Gespräch am Wochenende: Evangelische Frauenhilfe feiert 150-jähriges Bestehen

Gespräch am Wochenende : Evangelische Frauenhilfe feiert 150-jähriges Bestehen

Mit Stricken und Nähen für Bedürftige fing alles an. 1864 schlossen sich tatkräftige Frauen in Honnef zusammen, um Armen und Notleidenden zu helfen. Kommenden Mittwoch feiert die Evangelische Frauenhilfe Bad Honnef 150-jähriges Bestehen. Roswitha Oschmann sprach mit Ulrike Schumacher (71) vom Leitungsteam der 75 Mitglieder zählenden Vereinigung.

Stricken oder nähen Sie heute eigentlich auch noch?
Ulrike Schumacher: Jedenfalls nicht mehr, um mit Schürzen, Socken, Schals oder Mützen Mitbürgern zu helfen.

Was gab 1864 den Anstoß, im Dienste der Nächsten aktiv zu werden?
Schumacher: Auch hier im Siebengebirge herrschte Not, es bildeten sich nach und nach drei kirchliche "Hülfsvereine" in der Vikariatsgemeinde Königswinter-Honnef: der Evangelische Frauenverein zur Pflege der Bedürftigen in der Gemeinde und der Verein zur Unterstützung der evangelischen Anstalten. 1867 kam noch der Missionsverein hinzu. Vermächtnisse sorgten darüber hinaus für Erlöse, mit denen die Frauen Gutes tun konnten.

Und diese kleinen Hilfsvereine...
Schumacher: ...schlossen sich 1903 der Evangelischen Frauenhilfe an, die unter der Schirmherrschaft von Kaiserin Auguste Viktoria 1899 gegründet worden war.

Und die nächsten schweren Jahre kündigten sich schon an.
Schumacher: Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs schickten die Damen praktische Sachen direkt an Soldaten im Feld oder an Sammelstellen des Johanniterordens. In der Inflationszeit nähten die Frauen wieder eifrig, um mit dem Erlös helfen zu können. Jede Zeit stellte neue Anforderungen.

Um welche Themen kümmern Sie sich heute?
Schumacher: Der Weltgebetstag bildet einen Schwerpunkt in unserem Programm. Sommerfeste, Ausflüge und Adventsfeiern gehören ebenfalls dazu. Im Jubiläumsjahr fahren wir zum Beispiel in die Flora nach Köln, die ebenfalls seit 150 Jahren besteht.

Dann steht mittlerweile mehr die Gemeinschaft im Vordergrund?
Schumacher: Die Gemeinschaft ist uns sehr wichtig. Heute geben wir den Frauen Hilfe durch das Gespräch. Glaubensfragen, gesellschaftspolitische Themen werden bei unseren Veranstaltungen diskutiert. Zuletzt haben wir uns bei einer Unterschriftenaktion zur Rentengerechtigkeit für Mütter engagiert. Aber nach wie vor sammeln und spenden wir. Seit Jahren unterstützen wir zum Beispiel die Arbeit von Haus Heisterbach. Die Kreuznacher Diakonie erhält regelmäßig Mittel von uns, seitdem 1913 Schwestern aus Kreuznach in Honnef tätig waren.

Welche Persönlichkeiten prägten die Frauenhilfe?
Schumacher: 1949 nahm die Frauenhilfe unter Pfarrfrau Irene Heinemann einen Neuanfang nach dem "Dritten Reich": Das Gespräch über Bibeltexte stand im Mittelpunkt; es wurden Pakete in die DDR geschickt. Irene Heinemann leitete die Frauenhilfe bis 1977, gefolgt von Else Keune bis 1993. Gisela Schmidt übernahm die Führung 1994 und baute ein Mitarbeiterteam auf.

Die Evangelische Frauenhilfe feiert am Mittwoch, 14. Mai, ab 15 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, unter anderem mit dem Kirchenkabarett "Holy Hotline".