Themenabend im Rhöndorfer Adenauer-Forum: Frauen von heute bestimmen mit

Themenabend im Rhöndorfer Adenauer-Forum : Frauen von heute bestimmen mit

Das Jubiläum "100 Jahre Frauenwahlrecht" war Anlass für die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus und die Frauen Union Rhein-Sieg, einen Vortrags- und Diskussionsabend zu veranstalten. Politikerinnen berichteten dabei von ihren Erfahrungen.

Bis zum Jahr 1908 war Frauen die Mitgliedschaft in Parteien durch das preußische Vereinsgesetz von 1850 untersagt. Auch das allgemeine Frauenwahlrecht wurde ihnen erst 1919 gesetzlich zugesprochen und damit 50 Jahre später als den Männern.

Die Jubiläen „100 Jahre Frauenwahlrecht“ und „70 Jahre Bundesrepublik“ waren Anlass für die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, gemeinsam mit der Frauen Union Rhein-Sieg zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion einzuladen. Der Abend stand unter dem Thema „Frauen im Deutschen Bundestag“. Gastgeber waren Manfred Speck, Staatssekretär a.D., und Monika Grünwald, Kreisvorsitzende der Frauen Union Rhein-Sieg.

Das Interesse war groß. Corinna Franz, Geschäftsführerin und Vorstand der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, blickte im Forum Adenauer auf durchgehend besetzte Stuhlreihen. „Ich begrüße drei berufene Frauen, die das Parlament beobachtet und analysiert haben“, hieß sie die Gastrednerin Professor Marie-Luise Recker von der Universität Frankfurt, sowie als weitere Podiumsgäste Dorothee Wilms, Bundesministerin a.D., und Elisabeth Winkelmeier-Becker, Mitglied des Bundestages, willkommen.

„100 Jahre Frauenwahlrecht“ sei kein feministisches Thema, sondern beziehe sich auf die gesellschaftliche Teilhabe, führte Franz in das Thema ein. Als Konrad Adenauer die politische Bühne betreten habe, sei das Frauenwahlrecht bereits vertraut gewesen und die Bürgerinnen als wahlpolitisch wichtige Kräfte ins Bewusstsein gerückt.

Soziale Themen waren früher „geziemende“ Aufgaben

„Nur ein Zipfel der Macht? Frauen im Deutschen Bundestag von 1949 bis 1989“ betitelte Recker ihren Vortrag. Sie lehrte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Neueste Geschichte. Von 2012 bis 2018 war sie Vorsitzende der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien.

In ihrem Referat beleuchtete die Wissenschaftlerin die Positionierung der Frauen im Bundestag sowohl im historischen, als auch im aktuellen Kontext und gab damit einen Impuls für die anschließende Diskussionsrunde.

In den Nachkriegsjahren seien Frauen im öffentlichen Raum weit weniger präsent gewesen als Männer. Der Einsatz für die Familie habe den Frauen wenig Raum gelassen, sich politisch zu entfalten. Frauen wurden eher „geziemende weibliche Tätigkeitsfelder“ zugeordnet, so Recker. Wurden sie in die Politik gewählt, hätten sie sich schnell in sozialen Themenblöcken wiedergefunden.

Mit dem Einzug der Frauen in Spitzenpositionen – als Beispiele nannte sie etwa Helene Wessel, Mitglied des Parlamentarischen Rates und eine der „Mütter des Grundgesetzes“, Bundestagspräsidentin Annemarie Renger und Rita Süssmuth, die von 1985 bis 1988 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit war sowie von 1988 bis 1998 Bundestagspräsidentin – sei Bewegung in die Männerdomäne Politik gekommen.

Frauenanteil im Bundestag liegt heute bei 30 Prozent

Bis 1983 habe der Frauenanteil im Deutschen Bundestag bei unter zehn Prozent gelegen, dann habe es einen Anstieg bis 2013 auf weit mehr als 30 Prozent gegeben. Heute etabliere sich eine neue Frauengeneration, die sich nicht mehr auf speziell abgesonderte Fraueninteressen abdrängen ließe.

In der anschließenden Podiumsdiskussion beleuchteten Dorothee Wilms – sie war von 1982 bis 1987 Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft und von 1987 bis 1991 die letzte Bundesministerin für innerdeutsche Beziehungen – und Elisabeth Winkelmeyer-Becker, die seit 2005 dem Bundestag angehört und Sprecherin der Arbeitsgruppe Recht und Verbraucherschutz der CDU/CSU-Fraktion sowie Mitglied des Fraktionsvorstands ist, ihre Erfahrungen auf der politischen Bühne.

Die zeitlich versetzten Blickwinkel offenbarten interessante Entwicklungen, zeigten aber auch wiederkehrende Erfahrungen auf, die sich bis heute im Politikgeschehen halten.

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