„Holi Colors Festivals“: Farbenchaos im Stundentakt auf Grafenwerth

„Holi Colors Festivals“ : Farbenchaos im Stundentakt auf Grafenwerth

Die vierte Ausgabe des „Holi Colors Festivals“ fand in diesem Jahr erstmals auf der Insel Grafenwerth statt. Nach Angaben des Veranstalters war es die „bislang wohl erfolgreichste“.

Die Musik wird immer lauter, und als dann endlich der angekündigte Beat Drop aus den Lautsprechern wummert, verliert die versammelte Meute ein paar ekstatische, magische Minuten lang den Verstand. „Holi!“, feuert DJ Phunktjan die Holi-Jünger an, „One, two! Go!“ Und aufs Kommando prasselt eine gigantische Farbwolke auf die tanzende Menge nieder, unzählige Farbbeutelchen zischen beim wilden Pulvergefecht durch die Luft.

„Jump!“, jault Van Halens Partyhit aus den Boxen, während Dutzende Farb-verrückte ausgelassen auf und ab springen, die ehemals weißen T-Shirts vom allmählich verwehenden Maismehl-Dunst hoffnungslos verfärbt. Was für ein Spektakel! Klar, auch die vierte Ausgabe des „Holi Colors Festivals“, in diesem Jahr erstmals auf der Insel Grafenwerth, war eine kolossale Sauerei – aber eben auch ein Riesenspaß, der seinesgleichen sucht.

Nach dem kollektiven Farbwahnsinn ist erst einmal Ruhe. Relativ gesehen, versteht sich – die Beats gehen weiter, DJ Phunktjan überlässt den Miami Rockers die Bühne. Die Tanzfläche dünnt indes aus, ist aber weiterhin gut bevölkert. Manche Festivalgäste, die sich waghalsig mitten ins Getümmel gestürzt hatten, sind inzwischen dermaßen eingekleistert, dass sie kaum wiederzuerkennen sind, und lassen sich jetzt erst einmal auf einen schattigen Wiesenplatz fallen. Wer Glück hat, kann sogar eine Strandliege für sich erobern.

Nach so viel schweißtreibender Ekstase – die Luftfeuchte lässt grüßen – gönnen sich auch Tommy (28) und Marvin (21) aus Bonn und Aachen am Bierstand eine kleine Erfrischung. Ob die einstündigen Intervalle zwischen den Farbschlachten zu großzügig angelegt sind? „Nein“, meint Marvin, „ich find's gut, dass es Pausen gibt, das gibt Struktur und Sicherheit. Ohne Intervalle gäbe es ein Riesenchaos und jeder würde dauernd von irgendwem eingesaut werden.“

Die meisten Besucher sind Frauen

Apropos Sauerei: Selbstverständlich werde ausschließlich hochwertiges Pulver ausgeteilt, versichert Veranstalter Jörg Grünewald, und zwar mit Lebensmittelfarbe versetztes Maismehl. Das möge zwar etwas teurer sein als entsprechende Billigprodukte, dafür bestehe aber keine Gefahr von Rückständen auf Haut und Haaren, so Grünewald – und auch die Umweltverträglichkeit sei zuvor im Zuge eines Artenschutzgutachtens getestet worden. Bedenkenloses Feiern also: Besucherinnen und Besucher, die sich mit einem Mund- oder Kopfschutz gegen das feine Pulver schützen, sind nur vereinzelt in der Menge zu erspähen.

Die Herren der Schöpfung stehen im Holi-Habitat übrigens ebenfalls auf der roten Liste: Das Farbenmeer ist in erster Linie ein Frauen-Magnet; rund 70 Prozent der Besucher seien weiblich, bestätigt Veranstalter Grünewald. Darunter auch die Schwestern Sarah (20) und Victoria (23) aus Bad Honnef, die von der Wiese nahe der Verpflegungsstände aus das Bühnengeschehen verfolgen. Den Inhalt von vier bunten Beutelchen – umgerechnet acht Euro – haben sie beim ersten Beat-Drop-Wahnsinn schon durch die Lüfte gewirbelt, den nächsten Drop wollen sie noch mitmachen, danach ist Feierabend. Das Fazit nach ihrer allerersten Holi-Teilnahme? Die Atmosphäre, sagen sie, sei „super und entspannt“, das Farbwerfen könne jedoch ruhig noch etwas öfter stattfinden.

Und nein, das Farb- und Musikspektakel zieht nicht nur die junge Generation an. Als Geschenk zum 20. Hochzeitstag hatte Oliver aus Sankt Augustin seine Daniela (beide 47) nach Grafenwerth eingeladen. „Wir alten Säcke heben den Altersdurchschnitt ganz schön an“, sagt Daniela und muss lachen. Toll finden beide: „Es gibt nicht nur moderne Technomusik, sondern auch Remixe von alten Hits.“ Schade sei bloß: „Dass das Ticket keinen Wiedereintritt ins Gelände garantiert, hat einige hier gestört.“ Aber abgesehen davon, sagt Daniela dann und rückt sich den Blumenschmuck im Haar zurecht, sei das Festival „ein Top-Event in einer Top-Location“. Und auf ins nächste Farbchaos. Klar ist jetzt schon: Die diesjährige Ausgabe war die „bislang wohl erfolgreichste“, so Grünewald – der Geländewechsel vom Bonner Basecamp auf die geräumigere Insel habe sich gelohnt. Und bei so viel ansteckender Begeisterung für ausgelassene, aber friedliche Farbensauerei, die die Besucher an den Tag legten, stehen die Chancen auf eine zweite Holi-Runde auf Grafenwerth gut – vorausgesetzt, die Stadt gibt ihrerseits grünes Licht. Klar, es mag sinnvollere Wege geben, sein Geld wortwörtlich zu verpulvern – aber mehr Spaß dabei zu haben, das wohl kaum.