Physikzentrum Bad Honnef: Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung plant Neubau für ein Gästehaus

Physikzentrum Bad Honnef : Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung plant Neubau für ein Gästehaus

Geht es nach der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), dann rollen neben dem altehrwürdigen Gebäude der Elly-Hölterhoff-Böcking-Stiftung an der Hauptstraße ab Frühsommer die Bagger. Die DPG plant dort ein neues Gästehaus. Der Bauantrag ist bereits eingereicht.

Sobald die Genehmigung vorliegt, soll es losgehen. Kurt Seelmann, Vorsitzender des Kuratoriums, Bernhard Nunner, Hauptgeschäftsführer der DPG und somit Vertreter der Bauherrin, sowie Architekt Klaus Luft-Brix stellten am Wochenende den Nachbarn die Pläne des 3,5- bis Vier-Millionen-Projektes vor.

Hervorgegangen ist die Planung aus einem Architektenwettbewerb, an dem sechs Büros teilgenommen hatten. Der nochmals überarbeitete Siegerentwurf bildet nun die Grundlage für das Gästehaus. Dem Entwurf zugrunde liegen zudem umfangreiche Abstimmungen mit dem Denkmalschutz: Das Gebäude selbst und der Park sind geschützt.

Im Ergebnis geplant ist ein zweigeschossiges Gebäude, das sich von der heutigen Feuerwehreinfahrt Am Meßbeuel sowie über Eck am Hörsaal der Einrichtung erstrecken wird. Ein ausgeklügeltes Energiekonzept mit Geothermie und Voll-Klimatisierung und eine dem Stiftsgebäude angepasste Fassade sind Details. Kernpunkt sei, so Seelmann: "Damit sichern wir langfristig unseren Verbleib in Bad Honnef."

Das Haus wird eine reine Schlafstatt für Seminaristen: 38 Gästezimmer sind vorgesehen, keine Veranstaltungsräume. Und: Eine Tiefgarage mit 38 Plätzen entsteht. Nunner: "Wir wollen die Autos unter die Erde verbannen." Dies habe nicht "nur" praktische, sondern auch ästhetische Gründe: Der provisorische Parkplatz an der Hauptstraße komme weg, das Areal werde wieder begrünt. Die Einfahrt zur Tiefgarage und zum Gelände wird am Meßbeuel sein.

Ein positiver Nebeneffekt davon: Die heutige spitzwinklige und schlecht einsehbare Einfahrt - Nunner: "Ein Wunder, dass dort noch kein Unfall passiert ist." - wird nur noch für Fußgänger offen sein. Ein Grund für den Neubau ist die vorangegangene Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes.

Nachdem nicht nur Haustechnik und Brandschutz modernisiert, sondern auch die Zimmer heutigen Standards mit modernen Bädern angepasst worden sind, stehen im Hauptgebäude nur noch 41 Zimmer, bis auf wenige Ausnahmen Einzelzimmer, zur Verfügung. Angesichts von 90 Tagungen und Seminaren pro Jahr mit 5000 Teilnehmern und rund 13.000 Übernachtungen reicht das bei weitem nicht aus.

Insofern, so Seelmann, habe das "atmende System mit den heimischen Hotels, auf das wir sehr stolz sind" auch mit dem Neubau und laut Nunner geplanten Parallelveranstaltungen Bestand. Zugleich gelte: Vor allem seitens der Wilhelm- und Else-Heraeus-Stiftung bestehe der Wunsch, dass der wissenschaftliche Diskurs nicht nach der letzten Vorlesung ende, sprich: die Teilnehmer auf dem Gelände wohnen.

Die Stiftung, die alleine an die 20 Seminare jährlich in Bad Honnef durchführt, lässt sich das einiges kosten: Sie spendet die Errichtungskosten des Gästehauses. Sorge bereitete Nachbarn vor allem die Gestaltung des Parks. Brix-Luft und Nunner betonten: Die prägenden Bäume wie die alte Rotbuche am Meßbeuel bleiben.

Für Bäume, die fallen müssen, werde es Ersatzpflanzungen auf dem Gelände geben. Übrigens: Dass laut Nunner schon vor dem Baustart Bäume weg müssen, sei deren Alter geschuldet. Einige Exemplare seien bruchgefährdet, "die Verkehrssicherheit war nicht mehr gewährleistet". Zum Bauablauf beruhigte Brix-Luft: Rammvorgänge werde es "definitiv nicht geben, da diese auch dem Denkmal schaden würden".

Elly Hölterhoff-Böcking-Stiftung und Physikzentrum

Die Geschichte der Elly Hölterhoff-Böcking-Stiftung geht zurück bis ins 19. Jahrhundert. 1897 übertrug der Kaufmann Otto Hölterhoff sein umfangreiches Vermögen der Universität Bonn, gebunden an die Verpflichtung, ein "Heim für Damen höherer Stände und eine Haushaltsschule für Mädchen aus dem Volke" einzurichten. Das Gebäude wurde 1904 bis 1906 gebaut.

Ab 1947 diente die Stiftung besonderen Aufgaben der Universität Bonn in Forschung und Lehre sowie als Altersheim für "ältere Personen aus gebildeten Kreisen". In den 60er Jahren kam der Wunsch vieler Physiker nach einem "Sommerschulzentrum" auf. 1976 wurde das Physikzentrum gegründet.

1986 wurde der erste Nutzungsvertrag zwischen der Universität Bonn und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) geschlossen: Die DPG, die seit 1977 ihren Sitz in Bad Honnef hat, übernahm die Trägerschaft des Zentrums. Eigentümerin der Liegenschaft ist die Universität Bonn.

Seit 1991 hat das Zentrum einen eigenen Titel im Landeshaushalt NRW, der etwa ein Sechstel der Kosten deckt. Die restlichen Kosten werden aus Tagungserlösen gedeckt. 2003 wurde der "Wilhelm- und Else-Heraeus-Hörsaal" gebaut. 2009 einigten sich die Universität Bonn und die DPG auf weitere Zusammenarbeit bis 2039 inklusive Verlängerungsoption; dies legte die Grundlage für die grundlegende Sanierung des Gebäudes.

Die DPG brachte für die Sanierung, die in Abschnitten erfolgt, Eigenmittel in Höhe von 3,2 Millionen Euro auf. Das Land NRW bewilligte einen Zuschuss in Höhe von einer Million Euro.

Die Wilhelm- und Else-Heraeus-Stiftung gab 450.000 Euro für die Sanierung des Georg-Christoph-Lichtenberg-Kellers. Mit dem Budget von 4,7 Millionen Euro konnte ein Großteil der Sanierung bewältigt werden; dieser bezieht sich auf Arbeiten im südlichen Nebengebäude. Sie sollen realisiert werden, sobald der DPG die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.