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TX Logistik: Größte deutsche Privatbahn fährt ab Bad Honnef

TX Logistik : Größte deutsche Privatbahn fährt ab Bad Honnef

Rhöndorfer TX Logistik AG transportiert täglich Waren über 20 000 Kilometer Schiene - 60 Mitarbeiter und 110 Lokführer sollen auch in diesem Jahr für zweistelliges Wachstum sorgen

Als Kind hatte er eine Spielzeugeisenbahn. "Ob ich, wie die meisten Jungs, Lokomotivführer werden wollte, weiß ich gar nicht mehr." Heute jedenfalls ist Frank Otto Blochmann als Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der TX Logistik AG sozusagen oberster Lokführer. Denn innerhalb von fünf Jahren rangierte der Hamburger das in Rhöndorf ansässige Unternehmen mit 20 000 Kilometer pro Tag und 300 Abfahrten pro Woche nach eigenen Angaben auf Gleis eins der privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland.

Die Logistiker heizen ihre Kessel ordentlich ein: "Im vergangenen Jahr hatten wir einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro. In diesem Jahr werden es 60 bis 70 Millionen sein. Zweistellige Wachstumsraten sind der Normalfall für uns", sagt Blochmann, der jetzt mit dem "Entrepreneur des Jahres 2004" ausgezeichnet wurde.

2008 will die AG auch international im Zielbahnhof einlaufen - bis dahin nämlich möchte sie alle anderen privaten Güterbahnen in Europa abhängen. Blochmann: "Die Liberalisierung der europäischen Bahnen ist eine enorme Chance."

Der Aufsichtsratschef weiß, wovon er spricht. Mit Liberalisierung hat der 61-Jährige schließlich seine Erfahrungen. Er begleitete die der Postdienste und war von einer ähnlichen Entwicklung auch auf dem Sektor der Bahnen überzeugt. Logische Konsequenz: Er hob TX aus der Taufe, das für "Team X" steht, eine Managermannschaft, die eine gemeinsame Vergangenheit aus Post AG- und TNT-Express-Zeiten verbindet.

Wichtige Weichen wurden gestellt: So ist die Tochtergesellschaft der italienischen Staatsbahn seit einem Jahr mit 15 Prozent an der TX Logistik beteiligt, was den Rhöndorfern eine gute Position beim wichtigen Alpentransit auf der Nord-Süd-Achse verschaffte. "Durch eigene Tochterunternehmen in Österreich, in der Schweiz und in Schweden können wir außerdem flexibler agieren und den Nord-Süd-Korridor abdecken", erläutert Vorstandsvorsitzender Raimund Stüer. Zwecks Erwerb der Lizenz für Benelux ist die Firma gerade mitten in den Verhandlungen.

Für ihre Aktivitäten brauchen die Logistiker noch nicht einmal einen Bahnhof. "Die ganze Bahn ist in diesem Haus", zeigt Blochmann auf den Unternehmenssitz an der Rhöndorfer Straße. In der Zentrale sind 60 Mitarbeiter beschäftigt, Disponenten, Projektplaner, Logistiker, technische Betriebsleiter. Von hier aus akquirieren das Unternehmen Kunden, für die es Züge mit vielfältigsten Produkten auf die Reise schickt.

Konzerne wie BMW, VW oder Metro nutzen das Logistik-System ebenso wie Reedereien und Hafenbetriebe. Manche Firmen verfügen über eigene Waggons, für andere muss TX Logistik sie mieten.

Die Loks sind geleast; 30 Lokführer hat TX selbst ausgebildet, 80 weitere mittels Überlassungsverträgen angeheuert. Mit Rhöndorf sind sie zu jeder Minute der Fahrt per Handy verbunden. Und das Störfallmanagement sieht die Züge rund um die Uhr auf Bildschirmen mit GPS-System. An Wochenenden allerdings geraten die Loks schon mal auf "Nebengleise": Dann ziehen sie oft Samba-Züge, mit denen Fußballfans ihre Mannschaften begleiten.