Flüchtlinge in Bad Honnef: Die Senioren haben sie ins Herz geschlossen

Flüchtlinge in Bad Honnef : Die Senioren haben sie ins Herz geschlossen

In Bad Honnef arbeiten 100 Flüchtlinge gemeinnützig – wie Mohammad Aboughobaish und Sahar Isa. Der 28-jährige Iraner und die 45-jährige Syrerin helfen im Altenheim Marienhof.

Käthe Tibi hat vier Enkelkinder. „Und das ist mein Junge Nummer fünf“, sagt die Bewohnerin des Cura-Altenheims Marienhof mit Blick auf den jungen Mann neben sich. „Mohammad bringt den Kaffee, holt mir die Tabletten, abends zieht er mir die Strümpfe aus. Er ist so flink.“

Mohammad Aboughobaish ist jeden Nachmittag auf Etage eins tätig. Und Sahar Isa kümmert sich vormittags um die Senioren auf der zweiten Etage. „Sie ist immer freundlich, ihr Lächeln kommt gut an“, weiß Manigeh Agai, die Leiterin Sozialer Dienst im Altenheim am Brieberichweg. Mohammad, wie den 28-jährigen Iraner alle im Haus nur nennen, weil sein Nachname so kompliziert auszusprechen ist, und Sahar Isa, die 45-jährige Hebamme aus Syrien, leben seit dem Herbst vergangenen Jahres in Bad Honnef, in Flüchtlingsunterkünften. Seit drei Monaten arbeiten sie im Altenheim.

„Wir haben Glück mit den beiden, sie sind pünktlich, zuverlässig, immer motiviert, wir müssen aufpassen, dass sie zwischendurch auch mal eine Pause einlegen“, betont Roswitha Topf, die Pflegedienstleiterin des Hauses. „Von Anfang an wurden die beiden hier gut angenommen. Wir freuen uns sehr darüber, dass Mohammad Aboughobaish und Sahar Isa hier arbeiten dürfen und dass ihrerseits die Bereitschaft bestand, es hier zu versuchen.“ Ihre Kollegin Agai bestätigt: „Wir profitieren von ihnen. Und die beiden sind sehr zufrieden, dass sie nicht zu Hause sitzen müssen.“

Den respektvollen Umgang mit älteren Menschen, ihre Hilfsbereitschaft, ihre stets freundliche Art hebt sie besonders hervor. „Alle Mitarbeiter, alle Bewohner und deren Angehörige sind sehr zufrieden.“ Die beiden bringen Kaffee oder Wasser und das Essen, sie putzen und begleiten die Senioren bei Spaziergängen. Agai: „Bemerkenswert ist ihr Umgang mit dementen Bewohnern. Mit Streicheln und einem Lächeln bewirken sie, dass es den alten Leuten gut geht.“

Auch Irmgard Hargesheimer lobt die beiden Flüchtlinge. Sie ist seit mehr als fünf Jahren Marienhof-Bewohnerin. „Die beiden haben es uns leicht gemacht, uns an sie zu gewöhnen. Als wären sie schon immer bei uns gewesen.“ Dabei sei es anfangs seltsam für sie gewesen, als da plötzlich „ein dunkelhaariger Herr kommt, der einem an die Beine will“. Sie meint die Hilfe beim Ausziehen der Kompressionsstrümpfe.

"Kinder brauchen Hilfe, alte Menschen auch"

Mohammad wollte unbedingt in einem Altenheim arbeiten. Für seine Mutter in der Heimat kann er nichts tun. Deshalb möchte er anderen alten Menschen hier helfen. Er würde auch später gern in einem Altenheim tätig sein. „Aber nur im Marienhof“, sagt er. Ihm gefällt es in Bad Honnef und am Rhein. Vor seiner Flucht mit dem Boot über das Meer nach Griechenland hat er auf einem Markt gearbeitet.

Sahar Isa ist mit ihrem Mann, zwei Söhnen und einer Tochter nach Bad Honnef gekommen. Anfangs war sich die Hebamme nicht sicher, ob das Altenheim die passende Aufgabe für sie ist. Aber jetzt liebt sie ihre Arbeit. „Es ist kein großer Unterschied. Kinder brauchen Hilfe, und alte Menschen brauchen Hilfe. Ich möchte gern helfen.“ Die beiden Flüchtlinge betonen, dass sie der deutschen Gesellschaft etwas zurückgeben möchten, dass sie dankbar sind für die Aufnahme und Hilfe, die ihnen gewährt wird.

Stets versuchen die Flüchtlinge die Verständigung im Altenheim erst einmal auf Deutsch, bevor sie auf Englisch umsteigen. Mohammad kann Arabisch, Persisch und Englisch, Sahar Isa Arabisch und Kurdisch. „Meiner Bekannten fiel auf, welche Fortschritte Mohammad seit ihrem letzten Besuch vor einigen Wochen beim Deutschlernen gemacht hat“, berichtet Irmgard Hargesheimer. Und Käthe Tibi ist sicher: „Er beherrscht auch bald die deutsche Sprache gut.“ Manigeh Agai erzählt, dass nach den guten Erfahrungen in Bad Honnef auch das Altenheim in Königswinter gern Flüchtlinge haben möchte. „Aber nicht unsere“, beugen Irmgard Hargesheimer und Käthe Tibi lachend vor.

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