Ausstellung in Bad Honnef: Ein Motiv, drei „Aussichts-Sachen“

Ausstellung in Bad Honnef : Ein Motiv, drei „Aussichts-Sachen“

Die Honnefer Alfred Schneiderwind, Jens Unglaube und Tim Adams inspirieren sich gegenseitig beim Malen und Fotografieren. Jetzt zeigen sie erstmals gemeinsam ihre Werke mit Motiven aus dem Siebengebirge.

Adäquat, analog, dazugehörig, passend: nur einige Synonyme für das Wort korrespondierend. Drei Bad Honnefer fügen eine weitere Bedeutung hinzu – eine künstlerische. Jeder auf seine Weise, haben sich Alfred Schneiderwind und Tim Adams mit Gemälden sowie Jens Unglaube mit Fotografien gleicher Motive angenommen. Diese korrespondierenden Bilder und weitere Ausschnitte ihres Schaffens zeigen die Künstler erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung. Die Schau „Aussichts-Sachen“ mit Landschaftsmotiven aus dem Siebengebirge wird am Sonntag, 23. Oktober, um 14 Uhr eröffnet.

Ein bisschen aufgeregt sei er schon, sagt Tim Adams: „Aber ich freue mich.“ Mit 14 Jahren ist er das Küken im Terzett. Seit zwei Jahren malt der Schüler regelmäßig mit Alfred Schneiderwind (55) in dessen Atelier und immer häufiger auch in der freien Natur. Eine Inspiration sei das auch für ihn, sagt der diplomierte Designer Schneiderwind, dessen abstraktere Werke mit Titeln wie „Farbfelder“ oder „Feldfarben“ schon in Einzelausstellungen in Mainz, Düsseldorf und Bad Honnef zu sehen waren. „Irgendwann sind wir beide rausgegangen mit der Staffelei, das hatte ich lange nicht mehr gemacht.“

Freude macht ihm auch, die Entwicklung seines „Schützlings“ zu beobachten. „Ich habe selber mit etwa zwölf Jahren angefangen zu malen, wie Tim auch“, sagt der 55-jährige Wahl-Honnefer. Es sei spannend zu sehen, wie nun ein anderer junger Maler sein Talent und seine Technik weiterentwickele und den eigenen Stil entdecke. „Besonders spannend war das zu sehen bei einem Speed-Painting“, so Schneiderwind. Innerhalb weniger Stunden malten beide parallel mehrere Bilder zum selben Motiv, „da kam bei Tim dann etwas ganz anderes heraus. Toll, wie er das gemacht hat.“

Die Insel Grafenwerth aus vielen Perspektiven

Ähnlich wie die beiden Maler liebt auch Jens Unglaube die Motive des Siebengebirges. „Ich kann mich zehnmal auf die Insel Grafenwerth stellen, und immer wieder sind da neue, faszinierende Eindrücke und Motive“, sagt der 41-jährige Architekt. Er zieht mit Kamera und Stativ los. „Ich hatte schon lange den Wunsch, mir eine Spiegelreflexkamera zu kaufen. Vor zehn Jahren habe ich es dann gemacht.“ Wie Schneiderwind und Tim Adams schätzt er an seinem Hobby die Ruhe, das Kontemplative. Schneiderwind: „Es kann passieren, dass wir malen und zwei Stunden kein Wort sagen.“

Während Beruf und Passion in Unglaubes Stadt- und Architekturaufnahmen Hand in Hand gehen, bestechen seine Landschaftsfotos oft durch ganz besondere Lichtstimmungen, für die er mit Vorliebe nachts auf Motivsuche geht. Eine dieser Fotografien, eine Aufnahme vom Bad Honnefer Jachthafen im rotgoldenen Abendlicht, gab sozusagen den Anstoß für das gemeinsame Projekt der drei Bad Honnefer. „Wir sahen das Foto und dachten, es wäre doch eine gute Idee, das Motiv auch auf Leinwand umzusetzen“, so Schneiderwind. Keine Kopie, wohl aber ein Rezitieren eines Motivs, in das Empfindungen und Sichtweisen der Maler einfließen. „Kunst lebt immer auch vom Nachahmen und verändern.“

Wie zum Beleg variiert die Aussicht auf den Jachthafen auf den Leinwänden in Farbe und Licht, wird der Tote Rheinarm in Schneiderwinds Bild „neu belebt“, wie er sagt. Andersherum inspirieren Motive der beiden Maler Jens Unglaube zu Fotos. „Ich sehe ein Bild und denke gleich darüber nach: Wie kann ich das als Fotomotiv umsetzen.“ Viel Raum also für jede Menge weiterer „Aussichts-Sachen“.

Mehr von GA BONN