Karréelösung in der Innenstadt: Einbahnring in Bad Honnef ist technisch machbar

Karréelösung in der Innenstadt : Einbahnring in Bad Honnef ist technisch machbar

Einen Probelauf haben die Bad Honnefer bereits absolviert: Wegen der Kanal-Baustelle in der Innenstadt wurde die Hauptstraße für mehrere Monate zur Einbahnstraße. Die Idee, dort dauerhaft eine Einbahn einzurichten, ist nicht neu.

Dem Bauausschuss lag jetzt die erste Einschätzung eines Experten dazu vor. Fazit: Zahlenmäßig und technisch wäre eine solche Lösung im Grundsatz machbar, zugleich gebe es eine Reihe offener Fragen.

Nicht überraschend: Weyermannallee und Luisenstraße müssten bei einer solchen Lösung deutlich mehr Verkehr aufnehmen. Gutachter Michael Vieten, Ingenieurgesellschaft Stolz GmbH in Neuss, sagte, der Testlauf während des Kanalbaus sei sicher nur eingeschränkt repräsentativ. „Die Autofahrer stellen sich auf die besondere Situation ein und meiden einen Baustellenbereich oft komplett“, so Vieten.

Gleichwohl bestehe die Möglichkeit, auch dauerhaft ein Karrée einzurichten. Dies gelte zumindest, was die Zahlen angeht – und alleine die sowie die grundsätzlichen technischen Voraussetzungen wie Fahrbahnbreiten standen jetzt im Fokus.

Einbahn in umgekehrter Richtung

Untersucht wurde eine Variante, die sich vom Provisorium während des Kanalbaus unterscheidet: die Einbahn in umgekehrter Richtung. Der Verkehr würde von Süden kommend ab Am Saynschen Hof/Bahnhofstraße über die Hauptstraße Richtung Norden geführt. Von Norden kommend wäre die Hauptstraße ab Weyermannallee dicht. Der Verkehr müsste stattdessen ab der Stadtsparkasse über die Weyermannallee bis zur Luisenstraße und von dort zur Bahnhofstraße fließen, wo er sich Richtung Saynscher Hof und Bad Honnefer Kreuz verteilen würde.

Im Mai hatte das Büro eine Verkehrszählung durchgeführt. Nicht verwunderlich, sei das Verkehrsaufkommen von 22 Uhr am Abend bis 6 Uhr morgens mit fünf Prozent gering, so Vieten. 95 Prozent des Verkehrs verteilten sich auf die Zeit von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr am Abend. Aus allen Zahlen ermittelt wurde ein statistischer Durchschnittswert für alle 365 Tage im Jahr.

Wenig erstaunlich ist dabei auch, dass aktuell am stärksten die Hauptstraße und der Saynsche Hof belastet sind mit jeweils 6.200 Fahrzeugen in 24 Stunden. Für die Weyermannallee wurde ein Wert von 2.600 Fahrzeugen in 24 Stunden ermittelt, für die Luisenstraße 3.000 bis 3.600 Fahrzeuge. Die Varianz bei der Luisenstraße sei darin begründet, dass der Abschnitt am dortigen Parkplatz häufiger befahren werde.

Weyermannallee und Luisenstraße entsprächen in ihrer heutigen Auslastung einer Wohnstraße, die Hauptstraße einer Sammelstraße, so Vieten. Wohnstraßen würden demnach mit bis zu 4.000 Fahrzeugen angesetzt, Sammelstraßen mit bis zu 6.000 Fahrzeugen und Hauptverkehrsstraßen mit 8.000 Fahrzeugen. Zum Vergleich: Auf der Bundesstraße 42 sind in 24 Stunden in südlicher Richtung 18.000, in nördlicher Richtung 28.000 Fahrzeuge unterwegs.

Zwei denkbare Varianten

Für eine Einbahn seien zwei Varianten technisch denkbar. Zum einen könnte der Abschnitt der Luisenstraße zwischen Weyermannallee und Bahnhofstraße zur geschlossenen Einbahn gemacht werden, gefahren werden dürfte also nur Richtung Bahnhofstraße. Lösung zwei sähe vor, eine Zufahrt nur von und zum Parkplatz in beide Richtungen zu ermöglichen. Zahlenmäßig hielten sich die Unterschiede zwischen den Varianten in Grenzen. Allerdings reduziere eine geschlossene Einbahn die „Konfliktpunkte“ auf der Strecke.

Vieten schätzt, dass damit sogar die Ampel an der Ecke Bahnhofstraße/Saynscher Hof verzichtbar sein könnte. Egal, wie die Lösung aussähe: Die Hauptstraße würde entlastet, Weyermannallee und Luisenstraße mit jeweils 3400 Fahrzeugen mehr belastet.

Wichtig war dem Gutachter: Es gebe auch darüber hinaus noch eine Reihe offener Fragen, so die des Öffentlichen Personennahverkehrs. „Die Fragestellung ÖPNV ist wichtig“, so Vieten. Theoretisch denkbar wäre zum Beispiel eine Busspur für beide Richtungen auf der Hauptstraße; damit aber wäre der Platz dort ausgereizt, Parkbuchten oder ein breiterer Fußgängerbereich wären nicht mehr möglich.

Die Fahrbahnbreiten gäben auch Busverkehr im Einbahnring her, einige Änderungen wegen der engen Kurven wären aber nötig. Ein weiterer wichtiger Punkt ist laut Vieten die Krankenhauszufahrt. Auch hier könnten Änderungen, etwa eine Umkehr der Einbahnrichtung in Bernhard-Klein- und Schülgenstraße, nötig werden. Der Ausschuss nahm die Ausführungen zur Kenntnis. Das Thema soll nun weiter verfolgt werden.