Tradition in Rhöndorf: Ein besonderes Fußballspiel an Weihnachten

Tradition in Rhöndorf : Ein besonderes Fußballspiel an Weihnachten

Zum 71. Mal heißt es in Rhöndorf wieder Ober- gegen Unterdorf: Traditionell begegnen sich dort am zweiten Weihnachtsfeiertag zwei Mannschaften im Fußballspiel. Der Spaß steht im Vordergrund - von der ersten bis zur dritten Halbzeit

Das Bergvolk hat es wieder geschafft. 11:6 lautete das Ergebnis des traditionellen Fußballspiels zwischen dem Ober- und Unterdorf von Rhöndorf. Nach dem 11:3 von 2018, als zum 70. Mal diese Begegnung am zweiten Weihnachtsfeiertag ausgetragen wurde, konnten die Muschelsucher vom Rhein auch in diesem Jahr nichts gegen ihre Gegner bergseits der Rhöndorfer Straße ausrichten.

Aber der guten Laune und dem Sportsgeist tat das keinen Abbruch. Kaum hatte Schiedsrichter Bernd Baumgarten, der nach 44 Jahren als Spieler auf dem Platz vor drei Jahren in die Rolle des Schiedsrichters wechselte, die zweite Halbzeit abgepfiffen, lagen sich die Spieler beider Mannschaften in den Armen und sangen gemeinsam Schlachtrufe wie: „Zicke, zacke, Hühnerkacke – Oberdorf wird siegen, Unterdorf wird Haue kriegen …“

Noch als beide Teams auf dem Platz von Haus Rheinfrieden standen, gab es vom Schiri kaum etwas zu beanstanden. „Es war eine sehr faire Partie“, meinte Baumgarten. Rote Karten werden bei diesem Spiel gemäß dem Rhöndorfer Regelwerk nicht vergeben, Fouls vielmehr für die beteiligten Kontrahenten mit einem Schnaps geahndet. Und die Flasche mit Williams Christ war am Ende des Spiels noch fast voll.

Die Teams mit jeweils fünf Feldspielern und einem Torwart hatten natürlich ihre Fans mitgebracht, die ihre jeweilige Mannschaft vom Spielfeldrand aus anfeuerten und ihr die Daumen drückten. „Die Katze vom Oberdorf hat den Schuss wieder prima pariert“, meinte ein Fan aus der „Drachenfels-Region“. Torwart Martin Rölver ließ dann auch nur sechs Schüsse in seinen Kasten. Marvin Höhner, Tormann aus dem Unterdorf, versuchte zwar in der zweiten Halbzeit mit seinen Leuten, das Spiel noch herumzureißen, aber das gelang ihm am Ende doch nicht.

Der Spaß kommt nicht zu kurz, ganz gleich, ob Sieg oder Niederlage. Foto: Frank Homann

Da hatte sogar Dietmar Keßler, Feldspieler des Oberdorfs, noch Zeit, um sein Töchterchen Aurelia zu wickeln, das mit Mama Francesca zum Anfeuern gekommen war. Das war vermutlich eine Premiere in den 71 Jahren. Am Rand wurden auch frühere Akteure wie Joachim Funke, Winfried Redeligx oder Peter Morys gesichtet.

„Jahrzehntelang war das Unterdorf besser“, meinte Morys, der schon mitspielte, als der Ball noch auf dem alten Platz „Am Steinchen“ rollte. Auch sein Sohn Dirk kam zum Zuschauen. „Jetzt spielt schon mein Enkel Timo mit“, meinte der 80-Jährige, der bis zum Alter von 65 Jahren selbst auf dem Spielfeld war. „Zwischendurch war ich nur einige Jahre nicht da, als ich zur See fuhr. Und beim HFV habe ich auch gespielt.“ Morys senior stieß Winfried Redelgx an: „Es juckt schon in den Füßen, wenn man das so sieht.“ Als plötzlich der Torstand auf 10:6 hochging, ulkte er: „Nach den neuen Regeln wird bei Zweistelligkeit rückwärts gezählt.“

Zur Tradition trugen auch zwei weitere Akteure Zahlen bei: Dieter Keßler war diesmal zum 20. Mal dabei. Und Domenick Baumgarten zum 33. Mal – er ist damit der aktuelle „Alterspräsident“. Beide wurden bei der Siegerehrung gewürdigt. Die Oberdörfler, die seit dem Jubiläumsjahr 2018 weiße Trikots mit der „70“ auf dem Rücken tragen, konnten erneut den Pokal nach Hause tragen. Da halfen auch die schwarzen Trikots der Unterdörfler mit der Aufschrift „Die Weltmeister vum Rhing“ nichts.

Die dritte Halbzeit wurde dann in der Gaststätte „Zum Küfer Jupp“ angepfiffen. Dirk Morys hatte der Nachfolgegeneration noch auf dem Platz einen Obolus in die Hand gedrückt, damit auch das traditionelle Stiefeltrinken ein Erfolg werden konnte. Und natürlich wurde bei diesen weiteren „45 Minuten“ noch lange über die Begegnung gesprochen. Und die Revanche für 2020 ist auch schon angekündigt.