Frankenweg in Bad Honnef wird doch nicht niveaugleich ausgebaut

Verhärtete Fronten : Frankenweg in Bad Honnef wird nicht niveaugleich ausgebaut

Die Fronten in der Diskussion um den Ausbau am Frankenweg in Bad Honnef sind verhärtet. Der Planungsausschuss hat nun einen niveaugleichen Ausbau abgelehnt.

Er sei in der komfortablen Situation, nicht überzeugen zu müssen, da er ohnehin nicht überzeugen könne. So kommentierte Fabiano Pinto, Geschäftsbereichsleiter Städtebau im Rathaus, am Dienstag im Bauausschuss die Diskussion um den Ausbau des Frankenwegs. Die Fronten waren in der Tat verhärtet. Und sie verlaufen ebenso zwischen Anliegerinteressen wie zwischen Verwaltung und Anliegern sowie Verwaltung und Teilen der Politik. Entsprechend knapp war das Votum, mit dem die im April beschlossene Ausbauvariante am Ende noch einmal bestätigt wurde. Eine Pattsituation reichte aus, um den Antrag für einen niveaugleichen Ausbau abzulehnen.Vorausgegangen war eine engagierte, teils hitzige Debatte, die von rund 40 Anliegern im Zuschauerraum verfolgt und mit Beifalls- oder Unmutsbekundungen quittiert wurde.

Wie berichtet, machen sich 46 Anlieger - direkt wie indirekt betroffen vom Ausbau sind laut Verwaltung rund 150 Anlieger - dafür stark, vor einer herkömmlichen Ausbauvariante abzuweichen. Statt den vorhandenen Straßenraum in Fahrbahn und Bürgersteige aufzuteilen, fordern sie eine niveaugleiche Ausführung ohne beiderseitige Gehsteige mit einer bergseitigen Abtrennung durch Poller zum Fußgängerschutz.

Als Vorbild schwebt ihnen die Bahnhofstraße vor, aber gezielt mit Ausweisung als Fahrradstraße. Als Argumente hatte Gerd Lübbering namens der besagten 46 Anlieger, wie berichtet, unter anderem Verbesserungen beim Begegnungsverkehr, aber auch Stärkung der Radmobilität und allgemein Verkehrssicherheit ins Feld geführt, so durch Anmutung einer Art "Spielstraße" und damit Sensibilisierung der Autofahrer. Andere Anwohner hatten sich hingegen gerade um die Sicherheit der Fußgänger gesorgt. Dezidiert genannt wurde etwa die Kurve in Höhe Eulenhardtweg als Gefahrenstelle.

Schützenhilfe bekamen die Befürworter des gehsteiglosen Ausbaus von FDP und Grünen. Die Liberalen beantragten ihn ebenfalls. Birgit Eschbach: "Wir wollen nicht, dass am Frankenweg das Auto in den Mittelpunkt gestellt wird." Stop-and-go-Fahrten im Begegnungsverkehr, Lärm und Emissionen, aber auch Gefährdung der Radler auf dieser Nord-Süd-Achse führte sie ins Feld. Sie forderte Offenheit für die "Mobilität der Zukunft" und dass man keine konventionelle Lösung im Wortsinn zementieren solle. Besser sei es, "flexibel" zu bleiben. Tobias Karsten (SPD): "Eine solche Lösung bietet sich dort an."In dieselbe Kerbe schlugen die Grünen, wenn auch mit zusätzlichem Fokus auf das Thema Fahrradstraße, das sie zum Antrag erhoben. Eine solche könne ein "wichtiger Baustein" für das städtische Radfahrkonzept sein, zumal mit der Rommersdorfer Straße als Nord-Süd-Verbindung. Klaus Wegner: "Die Vorgaben an eine Fahrradstraße sind locker realisierbar."

Ein solches Projekt biete zudem "viele Chancen", auch hinsichtlich von Fördermitteln. Diametral entgegengesetzt war die Ansicht der Verwaltung, die von CDU und Bürgerblock mitgetragen wurde. Zwar wäre ein niveaugleicher Ausbau technisch machbar. Er entspreche aber weder den örtlichen Gegebenheiten, noch dem "maßgeblichen Regelwerk", der Richtlinie zum Ausbau von Stadtstraßen, hieß es in einem Schreiben an den Ausschuss; und zu dessen Einhaltung sei man verpflichtet. Wichtig sei die Sicherheit aller und vor allem der schwächsten Verkehrsteilnehmer, so auch Hansjörg Tamoj (CDU): "Der Starke verdrängt den Schwachen, der Schwache den Schwächeren. Das ist Verkehrsdarwinismus." Der Vergleich zur Bahnhofstraße hinke, so die Verwaltung in ihrem Schreiben: Der niveaugleiche Ausbau dort sei der Tatsache geschuldet, dass die Straße für andere Lösungen zu schmal sei. Übertragen auf den Frankenweg wären ebenfalls Poller und Gitter zum Schutz für Fußgänger nötig, was aber "das Parken praktisch unmöglich macht".

Zum Thema Fahrradstraße hieß es: Baulich unterscheide sich eine solche gar nicht von anderen Straßen, werde nur durch ein anderes Verkehrszeichen mit Vorrang für Radfahrer versehen. Vorwürfe, ein Dialog mit den Anliegern habe nicht stattgefunden, wies die Verwaltung von sich. So seien nach mehreren Runden sogar Anpassungen erfolgt, etwa Schwellen weggefallen. "Auch wir wollen bei dem Beschluss bleiben, die fachlichen Gründe wurden umfangreich dargelegt", so Tamoj. Die Anträge der FDP - zuvorderst Verzicht auf Einengungen der Straße, dann ein komplett niveaugleicher Ausbau beziehungsweise zumindest eine abgespeckte Variante mit flachen, abgerundeten Bordsteinkanten - wurden abgelehnt, ebenso der Grünen-Antrag, bei 9:8 und 9:9 Stimmen. Lübberings Fazit indes lautete am Mittwoch: "Hier wurde komplett am Thema vorbei argumentiert."

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