in Schwarz, Rot und Gold „Einigkeit und Recht und Freiheit“ geschrieben stand, wusste ich, dass wir hier richtig sind“, erinnert sich Junker. Ans Herz gelegt worden war die kleine Stadt den Bad Honnefern auch, weil der Karneval dort eine lange Tradition hat. „Es war nicht das Hauptargument, aber sicherlich auch ein Gesichtspunkt“, versicherte Osterbrink, dessen Delegation beim Besuch in Wittichenau gleich auch zu einem Kappenabend, wie die Sitzungen im Osten heißen, mitgenommen wurde.

Gute Erfahrungen

Und auch die Wittichenauer machten gute Erfahrungen mit den Leuten aus Bad Honnef, die zum Beispiel halfen, eine nachhaltige Abwasserent- und Energieversorgung aufzubauen oder junge Leute in Wirtschaft und Verwaltung vermittelten. Deutschland sei eben nicht aufgeteilt in Besserwessi und Jammerossi, so der Konsens auf dem Podium. Ein Bewusstsein für Freiheit und demokratische Werte und die Wichtigkeit Europas müsse besonders für die junge Generation geschaffen werden, die es nicht mehr anders kenne. Der Strukturwandel im Osten müsse vorangetrieben und mentale wie geografische Grenzen überschritten werden, lautete das Fazit der sechs Teilnehmer übereinstimmend.

Den Anwesenden musste das aber eigentlich keiner mehr sagen, sie leben diese Werte schließlich vor. Mit einem positiven Ansatz: „Wer es geschafft hat, die Einheit Wirklichkeit werden zu lassen, der schafft es auch, die bestehenden Probleme und Vorurteile zu beseitigen“, glauben sie. Zum Abschluss stimmte Marie-Claire Junke, die mit Ruth Bläser die Feierstunde an der Harfe begleitete, die deutsche Nationalhymne an. Die Einigkeit war dabei zumindest im Kunstraum des Bad Honnefer Rathauses größer denn je.

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