Abschluss der „Kunst-Akademie im Sommer“ am KSI: Ein Streifzug durch die Ateliers

Abschluss der „Kunst-Akademie im Sommer“ am KSI : Ein Streifzug durch die Ateliers

„Berühren erwünscht!“: Einige Kunstwerke wie die Figuren aus Serpentin durften angefasst werden beim Atelierfest der „Kunst-Akademie im Sommer“ im Katholisch-Sozialen Institut (KSI).

Die 100 Teilnehmer öffneten für Besucher die Ateliers, in denen sie in verschiedenen Sparten mit Meistern ihres Faches eine Woche lang zusammengearbeitet hatten, um die Ergebnisse dieser intensiven Schaffensphase zu präsentieren. So wie Michaela Pawlik, die mit Hammer, Meißel und Raspel bei dem preisgekrönten Bildhauer Washington Matafi aus Simbabwe erstmals mit Serpentin in Berührung gekommen war.

„Fassen Sie mal an“, ermunterte sie Gäste, die Hand über die Frauenfigur gleiten zu lassen. „Dieser Stein ist etwas Besonderes.“ Die Kölnerin hatte nicht nur einen bekannten Künstler aus Afrika und das Material Serpentin kennengelernt. „Diese Woche hier ist ein guter Ausgleich zum normalen Alltag.“

Das besondere Flair der Kunst-Akademie, mit Gleichgesinnten und angesehenen Künstlern eine Woche lang unter einem Dach zu leben und zu schaffen, zieht auch andere immer wieder an. Von Anfang an dabei ist Gabriele Müller-Klemke aus Sankt Augustin. Nach der Pensionierung legte die frühere IT-Spezialistin so richtig los. „Es ist toll, eine Woche lang mit vielen anderen kreativen Menschen zusammen zu sein, sich auszutauschen, abends auf der Dachterrasse zu sitzen.“ Bei Professor Helmut Hungerberg war sie der „Poesie der kleinen Dinge“ nachgegangen.

Organisatorin Renate Goretzki, Referentin für Kunst und Kultur im KSI, sagte bei der Begrüßung des Fest-Publikums: „Es ist eine Zeit des Experimentierens, in der man sich ausloten kann. Es geht nicht darum, das perfekte Kunstwerk zu schaffen, sondern etwas zu wagen.“ Sie dankte den Dozenten Washington Matafi, Professor Qi Yang, Professor Helmut Hungerberg, Professorin Nicola Stäglich, Andrea Ostermeyer, Friedrich Dickgiesser, Margrit Staßburger, Harald Naegeli und Tanja Dückers für ihren Einsatz. Eine Fülle von Kreativität zeigten deren Schützlinge – nicht nur auf Papier und Leinwand, sondern auch bei Tanz, Theater und beim Lesen der selbsterfundenen Geschichten.

So trug etwa Susanne Mayer aus Köln, die unter Leitung von Schriftstellerin Tanja Dückers in der Schreibwerkstatt aktiv war, ihre Geschichte „Der lindgrüne türkisfarbene Taschenspiegel“ in der voll besetzten KSI-Kapelle vor. In ihrer Ich-Erzählung schilderte sie, wie der Schwiegervater, ein Mediziner, die Malerin Gabriele Münter, die ehemalige Gefährtin von Wassily Kandinsky, kostenlos behandelt hatte, aber keines ihrer ihm immer wieder angebotenen Bilder als Bezahlung annahm. Tatsache? „Diese Passage ist wahr, die Sache mit dem Taschenspiegel erfunden“, verriet sie nach der Lesung Zuhörer Harald Naegeli. Der einst als Sprayer von Zürich berühmt gewordene Künstler war zum zehnten Mal als Dozent dabei. „Es reizt mich wegen meiner treuen Schülerschar, immer wieder der Einladung zu folgen.“ Seine Kursteilnehmer hatten sich mit seinem großen Thema „Urwolke“ befasst. „Die Urwolke wird zum Mythos nach meinem Tod. Sie ist der Gegenpol zu meinen Sprayaktionen. Jeder kann die Urwolke machen, nur die geistige Einstellung ist erforderlich.“

Die Urwolken seiner Schüler standen während des Atelierfestes im Halbkreis auf Staffeleien und vermittelten so „Kapellencharakter“. Das Kontrastprogramm zu den Kunstwerken im Parterre: Dort wurde zur Soul-Musik der Band „Luka“ getanzt.